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Freising Klinikum:Auf Kurs bringen

FREISING: Aussenansicht KLINIKUM / KREISKLINIK / KRANKENHAUS

Eine Taskforce kümmert sich im Klinikum Freising darum, das Haus auch finanziell wieder auf gesunde Füße zu stellen.

(Foto: Johannes Simon)

Corona hat nicht nur das Klinik-Personal an seine Grenzen gebracht. Eine Task Force erarbeitet zusammen mit externen Beratern ein Konzept, um das Haus auch finanziell wieder auf gesunde Beine zu stellen

Von Peter Becker, Freising

Turbulent, so lässt sich die Entwicklung des vergangenen Jahres am Freisinger Klinikum kurz und bündig am Besten beschreiben. "Die Dinge haben sich schlagartig entwickelt", stellte Landrat Helmut Petz (FW) bei der Pressekonferenz zum Ende des Jahres fest. Er selbst wurde gleich zu Beginn seiner Amtszeit mit den Auswirkungen der Coronapandemie im Landkreis Freising konfrontiert. Zu diesem Zeitpunkt war die Belastung des Pflegepersonals im Krankenhaus schon enorm. Dann überraschte Petz mit der Nachricht von der Abberufung des bisherigen Geschäftsführers des Klinikums, Andreas Holzner. Aktuell ist eine Task Force im Begriff, das Freisinger Krankenhaus neu auszurichten, um den Aufbau weiterer finanzieller Defizite zu verhindern.

"Das Jahr 2020 wird indes allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben", heißt es im Jahresbericht des Landratsamts zum Stichpunkt "Klinikum Freising". Ende Februar war das Covid-19-Virus auch im Landkreis aufgetaucht und begann, das Personal im Krankenhaus vor große Herausforderungen zu stellen. Auf die ersten Verdachtsfälle folgten immer mehr Patienten mit schweren Verläufen der bislang unbekannten Krankheit. 61 Menschen sind im Landkreis bislang an den Folgen der Erkrankung oder zumindest mit dem Virus gestorben. "Die innerliche und physische Erschöpfung vieler Mitarbeiter war enorm", heißt es im Jahresbericht des Landratsamts. Der Verdacht liegt nahe, dass sich die Situation im Jahr 2021 erst langsam entspannen wird.

Das Freisinger Klinikum war mit der Hypothek einer Neuverschuldung von 2,5 Millionen Euro ins Jahr 2020 gestartet. Die Ursachen dafür sind unterschiedlich. Die Casemixzahl, die für die finanzielle Ausstattung eines Krankenhauses entscheidend mitverantwortlich ist, sank in den vergangenen Jahren kontinuierlich. Sie beschreibt den Schweregrad einer Behandlung. Je höher dieser ist, umso besser für das Budget eines Krankenhauses. Unter anderem wegen der Personalknappheit konnten schon vor Corona nicht alle Intensivbetten im Freisinger Krankenhaus belegt werden. Das wiederum bedeutet, dass Patienten mit schweren Erkrankungen von den Ambulanzen nach Ingolstadt, Erding oder andere Kliniken gefahren wurden. Gestiegene Kosten beim Personal haben ebenso zum Defizit beigetragen. Ob dies zur Abberufung des früheren Geschäftsführers Holzner beigetragen hat, bleibt das Geheimnis all derjenigen, die an dessen Demission beteiligt waren. Auf Initiative von Erich Irlstorfer (CSU) kam im September eine nicht öffentliche Kreistagssitzung zustande. In der erläuterte Petz die Hintergründe seines Handels und das des Krankenhausausschusses. Auch während des Jahrespressegesprächs ließ sich Petz kein Sterbenswörtlein über den Inhalt der Sitzung entlocken. Nur so viel, dass das Informationsbedürfnis der Kreisräte in der Sitzung gestillt werden konnte.

Seit 22. Oktober ist jetzt Maren Kreuzer Geschäftsführerin des Klinikums. Petz ist voll des Lobes, wenn er über die aktuelle Situation am Krankenhaus spricht. "Die Geschäftsführerin nimmt alle mit. Auf einmal sprudeln die Ideen. Es herrscht eine richtige Aufbruchstimmung." Gleichwohl wird auch die neue Geschäftsführerin die finanzielle Lage des Klinikums nicht auf Anhieb verbessern können. In der letzten Kreistagssitzung des alten Jahres prognostizierte sie, dass das Defizit des Klinikums im Jahr 2020 wohl auf 2,9 Millionen Euro wachsen werde. Dies ist unter anderem Corona geschuldet. Wegen der Pandemie musste das Klinikum Operationen absagen. Manche Patienten verzichteten aus Furcht vor einer Ansteckung von sich aus auf geplante Eingriffe.

In den letzten Wochen des ablaufenden Jahres hat sich eine Task Force etabliert, die zusammen mit externen Beratern überlegt, wie das Klinikum wieder auf Vordermann gebracht werden kann. "Das lässt sich gut an", stellte Petz fest. Zum ersten Quartal des neuen Jahres seien Ergebnisse zu erwarten. Noch vor Weihnachten hat Petz an einem Auswahlgespräch für einen Radiologen am Klinikum teilgenommen. "Das bringt viele Möglichkeiten", sagte der Landrat. Zum Beispiel in der therapeutischen Radiologie. Über bildgebende Verfahren könne man Eingriffe zum Beispiel bei Schlaganfällen genauestens beobachten. Dies sei unter anderem ein Anforderungsprofil für den neuen Radiologen. Die eigenen Stärken auszubauen, das könnte laut Petz dazu beitragen, das Klinikum finanziell wieder auf Kurs zu bringen. Ins Kalkül zieht er auch die Zusammenarbeit mit anderen Kliniken.

Indessen hat das Klinikum im vergangenen Jahr seine überregionale Bedeutung als Ausbildungsbetrieb in der Krankenpflege ausgebaut. Ergänzend zur dreijährigen Ausbildung an der Berufsfachschule für Pflege bietet das Krankenhaus jetzt eine einjährige Ausbildung zu einer Pflegefachkraft an. Sie richtet sich vor allem an Neu- und Quereinsteiger in den Beruf.

© SZ vom 04.01.2021
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