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Baumärkte und Gartencenter in Freising:Der Massenansturm bleibt aus

Einen Eiskratzer müssen Kunden mitnehmen, die beim Hagebaumarkt in Freising einkaufen wollen. Wenn sie den Laden verlassen, dürfen sie ihn wieder abgeben. So lässt sich feststellen, wie viele Menschen sich gerade in dem Geschäft befinden. So wird das Hygienekonzept eingehalten.

(Foto: Marco Einfeldt)

Sie dürfen seit diesem Montag wieder öffnen. In den weitläufigen Läden herrscht aber nur normaler Wochentagbetrieb. Die Kunden freuen sich, durch Gänge voller Ware schlendern zu können.

Von Alexandra Vettori, Freising

Geduldig erklärt der junge Mitarbeiter des Freisinger Hagebaumarktes dem schwerhörigen älteren Herren am Eingang, wieso er jetzt, an diesem sonnigen Früh-Frühlingsmontagvormittag, den dargebotenen Eiskratzer mit in den Baumarkt nehmen soll. "Und danach am Ausgang geben Sie ihn wieder ab, damit zählen wir die Personen, die im Markt sind", wiederholt er freundlich. Der Ältere schaut ihn immer noch zweifelnd an, nimmt aber schließlich mit einem leichten Kopfschütteln den Eiskratzer und betritt den Hagebaumarkt in Freising.

Damit, mit Baumärkten, Gartencenter, Blumenläden und körpernahen Dienstleistungen wie den heiß ersehnten Friseuren, ist am Montag die bayerische Lockerung der Corona-Beschränkungen gestartet. Zumindest am Montagvormittag ist im Landkreis bei den Garten- und Baumärkten der große Ansturm ausgeblieben. Die Parkplätze in Neufahrn und Freising waren für einen Montag zwar gut gefüllt, doch in den weitläufigen Läden herrscht dann doch nur normaler Wochentagsbetrieb bei schönem Wetter. "Blumen, Farben, Holz", nennt eine Kassiererin die Waren, die bis zum Mittag vor allem gefragt waren.

Viele Besucher genießen das Schlendern durch die Regale

Tatsächlich sieht man im Freisinger Habebaumarkt vor allem diese Waren in den Einkaufswägen, die von den Kunden und Kundinnen gemächlich durch die Regale geschoben werden. So gemächlich, dass sich der Eindruck aufdrängt, die Besucher genössen das Schlendern durch die Warenvielfalt, das haptische Erlebnis, die Dinge zu berühren, bevor sie im Einkaufwagen landen. "Diese Bestellerei halte ich sowieso für einen Schmarrn", sagt etwa Reinhard Ziegltrum aus Kirchdorf, "ich muss das Zeug ja anlangen und richtig sehen". Es hat ihn richtig genervt, dass er das so lange nicht konnte. "Ich muss das den Herren und Damen Politikern schon mal sagen, alle wollen was machen im Haus und im Garten, und deswegen hätte man die Baumärkte schon eher aufmachen können." Er selbst brauchte dringend Farben, Steckleisten und andere Kleinigkeiten.

Auch Petra Port aus Freising ist gleich am Vormittag mit ihrem Mann gekommen, weil sie eine Beleuchtung für die neue Küche brauchten. "Wir müssen uns das real anschauen, deswegen haben wir gewartet, bis wieder auf ist", erklärt sie. Angst vor Ansteckungen habe sie keine, gar nicht, man trage Maske, halte Abstand, wie immer. "Im Supermarkt bin ich ja auch, und das hier ist viel größer", sagt sie. Tatsächlich empfiehlt Hagebau seinen über 300 Markt-Betreibern, nur einen Besucher auf 50 Quadratmetern Verkaufsfläche zuzulassen, obwohl die staatlichen Vorgaben einen Besucher pro 20 Quadratmeter erlauben würden. Dazu desinfizieren Mitarbeiter die Handläufe der Einkaufswägen regelmäßig. Kein Problem mit der Sicherheit hat auch der dynamische Mittdreißiger in der nächsten Regalreihe, viele Latten und Bretter hat er im Einkaufswagen. "Ich war ja vorher als Gewerbetreibender sozusagen schon privilegiert und durfte einkaufen", erklärt er und seine Augen strahlen über der FFP2-Maske, "aber es macht viel mehr Spaß mit Leuten".

Die Schausteller braten jetzt Würstl

Während es drinnen um Spaß und Blumenzwiebel geht, kämpfen andere ums Überleben. Vor dem Hagebaumarkt lässt eine Würstelbude Bratduft in den Himmel steigen. Drinnen stehen Joanna Kaiser und Kevin Karow am Grill, Mitglieder der bekannten Schaustellerfamilie Kaiser, die seit vielen Jahren Fahrgeschäfte wie High Energy, Rio Rapidos, Skater oder Breakdance unter anderem auf dem Oktoberfest betreibt. "Wir leiden seit einem Jahr", sagt Kevin Karow. "Und weil wir Schausteller flexibel sind, ist das hier eine Möglichkeit, wie man sich etwas Geld zum Leben verdient. Wir wollen ja nicht dem Staat auf der Tasche liegen, außerdem übernimmt die staatliche Hilfe nur die geschäftlichen Fixkosten, aber nicht unseren Lebensunterhalt." Viele aus der Familie betrieben gerade Würstelbuden, erzählt Joanna Kaiser, "jeder versucht sein Glück, der eine steht vor dem Baumarkt, der andere in der Koblenzer Innenstadt, der wieder andere vor einem Rewe."

Ein Stück weiter, im Dehner Gartencenter, geht es noch ruhiger zu. Tierfutter konnte man hier schon in den vergangenen Wochen kaufen, vor dem Laden ein paar Topfblümchen auch, dennoch wundert man sich ein bisschen über den eher dünnen Kundenstrahl. "Ich kann mir vorstellen, dass das am Wochenende anders ausschauen wird", sagt eine Verkäuferin lächelnd.

Der Andrang an den Baumärkten und Gartencentern hält sich in Grenzen. Jeder bekommt seinen Einkaufswagen.

(Foto: Marco Einfeldt)

"Es ist schön, die Leute wieder im Laden zu beraten"

Ein ähnliches Bild bietet sich in Saskia Köningers Blumenladen "Blütezeit" in der Neufahrner Bahnhofstraße. Und doch schaut man in strahlende Gesichter. Click and Collect bot auch die "Blütezeit" schon vorher, für Stammkunden, die sich bestellte Waren an der Türe abholten. Jetzt ist die Sperre an der Türe weg, "und es ist schön, die Leute wieder im Laden zu beraten, als am Telefon zu beschreiben, wie jetzt die Tulpe aussieht, die in den Strauß kommen soll. Das ist schon ein rechter Aufwand gewesen", sagt Mitarbeiterin Silke Hirschbolz.

© SZ vom 02.03.2021/av
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