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Kampf gegen Corona:Freisinger Impfzentrum nimmt  Betrieb auf

Im neu geschaffenen Impfzentrum sollen von Samstag an täglich 100 Menschen - zunächst die über 80-Jährigen und Mitarbeiter der ambulanten Pflegedienste - geimpft werden.

Mit den bisherigen Corona-Impfungen durch mobile Teams ist man im Landratsamt zufrieden. Viele Bürger haben aber noch Bedenken.

Von Gudrun Regelein, Freising

"Ein Stich - für dich und mich". So heißt die Kampagne des Landkreises, von der erhofft wird, dass sich möglichst viele Bürger für eine Impfung gegen Covid-19 entscheiden. Der Start sei gut gelaufen, sagt Landratsamtssprecher Robert Stangl. 1400 Impfdosen habe der Landkreis bislang erhalten, alle wurden bereits verimpft. Zunächst an Senioren, die zu der Hochrisikogruppe zählen, an medizinisches Personal, Rettungsdienstler und an Klinikmitarbeiter, berichtet Stangl. "Wir könnten auch noch mehr impfen, aber dafür bräuchten wir mehr Impfstoff."

Der kam am Freitag: 600 Dosen wurden geliefert, die ab diesem Samstag verimpft werden. Unter anderem in den zwei Seniorenheimen im Landkreis, die bislang noch nicht von den Impfteams besucht wurden. Auch im neu geschaffenen Impfzentrum sollen von heute an täglich 100 Menschen - zunächst die über 80-Jährigen und Mitarbeiter der ambulanten Pflegedienste - das Vakzin erhalten. Mit dem bisherigen Ablauf sei man zufrieden, betont Stangl, die Koordination laufe gut. Einzig die nicht mobilen Senioren, die noch zu Hause leben und eigentlich von einem Impfteam besucht werden sollen, bereiten Kopfzerbrechen. "Das ist schwierig zu händeln", sagt Stangl. Denn in einer Ampulle des Impfstoffes, der bei Minus 70 Grad gelagert werden muss, seien immer fünf Dosen. "Nur einen Senior zu impfen und die restlichen vier dann wegschmeißen zu müssen, weil die Kühlkette unterbrochen wurde, ist ein No-go." Eine praktikable Lösung habe man bislang noch nicht gefunden. Auch vom Bundesministerium für Gesundheit gab es dazu bislang noch keine offizielle Regelung, so Stangl.

Problemlos lief dagegen die Impfaktion im Seniorenpark Schönblick in Nandlstadt ab, die bereits an Silvester stattfand. "Die war gut organisiert und gut in der Durchführung", berichtet Manuel Khauer, einer der beiden Geschäftsführer. Zwei Teams haben die Einrichtung an diesem Tag besucht, eines war für die Information und Aufklärung der Bewohner und Mitarbeiter zuständig, das andere impfte. "Alles lief reibungslos", lobt Khauer. Schon seit etwa Mitte Dezember wurden in der Einrichtung Info-Zettel verteilt und Einverständniserklärungen von den Bewohnern oder deren Betreuer eingeholt. Die meisten, etwa 80 Prozent der Bewohner und auch des Personals, entschieden sich für die Impfung. "Die Covid-19-Impfung ist eine emotional besetzte Geschichte", meint Khauer. Viele hätten Bedenken oder seien verunsichert, da der Impfstoff neu sei - und es keine Erfahrungen damit gebe. Bei den über 100 Geimpften im Nandlstädter Seniorenheim hätten zwar fast alle Druckschmerzen am Arm gehabt, eine Person klagte über Kopfschmerzen, eine andere über leichte grippale Symptome - andere Komplikationen aber gab es keine. Khauer ist zwar froh, dass nun viele Bewohner und Mitarbeiter die Erstimpfung haben, Entwarnung gibt er aber nicht: "Überstanden ist deshalb noch nicht alles." In seiner Einrichtung gelten weiterhin alle Sicherheitsmaßnahmen, dazu gehört die regelmäßige Testung der Mitarbeiter und Bewohner.

Erst am 30. Dezember hat Björn Kummerow-Fuchs erfahren, dass die Impfaktion im Seniorenzentrum der Heiliggeistspital-Stiftung an der Rotkreuzstraße Anfang Januar stattfinden werde. Also erst kurz vor dem Termin, erzählt der Einrichtungsleiter. Die Beratungsgespräche mussten kurzfristig stattfinden, Einverständniserklärungen von Bewohnern oder deren Betreuer und Bevollmächtigte abgegeben werden. "Die Verunsicherung war groß, auch bei den Angehörigen", berichtet Kummerow-Fuchs. Richtig aufgeklärt hätten sich viele nicht gefühlt. Nur gut ein Drittel - 57 der knapp 159 Bewohner - wurden dann am 2. Januar geimpft. Bei vielen hätte allerdings an diesem Tag noch die Einwilligung gefehlt. Das Personal reagierte ähnlich verhalten, auch bei diesem war es gerade etwa ein Drittel, das sich für die Impfung entschied. Den Geimpften, zu denen Kummerow-Fuchs gehört, gehe es allen gut, sagt er. Abgesehen von der leicht schmerzenden Einstichstelle gibt es nur einen Fall, bei dem ein leichter Hautausschlag sichtbar ist. "Für mich war es die Abwägung, ob ich Covid-19 mit eventuell fatalen Langzeitschäden riskiere oder die Impfung mit keinen oder nur wenigen Komplikationen wähle", sagt er.

Im Klinikum Freising entschied sich bislang knapp ein Drittel der etwa 900 dafür in Frage kommenden Mitarbeiter für die Impfung, berichtet Pressesprecher Sascha Alexander. Im Vergleich zu anderen Klinken sei das eine gute Quote, sagt er. Insgesamt zwei Termine gab es bereits: einen ersten gleich am 27. Dezember, bei dem etwa 20 Dosen an Intensivmediziner und Mitarbeiter der Notaufnahme verimpft wurden. Bei einem zweiten Termin am 30. Dezember standen dann weitere 250 Dosen für Pfleger und Ärzte zur Verfügung. "Das ging alles relativ zügig, der Termin war gut organisiert", berichtet Alexander. Intern waren zwei Impfteams gebildet worden, in einem Raum fand das notwendige Vorgespräch statt, in dem anderen die Impfung. Mittlerweile hätten sich noch andere Interessenten gemeldet, wahrscheinlich animiert durch die guten Erfahrungen der bereits Geimpften. "Es ist normal, dass man zu Beginn etwas vorsichtiger ist", meint Alexander. "Wir ermutigen zwar die Mitarbeiter, sich impfen zu lassen, aber die Entscheidung ist natürlich eine freiwillige." Er rechnet aber damit, dass sich zunehmend mehr Ärzte und Pflegekräfte für "den Stich" entscheiden - auch das Klinikum beteiligt sich nämlich an der Kampagne des Landkreises.

© SZ vom 09.01.2021
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