Ausgehen in Freising Alle blond, alle chic. Eine Bar mit Logenplätzen

Einen Platz an der Sonne bietet die Freisinger Hansi-Bar - solange es witterungstechnisch nur irgendwie geht. Drinnen gibt es unter anderem edle Weine.

(Foto: Marco Einfeldt)

Folge 5 der SZ-Kolumne "Bar-Hocker": Die Gäste der Hansi Bar pflegen einen gewissen Stil und der Chef pflegt seine Gäste - ausnahmslos.

Kolumne von Eva Zimmerhof, Freising

Kann es sein, dass bestimmte Räumlichkeiten nur bestimmte Menschen anziehen? Und wenn ja, was passiert eigentlich, wenn es eine Art Besucher-Ausrutscher gibt mit Leuten, die sich nicht ganz ins Bild fügen?

Nicht nur im Sommer sitzt man ganz gemütlich und präsent auf dicken Schaffellen mit dem Rücken zur Hansi Bar und kann vom Trottoir aus gut beobachten, wer im Herzen der Stadt unterwegs ist. So lange es draußen noch irgendwie auszuhalten ist, bietet die Bar diesen Schauplatz im doppelten Sinne auch zu anderen Jahreszeiten an - meist ist er ein Platz an der Sonne. Die Hansi Bar besticht ansonsten durch Chic. Wie in einem gediegenen Esszimmer sitzt man an hübsch gedeckten Tischen mit guten, sauberen Tischtüchern nahe an einem ummauerten LED-Kamin, oder eben doch an der Bar und schaut ein wenig in die Küche. Die leichte Enge im Inneren schafft Atmosphäre. Es gibt ausgewählte Speisen und vor allem edle Weine. Eigentlich müsste es Hansis Bar heißen, schließlich klebt an der Zapfanlage ein kleines Schild. "Hier zapft der Chef - Privatschenke Hans".

Geschäftsführer Hans Meisinger richtete den ehemaligen Teeladen an der Oberen Hauptstraße vor etwa vier Jahren im Stil gehobener bayerischer und österreichischer Wirtshäuser ein. Dazu baute er eigenhändig die alte Holzvertäfelung einer Getreidemühle aus der Wachau ein. Schon bald möchte er alles mal wieder aufhübschen und "mit Farben spielen". Natürlich fällt hier auf, wer mit Schlamm verschmierten Stiefeln, Resultat eines längeren Fußmarsches, hereinkommt. Zudem passen Kleidungsstil und Haarfarbe der Berichterstatterin und ihrer Begleitung nicht zu der sonst ausnahmslos blonden Pracht der weiblichen Gäste. Das kann natürlich Zufall sein, doch der Verdacht liegt nahe, dass hier meist außerdem ein kostspieliger Modegeschmack dominiert.

"Wollt ihr ein Bier?" Nein, jetzt will man erst recht einen Wein

Der Chef jedenfalls beugt sich über den mit weinrotem Samtstoff dekorierten Tresen, um mit leichtem Schmunzeln zu fragen: "Wollt ihr ein Bier?" Danke, nein, jetzt möchte man erst recht einen schönen Weißwein. Und der Chef? Der begegnet einem mit ehrlich wirkender Freundlichkeit und steht seinen Gästen zur Seite, wenn die aus der umfangreichen Weinkarte wählen. Ein Glas Chardonnay etwa kostet 4,20 Euro, den Hauswein gibt es für 2,50. Die Karte wurde mit einem Falstaff Sommelier des Jahres zusammengestellt, so steht es vorne, und bietet offene und Flaschenweine - etwa einen mallorquinischen Blanc de Blanc oder einen Wachauer Singerriedel Smaragd Jahrgang 2012. Es gibt aber auch ein Damen- und ein Herrengedeck.

Die Schlammstiefel sind dann auch egal, zumindest lässt sich niemand deswegen etwas anmerken. Der Gast braucht eine Weile und ein anderer Barkeeper fragt später ebenso freundlich nach den Wünschen. Im Kamin lodern die LED-Lämpchen. Es wird fast heimelig. Nur auf dem Weg zur Toilette wundert man sich. An den Türen hängen je symbolhaft ein kopfloses Dirndl-Dekolleté und ein Lederhosenlatz hinter den zwei Hände greifen. Immerhin greifen auf dem Bild nicht auch Hände ins Dekolleté, schießt einem durch den Kopf. Die Bierdeckel tragen denselben Aufdruck - das einzige Element, das hier nicht ganz so geschmackvoll ist.

Und beim Verlassen der Hansi Bar bekommen seine Gäste vom Chef alle ein freundliches "Pfiat di! Servus!" hinterhergerufen - ausnahmslos.

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Viel Lärm um Bier

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Öffnungszeiten: Dienstag ab 17 Uhr, Mittwoch 11 bis 14 Uhr und ab 17 Uhr, Samstag 10 bis 15 Uhr und ab 18 Uhr. Barrierefreiheit: Es gibt eine niedrige Stufe im Eingang.