bedeckt München 16°

Klimaaktivistin Theresia Endriß im Interview:Engagiert und solidarisch

Im Freisinger Weltladen ist die 30-jährige Theresia Endriß als Einkäuferin tätig und engagiert sich auch ehrenamtlich in dessen Bildungsteam.

(Foto: Marco Einfeldt)

Theresia Endriß, Biologin und Klimaaktivistin, kämpft für eine bessere Welt und eine bessere Zukunft. Für Freising wünscht sie sich eine autofreie Innenstadt.

Interview von Lisa Philine Weddingen, Freising

Als Treffpunkt schlägt Theresia Endriß den Weltladen in Freising vor. Denn neben ihrem Engagement in der Mahnwache Klimagerechtigkeit, im solidarischen Netzwerk und ihrer Teilnahme bei Aktionen von "Freising ist bunt" ist die 30-Jährige auch als Einkäuferin im Weltladen tätig und engagiert sich ehrenamtlich in dessen Bildungsteam. Endriß kämpft für eine bessere Welt und eine grünere Zukunft - weil es ihr sehr wichtig ist, aber auch, weil es ihr unglaublich Spaß macht, wie sie sagt. Sie könne gar nicht anders, als sich für den Klimaschutz und globale Gerechtigkeit einzusetzen.

SZ: Frau Endriß, wie fing das mit Ihrem Engagement in Freising an?

Theresia Endriß: Das ging damit los, dass Ernst Hörmann die Klima-Mahnwache gestartet hat. Da habe ich gesagt: da schließe ich mich an. Anschließend wurde ich Teil des Weltladen-Bildungsteams. Eine Sache, für die ich mich noch engagiere, neben Demonstrationen und politischer Arbeit, ist Bildungsarbeit. Das ist dann leider komplett ausgefallen, weil die Schulen ja geschlossen waren. Aber vergangenes Jahr sind wir vom Weltladen-Bildungsteam in vielen Schulklassen gewesen. Dieses Jahr waren wir im Ferienprogramm von der Stadtjugendpflege. Bildungsarbeit im Bereich globales Lernen beziehungsweise Umweltbildung ist schon das, wo ich eigentlich meinen Fokus setzen möchte.

Also hat die Coronakrise Ihren Aktivismus schon beeinträchtigt?

Ja, weil Demonstrationen zwischenzeitlich verboten waren - das habe ich aber auch verstanden, weil man anfangs gar nicht wusste, wie schlimm diese Pandemie ist. Deshalb habe ich eingesehen, dass man da erst einmal aufpassen muss. Wir haben in der Zeit Online-Aktionen gestartet und zum Beispiel eine Aktion organisiert, da haben wir Musikerinnen und Musiker dazu aufgerufen, dass sie von ihren Balkonen und Fenstern aus laut für das Klima musizieren, das war zwischen März und April. Also man konnte weiter machen, es war halt anders. Man musste kreativ werden.

Sie waren über längere Zeit in Costa Rica, was haben Sie aus diesem Aufenthalt für sich persönlich mitgenommen?

Tatsächlich ist Costa Rica für mich ein Land mit Vorbildcharakter. Natürlich sieht man auch dort negative Sachen: viel Umweltverschmutzung und viel Plastik in der Landschaft, das ist zum Beispiel in Deutschland besser. Aber an sich ist Costa Rica eines der glücklichsten Länder weltweit. Ich glaube das hängt auch mit dem Lebensmotto "Pura Vida" zusammen und einfach mit der Lebensfreude - aber halt auch damit, dass die Einwohner verstanden haben, was für ein Schatz ihre Natur ist.

Außerdem hat Costa Rica 25 Prozent der Waldflächen unter Schutz gestellt, um dadurch an Tourismus Geld verdienen zu können. Die Nationalparks kosten nämlich für Touristen Eintritt, dadurch sind sie auch nicht massiv überlaufen und man kann trotzdem Geld verdienen, ohne, dass man die Parks abholzt. Costa Rica war auch eines der ersten Länder, das Plastik-Strohhalme verboten hat - das wäre bei uns in Deutschland auch möglich. In Costa Rica ist das Bewusstsein für so etwas einfach präsenter.

Was haben Sie für sich nach Ihrem Aufenthalt in Costa Rica verändert?

Ich habe beispielsweise komplett aufgehört tropisches Obst zu essen, auf Palmöl verzichte ich auch komplett. Außerdem esse ich deutlich weniger Fleisch - mein Ziel ist: nur einmal im Monat. Bei Kleidung kaufe ich inzwischen tatsächlich das meiste gebraucht oder bei Tauschbörsen. Auf Plastik zu verzichten, schaffe ich leider nicht komplett, manchmal kaufe ich mir schon verpackte Dinge, aber ich versuche es so gut, wie es geht. Ich gehe aber auch am liebsten und am meisten in Unverpackt-Läden einkaufen.

Ist es denn teurer, umweltbewusst zu leben, wenn man beispielsweise darauf achtet, nur Fairtrade-Produkte zu kaufen?

Ich habe den Eindruck, dass das nicht so ist. Das Einzelprodukt ist zwar sicherlich teurer, wenn ich mir zum Beispiel Fleisch kaufe, dann ist das teurer als konventionelles Fleisch. Aber dadurch, dass ich es ja nur ein- bis zweimal im Monat esse, gebe ich glaube ich insgesamt viel weniger Geld für Fleisch aus, als jemand, der täglich konventionelles Fleisch isst.

Welche Themen liegen Ihnen besonders am Herzen?

Die soziale Gerechtigkeit, aber auch die Klimagerechtigkeit. Und ganz einfach auch die Solidarität. Auch der faire Handel ist aus einem solidarischen Gedanken entstanden. Die globale Gerechtigkeit steht aber eigentlich im Mittelpunkt.

Wie kommt Ihr Engagement bei der kommunalen Politik an?

Ich würde sagen, dass wir dort nicht unbedingt negativ angesehen werden. Wir erfahren zwar auch ab und an Widerstand. Es werden nicht immer alle Aktionen, die wir durchsetzen wollen, genehmigt - aber die meisten schon. Und ich habe schon das Gefühl, dass da eigentlich eine gute Zusammenarbeit vorhanden ist. Beispielsweise bei der "Fahrrad-Demo-Aktion" lief das Kooperationsgespräch sehr gut.

Was würden Sie sich konkret für die Stadt Freising wünschen?

Dass die Innenstadt autofrei wird und mehr Fahrradstellplätze zur Verfügung gestellt werden, alle Ziele, die auch im Radentscheid stehen. Auch wünsche ich mir, dass die Innenstadt viel grüner wird. Die paar Bäume in den kleinen Töpfen bewirken nicht viel. Außerdem fände ich es gut, wenn die Stadt auf faire Beschaffungen achtet, dass wenn sie Dinge kauft, auch darauf geachtet wird, dass die Produkte aus fairem Handel kommen. Faire Beschaffung ist für uns ein Thema, an dem wir mit der Agendagruppe "Faires Forum" auch dran sind, dass die Stadt da mehr macht. Freising ist nämlich "Fairtrade-Stadt" - das wissen viele Leute oft gar nicht. Und da ist faire Beschaffung ein zentraler Punkt.

© SZ vom 07.09.2020/nta

Folgen von Corona in Freising
:Weniger Pendler, mehr Müll

Die Krise hat Auswirkungen auf den Umweltschutz, die CO₂-Emissionen sind gesunken und Home-Office bleibt in einigen Firmen künftig eine Option. Die Abfallmenge ist allerdings deutlich gestiegen.

Von Nadja Tausche

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite