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Freimann:Osterweiterung

Das Gebiet für das neue Stadtquartier auf dem Gelände der ehemaligen Bayernkaserne ist von 48 Hektar auf 58 Hektar angewachsen. Das Ziel der weit fortgeschrittenen Planungen ist ein "lebendiges Quartier"

Von Stefan Mühleisen, Freimann

Nach all den Details formulierte Architektin Rita Ahlers noch einen grundsätzlichen Gedanken. "Bayernkaserne kling nicht gut", sagte sie, ein anderer Name wäre schön. In der Tat: Kaserne klingt nicht einladend, obgleich in gut zehn Jahren auf diesem ehemals militärischen Gelände an der Heidemannstraße einmal 15 000 Menschen leben werden - es wird ein Neubaugebiet in der Größe von Städten wie Garching oder Eichstätt.

Die Planungen schreiten nicht nur zügig voran, wie bei Ahlers' Vortrag im Bezirksausschuss Schwabing-Freimann deutlich wurde - sie haben einen gehörigen Schub bekommen: Das Gebiet für das neue Stadtquartier ist von 48 Hektar auf 58 Hektar angewachsen. Damit schwillt eines der größten Wohnungsbauprojekte in der Stadt noch einmal an - die Osterweiterung, zunächst als Nachfolgeprojekt gedacht, wird gleich vollzogen. Zudem zeichnen sich nun die topografischen Konturen des neuen Stücks Stadt ab. Michael Bacherl vom Planungsreferat gab in seinem Vortrag als Ziel ein "lebendiges Quartier" aus - urban, mit verträglicher Dichte und Höhe. Und er rammte Pflöcke für den Zeitplan ein.

Blick in die Zukunft: So soll das neue Stadtviertel auf dem Gelände der einstigen Bayernkaserne im Jahr 2028 aussehen.

(Foto: Hilmer Sattler Architekten (Visualisierung))

Während die Vorbereitung der Baufelder schon in diesem Jahr anläuft, soll der Stadtrat das Mammutprojekt Anfang 2018 per Billigungsbeschluss auf die Schiene, Ende des gleichen Jahres per Satzungsbeschluss in Fahrt setzen. 2019 rücken die Baumaschinen an; 2021 sollen die ersten Wohngebäude sowie eine Grundschule, ein Gymnasium und eine Mittelschule fertig sein. Bis zu 6000 Wohnungen sieht das Konzept vor; 2028 soll alles fertig sein.

Rita Ahlers vom Münchner Büro Hilmer Sattler Architekten Ahlers Albrecht und die Kollegen vom Büro Max Dudler sowie Landschaftsarchitekten Mahl Gebhard Konzepte konnten ein Segment im Osten integrieren, das ursprünglich erst danach entwickelt werden sollte. Der größte Teil des Streifens zwischen Heidemannstraße und Helene-Wessel-Bogen ist noch von einem Gewerbebau belegt, in dem sich BMW eingemietet hat. Die Eigentümergemeinschaft des Grundstückes, die Heide Grund GmbH & Co KG, dürfte die Gunst der Stunde genutzt haben: Der dort ansässige Unternehmensteil wird die nächsten Jahre an den Standort Lilienthalallee wechseln. So konnten vier weitere der insgesamt nun 32 Baukörper auf den hinzugewonnenen Ostteil situiert werden. Symmetrisch aufgereiht, erinnert jeder sogenannte Wohnhof aus der Vogelperspektive an ein "U" mit nach innen gekehrten Serifen. Die meisten Gebäude werden laut Ahlers sieben Geschosse haben und 24 Meter hoch sein; im Zentrum des Gebietes, am Stadtplatz mit Markthalle, zeigt die Planskizze ein Ensemble mit vier zwölfgeschossigen Hochhäusern mit 40 Metern; die Eingangssituation im Süden und Norden sollen zwei 70 Meter hohe Gebäude mit 22 Stockwerken prägen.

Schöne Welt: Menschen im Park, Hochhäuser, urbanes Leben- der Bryant Park in New York ist den Architekten Vorbild fürs neue Viertel.

(Foto: Mahl-Gebhard-Konzepte)

Gemäß den Ausführungen legen die Planer viel Wert auf die Freiflächen. Im Süden und Norden wird das Quartier von Parkanlagen eingefasst; eine der Ost-West-Wegeverbindungen soll ein autofreier Grünboulevard werden, dazu sind grüne Gassen zwischen den Wohnhöfen vorgesehen. Einen zentralen Stadtpark soll es auch geben: Ahlers zeigt dazu ein Foto aus New York, auf dem sich Dutzende Menschen auf einer Wiese tummeln, umrankt von Hochhäusern. Zum urbanen Lebensgefühl sollen überdies Läden in den Erdgeschossen des Zentralbereichs beitragen. Nach den Worten von Behördenmitarbeiter Bacherl will die Stadt dafür ein Quartiersmanagement einsetzen, eingebettet in ein ähnlich organisiertes Realisierungs-Konsortium nach dem Vorbild der Baugebiete Domagkpark und Prinz-Eugen-Kaserne.

Die Mitglieder des Bezirksausschusses hielten sich mit Verbesserungsvorschlägen nicht zurück: von einem Biergarten bis zu einem künstlichen Teich reichte die Wunschliste. Die Architektenriege versicherte, alle Vorschläge zu berücksichtigen. Vor allem über eine Namensalternative zu "Bayernkaserne" würde man sich freuen.

© SZ vom 27.04.2017
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