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Testzentren im Landkreis Freising:Verschärfte Kontrollen

FREISING: Corona-Testzentrum an der Luitpold-Anlage

In den Testzentren des Landkreises, wie hier in der Luitpoldanlage, finden immer noch die meisten Tests statt.

(Foto: Johannes Simon)

Auch das Freisinger Landratsamt ist nach mehreren Betrugsfällen angewiesen, die Testzentren genauer zu überprüfen. Dort ist die Nachfrage groß. Deren Betreiber versichern, dass alle Aktivitäten nachweisbar seien.

Von Petra Schnirch, Freising

Es sind 15 Minuten, die Gewissheit geben, die abhängig von den jeweiligen Bestimmungen und der Inzidenz eine Urlaubsreise ermöglichen oder einen Biergartenbesuch mit Freunden. Viele Menschen nutzen deshalb das kostenlose Testangebot, auch im Landkreis Freising sind aufgrund der hohen Nachfrage in den vergangenen Wochen zahlreiche Corona-Schnelltestzentren entstanden, die Betreiber stammen zum überwiegenden Teil aus dem Gesundheitsbereich. Überprüfungen durch die Kassenärztliche Vereinigung fürchten sie, nachdem mehrere Betrugsfälle im ganzen Bundesgebiet bekannt wurden, nach eigenem Bekunden nicht. Das bayerische Gesundheitsministerium hat die Landratsämter mittlerweile angewiesen, die Kontrollen zu verschärfen.

"Dabei geht es vor allem darum, darauf zu achten, dass die Hygieneregeln eingehalten und ausschließlich zugelassene Antigen-Schnelltests zur professionellen Anwendung verwendet werden", erklärt Robert Stangl, Pressesprecher im Landratsamt. Die registrierten Teststellen müssten die Anzahl der ausgeführten Tests der Behörde künftig im zweiwöchentlichen Rhythmus melden. Das Landratsamt gebe diese Daten wiederum über die Regierung von Oberbayern an das Ministerium weiter. Für die Abrechnung bleibe die Kassenärztliche Vereinigung Bayern zuständig.

Wer ist im Landkreis wo für den Testbetrieb zuständig? In Langenbach und Neufahrn organisiert das Bayerische Rote Kreuz die Schnelltests, in Allershausen die Johanniter, in Moosburg und Eching jeweils mehrere Apotheken. Mit dabei ist in Moosburg das BRK. Das hätte die Gemeinde Zolling ebenfalls gern mit ins Boot geholt. Die Hilfsorganisation habe sich dazu aber aus personellen Gründen nicht in der Lage gesehen, schildert Bürgermeister Helmut Priller. Deshalb ergriffen die Zollinger selbst die Initiative, um im Bürgerhaus Ende April ein Testzentrum einzurichten, gemeinsam mit mehreren Partnern. Dafür gewinnen ließen sich eine Ärztin, ein Freisinger Sanitätshaus, ein Veranstaltungstechniker aus Zolling sowie ein Praxisausstatter. "Ungewöhnliche Zeiten ziehen ungewöhnliche Maßnahmen nach sich", sagt der Bürgermeister.

Anfangs habe man einigen Gegenwind erfahren, vor allem bei Hygienefragen und dem Status der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie seien nun für einen begrenzten Zeitraum angestellt und sozialversichert. Die Tests übernehmen laut Priller Krankenschwestern und Arzthelferinnen. "Wir haben eine eigene Software gebraucht", erklärt er, um die Termine ins Netz stellen zu können und die Daten sicher zu verschlüsseln.

Die Nachfrage bisher ist groß. Etwa 550 Schnelltests finden pro Woche im Schnitt statt, an einzelnen Tagen waren es bis zu 180. Seit kurzem sei die Entwicklung aber leicht rückläufig. Deshalb soll das Angebot etwas zurückgefahren werden. Angst vor Kontrollen habe er nicht, sagt Priller: "Wir haben Nachweise für jede getestete Person." Vermutlich wird die Gemeinde am Ende ein Plus erwirtschaften, das soll in die Jugendarbeit fließen.

Ähnlich ist das Testzentrum in Mauern aufgebaut. Bürgermeister Georg Krojer hatte sich zuvor in Zolling informiert. Auch den Aufbau eines Impfzentrums hätte sich die Gemeinde Zolling zugetraut, sagt Priller, das aber sei abgelehnt worden.

Die meisten Tests werden nach wie vor in den Testzentren des Landkreises abgewickelt, in der Luitpoldanlage fanden in der letzten Mai-Woche 1472 PCR- sowie 2290 Schnelltests statt, in Au kamen 150 beziehungsweise 442 hinzu. In der zweiten Mai-Woche waren es in der Luitpoldanlage sogar 2396 Schnelltests - damals war ein negatives Ergebnis noch vielerorts als Eintrittskarte erforderlich. Die Tests - auch im mobilen Testbus - übernimmt im Auftrag des Landratsamts die Aicher Ambulanz. Sie erhält dafür nach Auskunft der Behörde eine Pauschale.

Auch mehrere private Betreiber sind im Landkreis zugelassen. Helmut Harrer, der in Freising einen Sanitätsdienst leitet, hat die Teststation vor der Stadtbibliothek an der Weizengasse aufgebaut. Am Ostersonntag habe er dem Oberbürgermeister geschrieben, weil in der Innenstadt seiner Einschätzung nach ein solches Angebot fehlte. Eine halbe Stunde später habe er eine Antwort erhalten, innerhalb von zehn Tagen sei der Container eingerichtet worden. Bisher sei es "super gelaufen", bilanziert er. Mitte der vergangenen Woche sei es dann abgerissen. Harrer führt das auf die Pfingstferien zurück und darauf, dass Schnelltests aufgrund der sinkenden Inzidenz nicht mehr überall benötigt werden. Der Container soll aber bleiben. Denn Harrer glaubt, dass weiter Bedarf besteht, gerade in der Urlaubszeit und wenn die Innengastronomie öffnet. Am Tag finden bei ihm im Mittel zwischen 100 und 120 Tests statt, manchmal auch nur 50. Harrer spricht sich dafür aus, dass die Behörden die Testzentren "rigoros" kontrollieren, bei ihm werde alles genau dokumentiert.

"Alles 100-prozentig nachweisbar" ist laut Maximilian Ashkar auch im Schnelltestzentrum Weihenstephan. Alle Tickets würden online gebucht, "wir sind super professionell". Ashkar leitet das Testzentrum im Dekanatsgebäude der TU München am Weihenstephaner Berg für die Maxtrem GmbH, die vor der Pandemie im Gastronomiebereich tätig war. Geschäftsführer Maximilian Gradl betreibt in München unter anderem die Herzog-Bar und die Ory-Bar im Hotel Mandarin Oriental. Im Lockdown sattelten die findigen Unternehmer um und gingen auf die TU München zu, die ihnen an allen drei Standorten Räume für die Testzentren vermietet hat. Die zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien Studierende aus Weihenstephan, sagt Ashkar, "wir wollten lokal bleiben". Etwas 100 Tests fänden pro Tag statt. "Wir sind zufrieden", bilanziert er.

Anmelden mussten sich die Betreiber anfangs direkt beim Gesundheitsamt, erklärt Stangl, mittlerweile erfolge dies beim Gesundheitsministerium. Die Unterlagen würden dann vom örtlichen Gesundheitsamt geprüft. Für Apotheken gelte eine Allgemeinverfügung.

© SZ vom 07.06.2021
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