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Corona in Seniorenheimen im Landkreis Freising:Strenge Regeln für Besucher

FREISING: Aussenansicht KLINIKUM / KREISKLINIK / KRANKENHAUS

Trotz sinkender Patientenzahlen und strenger Hygienevorgaben kann es im Klinikum Freising immer wieder zu Infektionsfällen kommen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Das Freisinger Klinikum lässt derzeit keine Außenstehenden zu seinen Patienten. Seniorenheime gewähren nur einer Person am Tag pro Bewohner Zutritt. Die muss einen negativen Test vorweisen und es herrscht Maskenpflicht.

Von Gudrun Regelein, Freising

Der Lockdown wurde verlängert - bis mindestens Mitte Februar wird er noch dauern. Die Beschränkungen sind für die allermeisten Menschen zunehmend schwer zu ertragen. "Unser aller Nerven sind rissig", sagt Siglinde Lebich, Geschäftsführerin des Vereins "Älter werden in Eching". Um die Älteren und Hochbetagten zu schützen, die zur Hochrisikogruppe zählen, sind die Besuche in vielen Seniorenheimen nur sehr eingeschränkt möglich. Auch im Klinikum Freising gilt seit dem vergangenen Freitag ein Besuchsverbot auf den Stationen. "Wir haben lange gehofft, das vermeiden zu können", sagt Sascha Alexander, Pressesprecher des Klinikums. Um Patienten und Mitarbeiter vor unnötigen Risiken zu schützen, habe man sich aber für dieses Verbot entschieden.

Bis auf wenige Fälle haben alle Besucher Verständnis. "Aber es kommen auch nicht mehr viele, die meisten haben wohl schon aus den Medien erfahren, dass wir ein Besuchsverbot erlassen haben." Die wenigen, die noch kommen, werden vom Sicherheitsdienst nicht ins Haus gelassen - Proteste gibt es deshalb kaum. Einlasskontrollen sind am Klinikum schon seit Langem an der Tagesordnung, seit vergangenem Oktober nämlich durfte jeder Patient während seines Aufenthalts nur von einer festgelegten Kontaktperson besucht werden. Und das nur mit Voranmeldung. Dem Besucher wurde Fieber gemessen und eine Maske ausgehändigt, die Hygieneregeln wurden strikt überwacht. Das Krankenhaus erlaubte als eines der wenigen in Bayern noch Besuche. "Aber nun mussten wir das mit Blick auf die Corona-Zahlen und auf unsere Intensivstation, die hart am Limit ist, noch weiter einschränken", erklärt Alexander. Derzeit dürfen nur sterbende Patienten besucht werden, und auch die Verabschiedung jüngst verstorbener Patienten ist noch erlaubt. Werdende Väter dürfen mit einem negativen Corona-Testergebnis mit in den Kreißsaal oder später in das Familienzimmer.

Wie lange das Besuchsverbot gelten werde, kann Alexander nicht sagen: "Wir haben regelmäßig Lagebesprechungen und schauen uns die aktuelle Situation im Landkreis immer genau an." Die könne sich aber sehr plötzlich verändern: wenn es - wie jüngst in Marzling geschehen - in einem Seniorenheim zu einem Ausbruch kommt, könne die Zahl der Intensivpatienten nach oben schnellen.

Im Seniorenpark Schönblick in Nandlstadt gelten schon seit Wochen - wie in allen anderen Seniorenheimen auch - strenge Besuchsregeln. Ein negativer Coronatest, Maskenpflicht und nur ein Besucher pro Tag für jeden der 70 Bewohner gehören dazu. "Das akzeptieren aber eigentlich alle", sagt Markus Khauer, einer der beiden Geschäftsführer. "Die Angehörigen sehen die Notwendigkeit - auch mit Blick nach Marzling oder Wolnzach, wo es in einem Heim 100 Infizierte gab." Seit März 2020 gab es in seinem Seniorenpark noch keinen einzigen Corona-Fall, "wir blieben verschont". Das liege daran, dass man Eigeninitiative ergriffen und die Besuchsregeln strenger gestaltet habe, sagt Khauer. "Sonst wären wir verloren gewesen." An diesem Donnerstag findet die zweite Impfrunde statt, 90 Prozent der Bewohner und 80 Prozent der Mitarbeiter haben dann die notwendigen zwei Dosen bekommen. "Wir sehen Licht am Ende des Tunnels, die Stimmung ist positiv", sagt Khauer. Dennoch werden die strengen Regeln nicht gelockert, das werde noch eine Zeit lang so weiterlaufen. Oberstes Ziel sei, die besonders vulnerable Gruppe, die alten und hochbetagten Menschen, zu schützen.

In der ambulant betreuten Wohngruppe des Vereins "Älter werden in Eching" leben acht pflegebedürftige ältere Menschen gemeinsam unter einem Dach. Jeder in seinem eigenen Appartement. Auch hier gelten natürlich klare Vorschriften: Nur ein Besucher, und möglichst immer der selbe, sollte kommen, Masken müssen getragen und der Abstand eingehalten werden, schildert Geschäftsführerin Siglinde Lebich. Auch hier gab es seit dem vergangenen März immer wieder neue Einschränkungen. "Die Angehörigen halten sich aber alle - bis auf ganz wenige Ausnahmen - daran."

Als Ersatz für Besuche skype man seit einigen Monaten, die Bewohner haben Tablets, um ihre Angehörigen zu sehen und zu sprechen. Was aber dennoch fehlt, sind die Berührungen und Umarmungen. "Das geht mit Sicherheit jedem ab. Die älteren, demenziell Erkrankten, die das kognitiv nicht einordnen können, leiden sehr darunter", berichtet Lebich. "Die momentane Situation ist für alle schwer, für die Bewohner, deren Familien und die Pflegekräfte." Bislang aber habe es keinen Corona-Fall gegeben, "dafür nehmen wir die Einschränkungen in Kauf".

© SZ vom 21.01.2021
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