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Priester in Freising:"Dieser Gott meint es gut mit uns"

Freising ist Thomas Barenth gut vertraut. Dort arbeitete er im Landratsamt, bevor er sich als Spätberufener zum Priester weihen ließ. Weil Pfarrer Peter Lederer erkrankt ist, hilft er im Pfarrverband aus.

(Foto: Marco Einfeldt)

Als spät berufener Priester bringt Thomas Barenth Erfahrungen aus der früheren Arbeit im Landratsamt in die Seelsorge ein.

Interview von Clara Wollmann, Freising

Seit September unterstützt Pfarrvikar Thomas Barenth (40) die Freisinger Pfarrverbände St. Korbinian, Neustift und Lerchenfeld als Krankheitsvertretung von Pfarrer Lederer. Dennoch ist Freising für den gebürtigen Moosburger kein Neuland, hier war er zwölf Jahre im Landratsamt tätig, ehe er sich für den Priesterberuf entschied. Mit der Freisinger SZ sprach er über seinen Weg, seine Aufgabe als Wegbegleiter und das ständige Weitergehen bis zum Ziel.

SZ: Der SZ-Artikel, der im Juli 2016 anlässlich Ihrer Priesterweihe erschien, trug den Titel "Endlich angekommen". Sind Sie, vier Jahre später, wirklich angekommen?

Thomas Barenth: Auf jeden Fall. Ich bin angekommen in dem, was ich machen will, nämlich unterwegs sein als Mensch des Glaubens, den Glauben mit anderen teilen, ihn feiern und weitergeben. Ich sehe es als Geschenk an, diese Aufgabe ausüben zu dürfen. Die vergangenen Jahre, auch nach der Priesterweihe, bin ich immer mehr da hineingewachsen, eigentlich kommt jeden Tag etwas hinzu. In diesem Sinne kann man wohl nur teilweise ankommen, so bin auch ich auf der Suche. Das Ziel ist ja für uns erst nach dem Leben erreichbar, mit der Ewigkeit, in der Gemeinschaft mit Gott.

Ist nicht auch der Weg das Ziel?

Der gesamte Weg, so habe ich es die vergangenen Jahre erlebt, dient mit seinen Fortschritten, schönen Ereignissen, großen Erfolgen, aber auch Rückschritten, Verlusten, eher der Reifung. Aber das, worauf wir zugehen, geschieht erst nach dem Leben. Was uns aber nicht Vertröstung sein soll, denn in dieser Welt beginnt und geschieht dieses Heil. Man muss offen sein für die Stationen, auf die man unterwegs trifft, an denen man ankommt und weitergeht.

Warum haben Sie Freising als Station auf Ihrem Weg gewählt?

Irgendwie kommt es ja eher auf uns zu. Von der Diözese wurde ich gefragt, ob ich nicht angesichts der Notsituation einspringen könne. Da habe ich gerne zugesagt, zum einen, da ich die Kollegen vor Ort unterstützen kann, zum anderen ist mir Freising ein vertrauter Ort. Ich habe hier persönliche Verbindungen und Freundschaften aus früherer Zeit.

War dann der Schritt hierher Bestimmung?

Natürlich hätte ich auch Nein sagen können, aber ich empfinde es schon so, an diese Stelle gerufen worden zu sein.

Ihr Weg ging einige Umwege. Im Landratsamt waren Sie für Staatsangehörigkeits- und Einbürgerungsrecht sowie die Klärung von Unterhaltsansprüchen zuständig. Macht Sie das zu einem besseren Wegbegleiter für Ihre Gemeinde?

Das müssen doch die Menschen entscheiden. Aber sicher, meine Berufs- und Lebenserfahrung helfen mir, das habe ich früh gemerkt und es hat sich auch über die Jahre bewahrheitet. Ich bringe einen tieferen Blick für Menschen und die Situationen, in denen sie stecken können, mit. Im Landratsamt hatte ich von ganz handfesten Themen bis hin zu wirklich schwierigen persönlichen, auch rechtlichen Anliegen zu tun. Aus dieser Zeit kenne ich so manche komplizierte Lebenssituation, und ich weiß, wie sich das anfühlt. In Seelsorgegesprächen kann ich anders für die Person da sein, ihr Unterstützung und Mut geben. Diesen Erfahrungshorizont möchte ich nach wie vor nicht missen.

Wann begann Ihr geistlicher Weg?

Er war eher ein Prozess mit vielen Etappen, angefangen in der Heimatpfarrei, als mich die Jugendbewegung begeisterte. Er war nicht das auslösende Moment, doch hat mich der Weltjugendtag 2008 in Sidney, wo ich als Gruppenleiter mit vielen Menschen unterwegs war, sehr geprägt. Danach ist eine neue Dynamik entstanden.

Was war danach anders?

Ich habe etwas für mich ganz Intensives am Glauben entdeckt. Nämlich, dass es diesen Jesus wirklich gibt, dass er etwas mit meinem Leben zu tun hat, er mir etwas vorgibt und möchte, dass ich mehr mit ihm unterwegs bin.

Wie unterstützen Sie als Priester andere auf ihrem Weg?

Seinen Weg muss jeder selbst gehen. Diese Wegsuche geht ein Leben lang, doch was man als Seelsorger sein kann, ist ein Wegweiser, der eine Richtung vorschlägt. Man ist miteinander unterwegs auf einem Stück des Glaubenswegs. Ich kann teilen, was ich erlebt habe und von dem ich überzeugt bin, nämlich dass dieser Gott es gut mit uns meint und er da ist. Ob man diesem Wegweiser dann folgt, wie die Straße schlussendlich aussieht, wohin sie führt, ob man links oder rechts abbiegt, bleibt immer die eigene Entscheidung, die einem niemand abnehmen kann.

Für welchen Weg man sich auch entscheidet, keiner ist immer ganz leicht.

Herausforderungen gehören zum Leben dazu, sonst wären wir ja schon im Himmel. Auch für mich war es nicht leicht, nach längerer Pause und ohne Abitur im Spätberufenenseminar zu studieren und die Sprachscheine zu machen. Ich denke, man muss sich seinen Herausforderungen stellen, man wächst daran. Allerdings darf man dabei nicht die Rückbindung verlieren, für wen und was man unterwegs ist. Glauben ist ein Vertrauensakt, für mich ist es daher umso wichtiger, immer wieder die Vergewisserung der Beziehung zu Gott zu spüren.

Worin finden Sie diese Vergewisserung?

Wie die Pflege einer guten Beziehung sind vertraute Momente und gute Gespräche wichtig. Ich spüre sie in stillen Zeiten, beispielsweise im Gebet. Der Glaube macht nicht jeden Tag die gleiche Freude, an manchen hadere und ringe ich mit Gott. Vieles bleibt mir auch verborgen, aber es ist wichtig, sich dem zu stellen und nicht auszuweichen. Das wünsche ich mir für alle Gläubigen, dass man in dieser Dynamik drinbleibt. Der Beziehung zu Gott Raum geben, ist, glaube ich, Glauben. Und das ist auch, was uns auf unserem Weg voranbringt.

© SZ vom 28.09.2020/av

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