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Freisinger Köpfe:"Astrobiologie hat nichts mit Ufos zu tun"

Zwei Bücher hat der Freisinger Astrobiologe Aleksandar Janjić bereits veröffentlicht. Am dritten arbeitet er gerade.

(Foto: Marco Einfeldt)

Aleksandar Janjić arbeitet bereits an seinem dritten Buch zu seinem Studienfach. In diesem geht es etwa darum, wie das Leben auf der Erde entstanden sein könnte.

Aleksandar Janjić, 27, ist der jüngste deutsche Wissenschaftsautor. Der Freisinger hat an der TU München studiert, 2018 den Master abgeschlossen. Vor Kurzem ist sein zweites Buch "Astrobiologie - die Suche nach außerirdischem Leben" erschienen. Ein Gespräch über die Entstehung des Lebens, einen Trip zur NASA und grüne Männchen.

SZ: Sie haben mit 27 Jahren bereits Ihr zweites Buch veröffentlicht, über Astrobiologie. Viele Wissenschaftler beginnen damit erst nach der Promotion. Wie kamen Sie auf den Geschmack?

Aleksandar Janjić: Da ich von Anfang an wusste, dass ich den Doktor an der TU nicht machen werde, war es mir schon früh wichtig, Bücher zu schreiben, um mich da ein bisschen abzukoppeln. Ich hab im Bachelorstudium mein erstes Buch veröffentlicht: "Lebensraum Universum". Das wurde 2017 veröffentlicht, aber ich hab's 2016 eigentlich schon zu Ende geschrieben.

Wie ist das Buch zustande bekommen?

Ich hatte einen Kurs, der hieß "Einführung in die Astrobiologie", da war ich 20 oder 21. Da musste man am Ende drei Artikel über drei verschiedene Themen schreiben. Das erste war "Entstehung des Lebens", das zweite "Exoplaneten-Forschung" und das dritte "Sonnensystem-Forschung", zusammen etwa 60 Seiten. Und dann hab ich mir gedacht: Wenn ich das schon so habe, kann ich das doch an ein populäres Magazin schicken als Artikel, der Prof war da auch voll dafür.

Und dann hab ich das bei Spektrum der Wissenschaft eingereicht. Die fanden das gut, aber es war zu lang, und sie meinten dann: Schick es doch an Springer, das ist ein Verlagspartner von uns. Dort meinten sie dann: Ja, das passt, aber es müssen mehr Seiten sein. Das heißt, ich bin dann noch mal mehr in die Tiefe gegangen, hab mehr ausformuliert und hatte letztlich dann 200 Seiten.

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Aleksandar Janjić, 27, ist Autor zweier Bücher zur Astrobiologie

Zwei Jahre später, 2019, standen Sie dann erneut vor der Tür.

Das zweite Buch sollte eigentlich eine zweite Auflage des ersten sein. Ich hatte dann aber so viel mehr Text, dass allein der Mehr-Text schon größer war als das erste Buch. Und daraus ist dann das zweite Buch geworden. Gedauert hat das ungefähr ein halbes Jahr. Schwierig dabei war: Das Forschungsfeld ist sehr schnelllebig zur Zeit, jeden Monat werden Paper veröffentlicht, die etwas revidieren oder konkretisieren.

In Deutschland findet die Astrobiologie noch nicht so viel Beachtung, zumindest gibt es keinen Studiengang, der so heißt.

Das ist in anderen Ländern anders, in den USA oder in den Niederlanden kann man Astrobiology tatsächlich von Anfang an studieren. In Deutschland ist es so: Die meisten Astrobiologen kommen entweder aus der Biologie oder Geologie oder aus der Astrophysik. Oder sie machen es wie ich, dass sie Beides studiert haben.

Womit beschäftigt sich die Astrobiologie?

Das Hauptthema der Astrobiologie ist die Erde: Wie ist das Leben auf der Erde entstanden? Das ist eines der größten Rätsel, wir wissen es immer noch nicht. Wir können es im Labor ansatzweise nachvollziehen. Es gibt auch einen zweiten Sektor: Wie können wir auf dem Mars oder sonst wo Leben nachweisen, sollte es das gegeben haben vor Milliarden Jahren? Und der dritte Sektor, der ist in Garching ganz stark ausgebaut: die Exoplaneten. Wie können wir sie aufspüren und, sollte es dort Leben geben, etwas darüber erfahren? Ist zum Beispiel die Atmosphäre mit Gasen angereichert, die biologischen Ursprungs sind?

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Viele denken bei Astrobiologie eher an Außerirdische, manche auch an Verschwörungstheorien. Wie gehen Sie damit um?

Astrobiologie ist wirklich der Wissenschaftszweig, es hat nichts mit Ufos oder grünen Männchen zu tun, überhaupt nicht. Es geht zum Beispiel darum, was man auf dem Mars in zwei Meter Bodentiefe für Fossilien, Mikrofossilien von Mikroben, erwarten würde. Es passiert schon, dass solche Fragen kommen, aber ich seh das locker: Jede Frage ist erlaubt in den Naturwissenschaften, aber wer etwas behauptet, muss auch einen Mechanismus dahinter erklären oder irgendeine Möglichkeit, das wissenschaftlich zu überprüfen. Und wenn jemand völlig dogmatisch argumentiert, dann lass ich die Frage halt beiseite.

Wer fest an Aliens glaubt, lässt sich davon sicher nicht überzeugen.

Dann sage ich: Wieso sollte es das geben müssen? Wir haben einfach noch nicht hinreichend genügend Daten, um solche Schlüsse zu ziehen. Wir haben die Erde als einziges Referenzsystem, damit kann ich statistisch nicht arbeiten. Bei manchen löst das dann ein bisschen Verwunderung aus, die sagen dann: Ach, es gibt doch so viele Sterne, Galaxien ... Und ich sage: Woher wollt ihr das wissen, vielleicht ist die Erde ein extrem unwahrscheinlicher Prozess? Ich würde sagen: Ich bin skeptisch und kritisch, bin aber im Herzen ein Agnostiker: Könnte sein, aber weiß ich nicht, und darum tangiert's mich auch noch nicht.

Sie kommen aus Freising, leben hier auch, trotzdem war Ihr Vortrag kürzlich der erste in der Heimat. Wie kommt's?

Das ist tatsächlich so. Es hat sich nie wirklich angeboten. Ich war immer deutschlandweit unterwegs bisher wegen meiner Bücher. Gerade bin ich aus Bonn von einer Konferenz zurückgekommen. Europaweit bin ich wegen meiner Forschungsergebnisse unterwegs. Das sind dann auch wirklich Fachkonferenzen. Oder in den USA, da war ich im Juni 2019 bei einer NASA-Konferenz.

Sie arbeiten bereits am dritten Buch.

Es heißt: "Das Phänomen Leben" und erscheint dieses Jahr. Da geht es allein darum, was Leben ist, naturwissenschaftlich betrachtet. Eine sehr schwierige Frage. Darum, warum das eigentlich kein biologisches, sondern ein physikalisches Thema ist.

Lohnt sich das Schreiben denn finanziell?

Mit den Vortragshonoraren verdiene ich ein bisschen Geld dazu - was natürlich super ist als Absolvent, dass ich schon so eine Nebeneinkunft habe. Auch wenn's finanziell immer noch schwer ist. Ich wohne tatsächlich noch daheim. Eben deshalb. Aber es ist natürlich schon geplant, die nächsten Jahre raus zu sein, vor 30 noch.

Sie haben zwei Nebenjobs, unter anderem beim Kinderland am Flughafen.

Ich bin da vielleicht drei Mal im Monat. Aber es macht Spaß. Kinder interessieren sich immer für das Thema Planeten und Lebewesen. Das genieße ich schon sehr. Und ich jobbe im Spot Shop ein paar Stunden die Woche. Aber nur bis März, dann geht's wieder weiter an der Uni.

An der TU arbeiten Sie derzeit von Projekt zu Projekt. Soll das so bleiben?

Ich bin eher der Typ: Familie, Haus, Kinder. Also Projekten weiter hinterher zu ziehen, vor allem, wenn ich dafür nach Köln oder Darmstadt müsste: auf keinen Fall. Auch der Freundeskreis, ich würde das nicht aufgeben für irgendwelche Projekte.

Auch nicht für einen Flug ins All?

Nein, das sollen schön die Maschinen machen.

© SZ vom 27.01.2020/FPOL
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