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Die Hartnäckigkeit hat sich gelohnt:Ein bisschen kleiner als geplant

Viele Hürden galt es zu nehmen, bevor das Tierheim zwischen Neufahrn und Dietersheim am Sonntag eröffnet werden konnte.

(Foto: Marco Einfeldt)

Das Neufahrner Tierheim ist offiziell eröffnet. Erweiterungsbauten sollen in den nächsten Jahren dazukommen

Von Birgit Grundner, Neufahrn

Nicht dass es der jungen Hündin nicht gefallen hätte. Aber am Tag vor der offiziellen Eröffnung des Tierheims ist sie dort schon wieder ausgezogen. Es hat sich eine Familie gefunden, die sie zum "Probewohnen" mitgenommen hat. Fünf Katzen und drei Vögel sind dagegen immer noch da, und sie werden in den nächsten Monaten schnell viele Nachbarn bekommen. Zwar werden die Tiere, die der Tierschutzverein momentan auf private Pflegestellen verteilt hat, nicht nach Neufahrn verlegt: "Den Stress tun wir ihnen nicht an", sagte Vorsitzender Joseph Popp. Aber es werde immer ausgesetzte, aufgefundene oder beschlagnahmte Tiere geben, die aufgenommen werden müssten. Dafür steht jetzt an der ehemaligen Bundesstraße B 11 zwischen Mintraching und Dietersheim ein eigenes Gebäude zur Verfügung.

Noch bevor der Festakt mit Landrat Josef Hauner (CSU) und Bürgermeistern aus dem ganzen Landkreis vorbei war, und noch ehe die evangelische Pfarrerin Karin Jordak und die katholische Pastoralreferentin Christina Brandl-Bommer den kirchlichen Segen erteilt hatten, war das Gelände voll mit Besuchern. Alle wollten sich die Einrichtung ansehen, sich informieren und mit Aktionen wie der Tombola bei der weiteren Finanzierung helfen. 1,8 Millionen Euro hat das Tierheim gekostet, 820 000 hat der Verein aus Eigenmitteln aufgebracht. Noch mehr Geld wird für die Außenanlagen gebraucht.

Container anstelle eines Quarantäne-Baus

Irgendwann sollen die Erweiterungsbauten dazukommen, die aus finanziellen Gründen erst einmal aus der Planung gestrichen wurden. So ist der südliche Funktionstrakt kürzer geworden, und anstelle eines richtigen Quarantäne-Baus behilft man sich erst einmal mit Containern. In der Summe habe man "ein Drittel weniger gebaut als baurechtlich genehmigt war", resümiert Popp, der bei der Realisierung die treibende Kraft war. 2008 war er in sein Amt gewählt worden, und es sei schnell klar gewesen, dass es "so nicht weitergehen kann", erinnert sich Popp. Bis zu 400 Tiere seien jedes Jahr in Privathaushalten versorgt worden - ein "völliges Unding".

Dass der Bau eines Tierheims trotz unbestrittener Notwendigkeit so schwierig werden würde, hatte er "nicht gedacht", räumt er rückblickend ein. Schließlich mussten nicht nur ein Grundstück gefunden und behördliche Hürden überwunden, sondern auch die Finanzierung von Bau und laufendem Betrieb gesichert werden. Das bedeutete viel Überzeugungsarbeit in den Landkreis-Gemeinden. 15 haben sich letztlich bereit erklärt, fünf Cent pro Jahr und Einwohner zu zahlen. Popp appellierte an die anwesenden Kommunalpolitiker, weiter für Unterstützung in den Gemeinden zu werben, die derzeit noch Fundtierverträge mit anderen Einrichtungen haben.

"Unerschrocken und ausdauernd"

Als "unerschrocken und ausdauernd" würdigte Landrat Hauner (CSU) den Vereinsvorsitzenden. Das Ergebnis sei zugleich "ein hervorragendes Beispiel für interkommunale Zusammenarbeit". Engagierter Tierschutz sei "ein Beitrag zur Humanität des Zusammenseins", stellte Bürgermeister Franz Heilmeier (Grüne) fest. In Anlehnung an ein Zitat der Widerstandskämpferin Sophie Scholl betonte er die Notwendigkeit von "hartem Geist und weichem Herz" in einer Zeit, in der es oft gerade umgekehrt sei. Engagierte Tierschützer seien Menschen, die in die richtige Richtung gehen, meinte Heilmeier.

Das Tierheim in Neufahrn ist das 551. im deutschen Tierschutzbund, und das 86. im Landesverband, berichtete Evelyn Ofensberger vom Dachverband. Benannt ist die Einrichtung nach Brigitte Seulen, der verstorbenen früheren Vorsitzenden des Tierschutzvereins Freising. Ihre Mutter sei die "Tiermutter von Freising" gewesen, erinnerte sich Tochter Daniela. Bei ihnen daheim seien schon mal vier Hunde und 13 Katzen gleichzeitig gewesen. "Meine Mutter wäre wahnsinnig stolz und glücklich, dass dieses Haus entstanden ist", sagte Daniela Seulen.

© SZ vom 23.07.2018/beb
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