Freisinger Fabriken:Immer unter Druck

Freisinger Fabriken: Das Bild zeigt den Standort von HAWE Hydraulik in Lerchenfeld.

Das Bild zeigt den Standort von HAWE Hydraulik in Lerchenfeld.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Firma HAWE ist für ihre Produktion von hydraulischen Anlagen und Bauteilen bekannt. Freising ist der älteste von sechs Standorten in Deutschland.

Von Peter Becker, Freising

"Freisinger Fabriken" heißt ein Buch, das der Freisinger Hans Lorenzer 2022 veröffentlicht hat. Das Nachschlagewerk, wie er es nennt, beschäftigt sich mit Fabriken und Werken innerhalb des Stadtgebiets. Manche gibt es heute noch, viele sind verschwunden. Die Freisinger SZ stellt in einem Streifzug durch die Industrialisierung bestehende und aufgegebene Unternehmen vor. Heute: HAWE Hydraulik 1965 bis heute

Der Firma Heilmeier & Weinlein, Herstellung hydraulischer Apparate, war es in München zu eng geworden. 1949 gegründet, produzierte sie laut Hans Lorenzer zunächst Ölpumpen für einen elektrischen Gabelstapler des Hamburger Unternehmens Still. Der stellte auch die Elektrokarren her, die am Münchner Hauptbahnhof die Gepäckwagen hinter sich herzogen. Heilmeier war im Zweiten Weltkrieg als Abteilungsleiter bei BMW beschäftigt, wo damals Flugmotoren hergestellt wurden. Nach Kriegsende war er zunächst arbeitslos, gründete eine eigene Firma, die sich mehr schlecht als recht über Wasser hielt.

Weinlein war Vertreter der Firma Still in München. Zusammen mit Heilmeier entwickelte er eine schnell laufende Ölpumpe, mit einem angebundenen Elektromotor und hohem Wirkungsgrad. Still war von dem Produkt überzeugt und bestellte 100 Pumpen pro Monat. Dafür war die Garage von Heilmeier nicht ausgelegt und er zog in die Räumlichkeiten seines Kompagnons Weinlein um.

Die beiden Unternehmer waren sich der Abhängigkeit von einem einzigen Auftraggeber durchaus bewusst und sahen sich deshalb mit Erfolg nach neuen Betätigungsfeldern um. Die Auftragslage war damals in allen Branchen, in denen mit hydraulischem Druck gearbeitet wurde, gut. In München konnte das Unternehmen nicht mehr erweitern und zog deshalb 1965 in den Freisinger Stadtteil Lerchenfeld um. "Ausgestattet mit neuesten Maschinen und fachkundigen Mitarbeitern, die durch die Abwanderung von ,Schlüterarbeitern' gewonnen werden konnten, begann die Geschichte von HAWE in Freising", schreibt Lorenzer.

Die steigende Nachfrage nach den Produkten des Unternehmens führte rasch zum Bau von Erweiterungshallen auf dem Gelände. 1971 war die Grundstücksfläche von 2100 auf 6800 Quadratmeter angewachsen. 1986 entstand eine weitere Halle mit einer Fläche von 1200 Quadratmetern.

Die Firma HAWE ist heute auf sechs Standorte verteilt. Laut Lorenzer konzentrierte sich die Produktion von Kompaktpumpen und Ventilen für Werkzeugmaschinen und hydraulische Hochdruckwerkzeuge. Mittlerweile arbeite das Unternehmen an Lösungen für Windkraftanlagen und solarthermische Kraftwerke.

Nach Angaben Lorenzers beschäftigte HAWE im vergangenen Jahr 422 Angestellte und 26 Auszubildende. Das Unternehmen sei damit der zweitgrößte Arbeitgeber in Freising. Die Firma selbst schreibt auf ihrer Homepage, dass die Wirtschaftsmagazine Capital und Focus HAWE aufgrund der hoch qualifizierten Ausbildung in verschiedenen Berufen als einen der besten Ausbildungsbetriebe in Deutschland ausgezeichnet hat. Viele der Mitarbeitenden blieben ihr ganzes Arbeitsleben über bei HAWE, da verschiedene Karrierewege, beispielsweise als Montage- oder Fertigungsplaner, Betriebsmittelkonstrukteur oder Führungskraft nach einer beruflichen Weiterbildung möglich seien.

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