Ein Freisinger Stadtteil im Wandel:Neustift wird sein Gesicht verändern

Lesezeit: 3 min

Ein Freisinger Stadtteil im Wandel: In den Dialog mit den Anwohnerinnen und Anwohnern eines Grundstücks in Neustift tritt die Stadt Freising. Die Bürgerinnen und Bürger sind mit der dort geplanten Bebauung nicht einverstanden.

In den Dialog mit den Anwohnerinnen und Anwohnern eines Grundstücks in Neustift tritt die Stadt Freising. Die Bürgerinnen und Bürger sind mit der dort geplanten Bebauung nicht einverstanden.

(Foto: Marco Einfeldt)

Auf einem ehemaligen Erdbeerfeld sollen bezahlbarer Wohnraum für ungefähr 300 Menschen und ein Kindergarten entstehen. Das hört sich zunächst gut an. Doch die Kritik der Anwohner bleibt, obwohl die Stadt Freising den Bebauungsplan schon reduziert hat.

Von Katharina Aurich, Freising

Die Stadt Freising überplant zur Zeit ein 21 000 Quadratmeter großes, freies Grundstück im Stadtteil Neustift, damit dort Wohnungen entstehen können. Ein Investor hatte die Fläche dafür erworben. Nachdem ein erster Entwurf für die künftige Bebauung bekannt geworden war, formierten sich die Anwohner und sammelten 830 Unterschriften gegen das Vorhaben. Ihre Kritik: die Bebauung sei viel zu dicht, die Gebäude zu hoch und die Frage, wie sich immer mehr Autos durch die engen Straßen Neustifts drängen sollen, ungelöst.

Sie verlangen eine maßvolle Entwicklung ihrer Nachbarschaft, die sich an der langsam gewachsenen Bebauung mit Ein - und wenigen Geschossflächenbauten orientiere. Bei einer Informations- und Diskussionsveranstaltung am Freitagabend erläuterten die Mitarbeiter der verschiedenen Ressorts der Stadt zwei Stunden lang die Pläne und bemühten sich, die Befürchtungen auszuräumen.

Ursprünglich sahen die Pläne ein Gebäude mit sieben Etagen, einer Art Turm in der Mitte des Areals, sowie fünfgeschossige Wohnhäuser vor. Das ist inzwischen vom Tisch, geplant sind nun meist viergeschossige Gebäude mit etwa 140 Wohnungen für ungefähr 300 Menschen, erläuterte Stadtbaumeisterin Barbara Schelle. Im Norden an der Hochackerstraße hätten die Gebäude zwei Geschosse.

Es solle bezahlbarer, barrierefreier Wohnraum entstehen. Dafür seien Aufzüge nötig, die sich jedoch nur ab vier Geschossen wirtschaftlich rechneten, so Schelle. Die Stadtbaumeisterin nahm kein Blatt vor den Mund, das neue Baugebiet werde im Gegensatz zu den jahrzehntelang gewachsenen Strukturen schnell entstehen, man rechne mit einer Bauzeit von drei Jahren und die neue Bebauung werde in Zukunft das Ortsbild prägen.

Die Zufahrt zu dem Wohngebiet soll über die Herrmannstraße erfolgen

Etwa 42 Wohneinheiten würden öffentlich gefördert und die Stadt errichte einen Kindergarten auf dem Areal. Die Kosten für den Bau neuer öffentlicher Verkehrsflächen sowie für ein Mobilitätskonzept mit Verleihmöglichkeit von Fahrrädern übernehme der Investor, der sich dazu in einem städtebaulichen Vertrag verpflichte, skizzierte Schelle einige Rahmenbedingungen.

Unter das gesamte Areal werde eine Tiergarage mit 140 Stellplätzen gebaut, 26 neue Parkplätze sollen am Straßenrand entstehen, erläuterte Architekt Johannes Petzl. Die Zufahrt solle über die Hermannstraße erfolgen, nur dort wäre eine kurze Rampenlänge möglich. Außerdem würden 80 neue Bäume auf der Fläche gepflanzt, schilderte Daniela Süß vom Freisinger Stadtplanungsamt.

Bei einer "Fishbowl-Diskussion", die Christina Kragl und Christof Isopp von einem Planungsbüro moderierten, kamen die Betroffenen zu Wort. Eine Anwohnerin kritisierte, dass die Verkehrszählung, die man als Grundlage für ein Verkehrskonzept nehmen wolle, zu Coronazeiten durchgeführt worden sei. Zu diesem Zeitpunkt hätten viele Bürger im Homeoffice gearbeitet, die Zahlen seien daher nicht repräsentativ. Dies wolle man auf Plausibilität überprüfen, versprach Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher. Kurt Dittrich sorgt sich um die Stabilität der bestehenden Häuser, wenn in ihrer unmittelbaren Nähe Spundwände für die Tiefgarage eingeschlagen würden.

Die Verkehrssituation in Neustift ist schon jetzt auch auf Grund vieler Baustellen schwierig

Die alten Mauern bestünden oft nur aus Ziegelsteinen. Erich Würfel wohnt direkt gegenüber der geplanten Tiefgaragenausfahrt. Er schlafe bei geöffnetem Fenster, "stellen Sie sich vor, da fahren abends und nachts alle paar Minuten Autos hinein und heraus", sorgt er sich. Ein weiterer Bürger schilderte die Verkehrssituation in Neustift, die jetzt schon auch aufgrund von Baustellen schwierig sei. Wie sollten drei Jahre lang die großen Baufahrzeuge dort hinein und wieder herauskommen, frage er sich.

Ein Freisinger Stadtteil im Wandel: Auf diesem ehemaligen Erdbeerfeld sollen Häuser mit etwa 140 Wohnungen entstehen. Das Baugebiet wird das Stadtbild des Freisinger Stadtteils Neustift verändern.

Auf diesem ehemaligen Erdbeerfeld sollen Häuser mit etwa 140 Wohnungen entstehen. Das Baugebiet wird das Stadtbild des Freisinger Stadtteils Neustift verändern.

(Foto: Marco Einfeldt)

Gleichzeitig mit dem Bebauungsplan solle ein Verkehrskonzept samt einer Parkraumbewirtschaftung für Neustift erstellt werden. "Wir nehmen Ihre Anregungen alle mit", versprach Stadtbaumeisterin Barbara Schelle.

Die detaillierten Pläne werden Ende Juli im Bau- und Planungsausschuss der Stadt vorgestellt

Michael Stockwald, einer die Initiatoren der Unterschriftensammlung, bedankte sich am Schluss für den offenen Dialog mit der Stadt, aber die veränderten Pläne mit der reduzierten Gebäudehöhe seien kein Kompromiss im Sinne der Neustifter Bevölkerung. "Reduzieren Sie die Bebauung", forderte er unter dem Applaus der Zuhörer. Die Stadt wolle sicher schnell bauen und keine zugeparkten Straßen oder mit Klagen überzogen werden, sondern im Einklang mit den Neustiftern bauen, formulierte er.

Eine Abstimmung, die er vorschlug, verdeutlichte am Ende der Veranstaltung, dass die große Mehrheit der etwa 85 Zuhörer auch mit den veränderten Plänen nicht einverstanden sind. Diese würden am 27. Juli im Bau- und Planungsausschuss der Stadt vorgestellt, anschließend erfolge die öffentliche Auslegung. Dabei könnten Änderungsvorschläge eingebracht werden, dann werde abgewogen und der Bebauungsplan schließlich verabschiedet, beschrieb Oberbürgermeister Eschenbacher die weiteren Schritte.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB