Energiekrise:Jetzt wird auch noch das Bier teurer

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Energiekrise: Zum Brauen wird viel Energie benötigt, die Brauereien kämpfen deshalb mit stark gestiegenen Kosten. Das wird sich auch auf den Bierpreis auswirken.

Zum Brauen wird viel Energie benötigt, die Brauereien kämpfen deshalb mit stark gestiegenen Kosten. Das wird sich auch auf den Bierpreis auswirken.

(Foto: Lukas Barth)

Die gestiegenen Energie- und Materialkosten machen den Brauereien im Landkreis Freising zu schaffen, weitergeben können sie diese nur in begrenztem Umfang. Vor allem Betriebe, die bereits während der Pandemie Probleme hatten, könnten jetzt in Schieflage geraten.

Von Petra Schnirch, Freising

Die hohen Energiepreise belasten nicht nur private Haushalte, sondern gerade auch kleine und mittelständische Unternehmen. Stark betroffen ist die Brauwirtschaft. Die Kostensteigerungen gingen nicht spurlos an den Brauereien vorbei, auch nicht an Weihenstephan, sagt Josef Plank, Kaufmännischer Leiter der Bayerischen Staatsbrauerei Weihenstephan. Die Bierpreise müssten demzufolge überall steigen.

Der Betrieb einer Brauerei sei sehr energieintensiv. Während des Brauprozesses müsse schließlich gekocht, gekühlt und abgefüllt werden. Das habe zur Folge, dass die Energiekosten auch für die Staatsbrauerei nach oben gehen - bisher aber noch nicht mit einer steilen Kurve, wie Plank sagt. "Eine konkrete Steigerung ist allerdings schwer zu prognostizieren." Die Brauerei sei durch langfristige Verträge zumindest teilweise abgesichert. Deshalb sei diese Energiekrise für die Staatsbrauerei nicht existenzbedrohend.

Einige Betriebe werden in Schieflage geraten

In der Braubranche werde es aber Unternehmen geben, die diese Steigerungen nicht ohne Weiteres stemmen könnten, befürchtet Plank. Vor allem Betriebe, die bereits während der Pandemie Probleme hatten, könnten jetzt in Schieflage geraten. Denn teurer geworden seien auch die Anschaffungskosten für Glas, Kronkorken und Verpackung, teilweise um 50 Prozent, an mancher Stelle hätten sie sich sogar verdoppelt. Plank rechnet damit, dass diese Entwicklung auch 2023 weitergehen wird.

Sorgen bereiten die Kostensteigerungen auch Mario Schäfer, dem Geschäftsführer des Vereins Private Brauereien Bayern, wie er am Montag bei einer Pressekonferenz zum Hopfenmarkt 2022 sagte. Im Durchschnitt kämen im laufenden Jahr auf eine klassische mittelständische Brauerei Mehrkosten im sechsstelligen Bereich zu. "Kastenpreise weit über 20 Euro wären notwendig, damit die Brauereien kostendeckend arbeiten könnten." Eine Weitergabe der zusätzlichen Ausgaben an die Konsumentinnen und Konsumenten sei jedoch nur bis zu einem gewissen Grad möglich. Es sei zu beobachten, "dass Verbraucherinnen und Verbraucher auch beim Bier wieder stärker auf den Geldbeutel schauen". Für viele kleinere Brauereien geht es nun laut Schäfer ums wirtschaftliche Überleben.

"Momentan schlucke ich das halt", sagt Stefan Epple von der Brauwerkstatt in Haag

Die Brauwirtschaft hatte sich vor kurzem mit einem Appell an die Politik gewandt. In weiten Teilen der mittelständisch geprägten Brauwirtschaft mache sich Existenzangst breit, Hunderte Betriebe stünden auf dem Spiel, heißt es darin. Die Verbände fordern beispielsweise, den Strom- vom Gasmarkt abzukoppeln und die Preise auf einem Niveau zu deckeln, das den Betrieben die Aufrechterhaltung ihrer Produktion ermögliche. Zwar geht der 2023 geplante Strom- und Gaspreisdeckel in diese Richtung. Allerdings waren die Erhöhungen schon in diesem Jahr recht beachtlich.

Das bestätigt Stefan Epple, Chef der Brauwerkstatt in Haag. Die Energiepreise hätten sich 2022 im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. In kleinen Betrieben mache sich das extrem bemerkbar. Weitergeben könne er die Teuerung nicht im gleichen Umfang, er verlange lediglich ein paar Cent mehr pro Flasche. "Momentan schlucke ich das halt", sagt Epple, der die kleine Brauwerkstatt mit einem Ausstoß von 50 Hektoliter im Nebenerwerb betreibt. Durch den Craft-Beer-Boom der vergangenen Jahre haben sich zahlreiche kleine Brauereien etabliert, die vor allem regionale Märkte bedienen. Diese Vielfalt ist nun in Gefahr. Sollte sich die Situation nicht ändern, "muss ich schon sehr überlegen, ob ich weitermache", sagt Epple, oder ob er das Bierbrauen nur noch als Hobby betreibe.

Leere Phrasen helfen in dieser Situation niemandem

Von der Politik wünsche er sich mehr Unterstützung. Gerade in Deutschland gebe es das Know-how, um die Produktion in den Brauereien energieeffizient zu machen, viele Mittelständler arbeiteten noch mit älteren Anlagen. Auch Josef Plank erhofft sich "klare und verlässliche Aussagen, Planungssicherheit ist das Stichwort. Leere Phrasen helfen in dieser Situation niemandem weiter", sagt er.

Immerhin: Über Engpässe bei der Materialbeschaffung oder der Lieferung von CO₂ klagen die Freisinger Brauereien bisher nicht. Da auch die Glasindustrie sehr energieintensiv arbeite, könnte es hier aber zu Problemen bei der Warenverfügbarkeit kommen, befürchtet Plank. Die Konsequenzen seien aber noch kaum abzusehen.

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