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Corona-Zwischenbilanz:"Flächendeckenden Lockdown verhindern"

Hallbergmoos: Franz-Josef-Strauss-FLUGHAFEN / MUC Munich-Airport

Weil der Münchner Flughafen viele Waren und Dienstleistungen aus der Region bezieht, wirkt sich der dortige Stillstand auch auf die Region aus.

(Foto: Johannes Simon)

In der Wirtschaft gibt es nach Erkenntnissen der IHK bereits Anzeichen für eine Erholung, der Einbruch der Passagierzahlen am Flughafen wird sich aber auch auf die Region auswirken

Von Nadja Tausche, Freising

Die bayerische Wirtschaft hat sich nach dem corona-bedingten Einbruch schneller erholt als erwartet. Das ist eine der Erkenntnisse aus der Sitzung des IHK-Regionalausschusses Erding-Freising, die am vergangenen Dienstag stattgefunden hat. Man habe rund zwei Drittel des Einbruchs durch die Corona-Pandemie wieder aufgeholt, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Peter Kammerer bei dem virtuellen Treffen.

Die Zahl bezieht sich auf ganz Bayern und kommt durch das sogenannte "Stimmungsbarometer der bayerischen Wirtschaft" zustande: Dabei werden sowohl Berichte von Unternehmen zur aktuellen Lage als auch ihre Geschäftserwartungen berücksichtigt. Für den Landkreis Freising liegen noch keine gesonderten Zahlen vor - trotz der Auswirkungen des Stillstands am Flughafen gehe man aber davon aus, dass die Situation im Landkreis ähnlich sei wie im Rest Bayerns, hieß es.

Als Grund für die zügige Erholung gab Kammerer unter anderem die staatlichen Maßnahmen an. Durch das Kurzarbeitergeld seien die Unternehmen merklich entlastet worden. Die Frage, die sich jetzt stelle, sei aber: "Wie wird es mit der Erholung weitergehen?". Die IHK rechnet damit, dass sich die positive Entwicklung zunächst verlangsamen wird. Ein Grund dafür ist, dass einige Branchen noch immer stark unter den corona-bedingten Einschränkungen leiden. "Wir gehen davon aus, dass wir im Jahr 2022 das Niveau von 2019 erreichen", so Kammerer.

Als wichtigstes Instrument für die lokale Wirtschaft sehen die Mitglieder des Regionalausschusses, einen zweiten flächendeckenden Lockdown zu verhindern. Stattdessen unterstütze man das regional unterschiedliche Vorgehen bei der Corona-Bekämpfung, so Kammerer weiter. Auch dürften keine Gesetze verabschiedet werden, die für die Unternehmen viel Aufwand und Bürokratie bedeuten: Das sei kontraproduktiv, "jetzt, wo viele Unternehmen ums Überleben kämpfen." Stattdessen müsse man etwa die Digitalisierung vorantreiben: "Die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig eine digitale Infrastruktur und digitale Kompetenz sind."

Auch die Auswirkungen des Stillstands am Münchner Flughafen auf die Region waren bei der Sitzung Thema. Zwar hätten mit den ersten Lockerungen im Frühsommer die Passagierzahlen wieder zugenommen, sagte Referentin Marie-Louise Seifert. Der Geschäftsreiseverkehr spiele aber nach wie vor kaum eine Rolle, Passagierzahlen und Frachtverkehr seien deutlich eingebrochen. Man erwarte dieses Jahr rund zwölf Millionen Passagiere, berichtete Jochen Flinner von der Flughafen München GmbH (FMG) - das entspreche etwa einem Viertel der Passagierzahlen des Vorjahrs. Viele der am Flughafen Beschäftigten wohnten in den Landkreisen Freising und Erding, der Flughafen kaufe Waren und Dienstleistung aus der Region, derzeit eben entsprechend weniger davon, so Flinner. "Das wird die Region auch noch länger beschäftigen", prophezeite er.

Zur B 15 von Regensburg über Landshut nach Rosenheim fordert die IHK, Planung und Bau der noch fehlenden Abschnitte müssten so schnell wie möglich umgesetzt werden. Es gehe weniger darum, sich für eine Trasse zu entscheiden, sagte der Vorsitzende des Regionalausschusses, Otto Heinz: "Für uns ist es wichtig, dass es mit der B 15 neu überhaupt weitergeht." Über das Teilstück der B 15, das möglicherweise durch den Landkreis Erding verlaufen soll, wird seit Jahren gestritten. Der Erdinger Kreistag lehnt eine Trasse durch den eigenen Landkreis ab.

Bei der Sitzung des Regionalausschusses sollte eigentlich Landrat Helmut Petz, Freie Wähler, mit den Ausschussmitgliedern über die regionale Wirtschaft sprechen. Das wurde aufgrund der Verlegung der Sitzung ins Digitale aber verschoben.

© SZ vom 23.10.2020

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