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Einkaufen in Freising:Verwirrung an der Ladentür

"Endlich drin", heißt es seit Montag auch im Freisinger Einzelhandel. Doch es gibt viele Regeln, darunter ein Corona-Schnelltest.

(Foto: Marco Einfeldt)

Mit einem negativem Coronatest-Ergebnis darf man seit Montag auch im Einzelhandel einkaufen. Doch die Kunden sind verunsichert und halten sich noch zurück. Die Geschäfte handhaben die Sache unterschiedlich.

Von Maike Velden und Johanna Pichler, Freising

Die Geschäfte der Freisinger Innenstadt sind beleuchtet, und es halten sich wieder Kundinnen und Kunden darin auf. Seit vergangenem Montag darf der Einzelhandel trotz einer Corona-Inzidenz von über 100 wieder öffnen, wenn auch nur unter besonderen Voraussetzungen. Zu der FFP2-Maskenpflicht, den Abstandsregeln, dem Kontaktformular und der vorherigen Terminbuchung müssen Kunden und Kundinnen außerdem einen negativen Coronatest vorzeigen. Das kann entweder ein höchstens 48 Stunden alter PCR-Test sein oder ein Schnelltest, den man in den Apotheken durchführt. Dieser darf nicht älter als 24 Stunden sein. Eine weitere Möglichkeit sind Schnelltests, die jeder Kunde vor oder in dem Laden selbst durchführt. Wie, dafür gibt es bis jetzt noch keine einheitliche Regelung. Manche der Läden bieten selbst Schnelltests an, bei manchen muss man sie mitbringen und wieder andere akzeptieren nur Schnelltests aus der Apotheke. Von diesen neuen, undurchsichtigen Regelungen sind sowohl so mancher Kunde und manche Kundin, als auch Freisinger Läden verunsichert.

Manche Läden verlangen einen Apotheken-Test, an anderen kann man den Selbsttest durchführen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Kundschaft ist verunsichert

"Darf ich einfach so reinkommen?", fragt eine ältere Frau eine Mitarbeiterin der H&M-Filiale in der Unteren Hauptstraße in Freising. "Nur mit einem negativen Coronatest", antwortet die Verkäuferin. Die Kundin ist sichtlich verwirrt. "Wo bekomme ich denn so was her? Und muss ich den Test selber machen oder führen Sie den durch? Ich weiß ja gar nicht wie das geht", schüttelt die Dame den Kopf. Laut der Mitarbeiterin müssen Kundinnen und Kunden den Test selbst durchführen. Das geht entweder im Ladeneingang oder vor der Tür. "Wir sind gar nicht qualifiziert, die Tests durchzuführen. Ich hab das noch nicht mal bei mir selbst gemacht", sagt die Verkäuferin. Daraufhin verlässt die ältere Dame den Ladeneingang, in dem ein kleiner Tisch und ein Mülleimer bereitstehen, um die Tests vor Ort durchzuführen. Wenn man sich dazu entschließt, den Test vor Ort zu machen, muss man mindestens 15 Minuten mehr einplanen, um auf das Ergebnis zu warten. In der gesamten Filiale ist kein einziger Kunde zu sehen. Immer wieder bleibt zwar jemand stehen und fragt nach, doch am Ende gehen die meisten weiter. Das Vorweisen eines negativen Corona-Tests scheint eine Barriere für viele potenzielle Käuferinnen und Käufer zu sein.

Den Test vor den großen Fenstern im Ladeneingang durchzuführen, fühlt sich komisch an, fast wie auf dem Präsentierteller. Jeder kann durch die Glasscheibe dabei zusehen, wie man sich das Stäbchen zwei Zentimeter tief in die Nase schiebt. Nach einem negativen Testergebnis kann man sich eine begrenzte Zeit lang im Laden frei bewegen und Kleidung anprobieren. Allerdings steigt der Druck, auch etwas anzuprobieren und dann auch wirklich zu kaufen. Knapp fünf Euro in einen Schnelltest zu investieren, um den Laden dann wieder mit leeren Händen zu verlassen und nicht unterstützt zu haben, fühlt sich nicht richtig an.

Das negative Ergebnis ist die Eintrittskarte in die Einkaufswelt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Immerhin eine Möglichkeit, den Laden aufzusperren

Die Verunsicherung in den Gesichtern der Freisinger Bürgerinnen und Bürger sehen auch zwei Mitarbeiterinnen des Ladens "Jahreszeiten" in der Bahnhofsstraße in der Freisinger Innenstadt. Auch hier bleiben immer wieder Interessierte stehen und werfen einen Blick durch die offene Ladentür. "Keiner weiß so richtig, wie es läuft, und die Leute sind extrem verunsichert. Wer sich nicht direkt damit auseinandersetzt, weiß überhaupt nicht, ob er heute einkaufen gehen darf oder nicht", sagt Steffi Reinhart, eine der beiden Mitarbeiterinnen. Ihre Kollegin Vivian Hayer stimmt ihr zu: "Man weiß noch nicht, ob die Bevölkerung das Ganze annehmen wird". Immerhin sei es besser als ein geschlossener Laden. "Wir sind froh, dass wir überhaupt aufmachen können. Es ist wenigstens eine Möglichkeit, und eine bessere Regelung würde uns auch nicht einfallen", erklären die Mitarbeiterinnen.

Aktuell dürfen den Laden höchstens fünf Kundinnen und Kunden gleichzeitig betreten. "Jahreszeiten" hat zwar auch viele Stammkunden, doch die ebenso wichtige Laufkundschaft falle weg. "Wenn die Inzidenz dauerhaft bei über 100 liegt, dann könnten wir ja bis Weihnachten nicht mehr öffnen. Und das können die Läden nicht ertragen. Der Einkauf im Einzelhandel sollte möglich sein, wie er es auch für den täglichen Bedarf im Supermarkt oder der Drogerie ist", betont Steffi Reinhart. "Bei Click&Meet haben wir ja auch auf die Höchstanzahl an Personen im Laden geachtet, und das hat auch gut funktioniert. In Lebensmittelgeschäften sind viel mehr Menschen auf kleinerem Raum", ergänzt ihre Kollegin Vivian Hayer. Das Ansteckungsrisiko dort sei deshalb viel höher. Der Laden "Jahreszeiten" sei weitläufig und Infektionen können so gut vermieden werden. Wenn sich mal zu viele Kundinnen und Kunden auf einer Stelle aufhalten, würde die Situation von den Verkäuferinnen entzerrt werden.

Ab einem 100-Euro-Einkauf, wird der Corona-Test gut geschrieben

Der Corona-Selbsttest kann hier direkt im Laden käuflich erworben werden. Bei einem Einkauf von über 100 Euro bekomme man die knapp fünf Euro für den Test wieder zurück erstattet. "Es ist sinnvoll, den Test bei einer Apotheke machen zu lassen, so dass er den ganzen Tag gilt und man nicht für jedes Geschäft einen neuen Test machen muss", sagt Steffi Reinhart. "Das geht ja auch ins Geld". Wer kein negatives Testergebnis vorweisen kann oder möchte, kann sich auch ausgewählte Kleidungsstücke am Ladeneingang vorzeigen lassen und mitnehmen. "Für jetzt ist es trotzdem eine gute Möglichkeit, um Kunden in den Laden zu holen", denkt Vivian Hayer.

Viele Kunden reagieren auf die vielen Vorschriften zurückhaltend. Die Ladeninhaber aber machen mit, so können sie wenigstens aufsperren.

(Foto: Marco Einfeldt)
© SZ vom 13.04.2021/av
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