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Freimann:Zurück in der digitalen Außenwelt

Monatelang hatte das Studentenwohnheim Heidemannstraße keinen Internetanschluss - dafür war die Bar gut besucht

Fast ein halbes Jahr ohne Internetanschluss: Diese Durststrecke ist für die rund 350 Bewohner im Studentenwohnheim Heidemannstraße in Kieferngarten seit Kurzem vorbei. Am 19. Februar war das gesamte Wohnheim offline gegangen, schuld daran war ein Brand im Serverraum. Danach musste das Studentenwerk München einen neuen Switch einbauen lassen, der das Internet zwischen den Wohnungen verteilt. Ende Mai, so versprach damals das Studentenwerk, läuft das Internet wieder. Jetzt, im Juli, haben immerhin alle Bewohner wieder eine stabile Internetverbindung.

"Prüfungsvorbereitung ohne Internet, das kennen wir ja schon. Das ist in der letzten Prüfungsphase ausgefallen, also gehen wir bald auf sechs Monate zu", berichtete ein Bewohner, als von Internet noch keine Rede war. Geahnt, dass es mit dem Umbau länger als vom Studentenwerk angekündigt dauern würde, haben es manche offenbar schon früher: Am Briefkasten des Hausmeisters tauchte schon Anfang April ein Zettel auf: "No internet through a fire indefinitely! Bis Juli 2019". Er sollte recht behalten.

Studentenwohnheim Heidemannstraße in München, 2019

Monatelang hatte das Studentenwohnheim Heidemannstraße keinen Internetanschluss.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Das Studentenwerk bietet in dem Wohnheim normalerweise Zugang zum Internet, das über das Wissenschaftsnetz des Leibniz-Rechenzentrums (LRZ) bereitgestellt wird. Dieses Netz darf ausschließlich für wissenschaftliche Zwecke genutzt werden und ist kein Bestandteil des Mietvertrages, sondern wird über eine Zusatzvereinbarung geregelt. Warum es fast ein halbes Jahr gedauert hat, den Switch im Adminraum für das Internet auszutauschen, begründet das Studentenwerk mit unerwarteten Verzögerungen bei den Sanierungsarbeiten: Zum einen hätten Handwerker durchlaufende Warmwasserrohre im Serverraum isolieren müssen, da sie bisher den Raum aufgeheizt hatten und Kondenswasser an den Kaltwasserleitungen entstanden war. Deshalb habe das Studentenwerk wiederum eine temporäre Kühlung einbauen müssen. Nur so habe das Internet, so begründet das Studentenwerk, auch vor Abschluss der Bauarbeiten wieder bereitstehen können. Bevor die Rohre isoliert werden konnten, mussten allerdings erst fehlende Wände eingezogen und Baumaßnahmen zum Brandschutz abgeschlossen werden.

"Ich schätze, einen Switch einzubauen, dauert eine gute Woche. Wenn in großen Firmen ein Rechenzentrum abbrennt, dann ist da ja auch nicht das ganze Internet so lange lahmgelegt", hält ein Informatik-Student dagegen, der im Heim an der Heidemannstraße wohnt. Bewohner des Wohnheims kritisieren außerdem, dass das Studentenwerk sie immer wieder vertröstet habe, um dann in letzter Minute den Start des Internets doch wieder nach hinten zu verschieben: "Wenn sie heute schon wissen, dass das morgen nicht klappt, können sie mir doch einfach Bescheid sagen", moniert ein Student, der anonym bleiben möchte, um keine Probleme mit seinem Zimmer zu bekommen.

Datenschutz

Alles hängt mit allem zusammen: Der Austausch des "Switch", in dem dann die Netzwerkkabel stecken, verzögerte sich laut Studentenwerk wiederholt aus verschiedenen Gründen.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Das Studentenwerk wiederum argumentiert: "Baumaßnahmen dieser Größenordnung brauchen üblicherweise eine gewisse Zeit." Einzelne Baumaßnahmen könnten nicht parallel fertiggestellt werden, sondern hingen voneinander ab: "Beispielsweise kann keine Isolierung der Rohre erfolgen, bevor die Brandschottungsmaßnahmen fertiggestellt sind. Die wiederum müssen warten, bis abgerissene Wände wieder errichtet sind und alle Leitungen verlegt wurden."

Außerdem tauscht das Studentenwerk die Datendosen in den rund 350 Zimmern des Wohnheims aus, damit steigt die Schnelligkeit des Internets von 100 Mbit auf 1000 Mbit. Für das schnellere Internet muss ein Handwerker in jedes Zimmer des Wohnheims, um die reparierte Leitung durchzumessen und die Datendosen auszutauschen.

Andere Studierende können der internetfreien Zeit auch etwas Positives abgewinnen: "Ich habe mein Interesse an all den Sachen verloren, die ich 24/7 an meinem PC gemacht habe, was zu einem besseren Sozialleben geführt hat", kommentiert ein Student in der Facebookgruppe. Auch die Wohnheim-Bar sei viel voller gewesen in der Zeit, in der das Internet weg gewesen sei.

Doch nicht alle sind so zufrieden mit der Situation und fordern wiederum eine Wohnzeitverlängerung: Bewohner in einem anderen Studentenwohnheim im Olympischen Dorf haben diese Kompensation vom Studentenwerk zugesichert bekommen - allerdings wegen Baulärms. "Das wäre auch für uns eine gute Entschädigung, es gab ja auch über ein Semester kein Internet", argumentiert der Student. Für das Studentenwerk ist so ein Entgegenkommen an der Heidemannstraße aber nicht denkbar: Der Zugang zum Wissenschaftsnetz sei eine "zusätzliche Serviceleistung", kein Bestandteil des Mietvertrages. Jedem Bewohner stehe es frei, sich über einen kommerziellen Anbieter eine Internetverbindung einzurichten. Eine Mietverlängerung für die Betroffenen werde es also nicht geben.

Dafür gibt es mittlerweile wieder einen Anschluss an die digitale Außenwelt - fast ein halbes Jahr später, dafür schneller als je zuvor.