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Bürgerentscheid Transgourmet:Votum über den weiteren Kurs

Bei der Abstimmung am 9. Oktober geht es um weit mehr als nur die Frage, ob man die Firma Transgourmet in der Stadt haben will.

Wer die Ansiedlung des Lebensmittelriesen Transgourmet in den Freisinger Clemensängern verhindern will, muss beim Bürgerentscheid eine kleine gedankliche Volte vollziehen: Er muss dafür stimmen, die geplante Änderung des Bebauungsplans zu verwerfen. Kein geänderter Bebauungsplan, keine überdimensionale Logistik-Halle, so einfach wäre das; jedenfalls auf den ersten Blick.

Tatsächlich sollten es sich die Bürger mit der Entscheidung in dieser Frage nicht zu einfach machen. Denn schon jetzt zeigt sich, dass es gar nicht nur um Transgourmet geht. Die von einer Mehrheit im Stadtrat beabsichtigte Öffnung des Standorts Freising für die hier bislang verpönten Unternehmen aus der Logistikbranche hat sich offenbar bereits bis nach Bremerhaven herumgesprochen und einen Fisch-Großhändler auf den Plan gerufen, der die Clemensänger nun auch interessant findet.

Ebenso prompt hat schon ein erster Bauherr versucht, für ein Grundstück in der Nachbarschaft ein wenig mehr Nutzung herauszuholen - in leiser Hoffnung auf die "Vorbildwirkung" des übergroßen Nachbarn vielleicht; und tatsächlich dürfte es den Stadträten auf Dauer schwer fallen, derartige Ansinnen einheimischer Unternehmer abzulehnen - schließlich waren die Gewerbegebiete im Süden der Stadt allesamt einmal in erster Linie für mittelständische Betriebe auch aus der Stadt Freising ausgewiesen worden.

Die Frage, die sich den Bürgern am 9. Oktober stellt, ist also nicht: Will man die Firma Transgourmet in der Stadt haben? Die Frage ist: Will man den Dammbruch, den eine Entscheidung für das Großprojekt nach sich ziehen könnte, tatsächlich riskieren? Es geht so gesehen um nichts weniger als die Grundsatzentscheidung, welche Art der Gewerbepolitik künftig in Freising betrieben wird.