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E-Scooter:Unsinnige Regeln

Nutzer sollten bei Verstößen Rad-, nicht Autofahrern gleich gestellt werden

Kommentar von Nadja Tausche

Es ist ja an sich eine gute Idee, das mit den E-Scootern. Ein Viertel aller Autofahrten in Deutschland sind unter zwei Kilometer lang, so berichtet es der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club - warum nicht versuchen, die Menschen zum Umstieg auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel zu bewegen? Auch der Ansatz, beim Thema Klimaschutz einfach mal etwas auszuprobieren, dürfte mehr nützen als endloses Planen und Diskutieren. Nur: Ein neues Angebot muss auch weiterentwickelt werden. Und das ist bei E-Scootern definitiv nötig, verfolgt man all die Schreckensmeldungen aus deutschen Großstädten.

Gegen wildes Parken auf dem Gehweg könnten feste Verleihstationen helfen. So wüsste auch der Pendler, wo er auf dem Weg zur Arbeit verlässlich einen E-Scooter findet. Und warum nicht den Scooterfahrer im gleichen Maß bestrafen wie den Radfahrer, statt ihn auf eine Stufe mit dem Autofahrer zu heben? Ja, ein E-Scooter fährt ohne menschliches Zutun und gilt damit als Kraftfahrzeug - logisch klingt das schon. Unsinn ist es trotzdem. Es ist ein Unterschied, ob jemand auf der Autobahn mit 200 Stundenkilometern Whatsapp-Nachrichten beantwortet oder ob er sich auf dem Fahrradweg mit 17 Stundenkilometern vom Handy-Navi leiten lässt. Wer gut 0,5 Promille Alkohol im Blut hat, muss auf dem Scooter mit deftigen Strafen rechnen. Auf dem Fahrrad ist mehr als die dreifache Menge erlaubt, obwohl man damit sogar schneller fahren kann. Die strenge Gesetzgebung zwingt die Polizei, ihre Zeit und Arbeitskraft mit dem Bestrafen von Lappalien zu verschwenden.

Ob auch die Freisinger bald E-Scooter ausleihen können, hängt davon ab, ob sich das Angebot für Verleihfirmen lohnt. Womöglich könnten die Roller die Innenstadt vom einen oder anderen Auto befreien. Aber auch wenn Freising scooterfrei bleiben sollte: Wenn durch die Diskussion nur ein paar mehr Menschen öfter darüber nachdenken, ob es das Auto für den einen Kilometer zum Café tatsächlich braucht - die E-Scooter hätten schon etwas zum Klimaschutz beigetragen.

© SZ vom 28.08.2019

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