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Freimann:Die Ruhe nach dem Sturm

Das Konzept wider die wild parkenden Fußballfans entfaltet seine Wirkung: In den Siedlungen südlich der Allianz-Arena geht es wieder deutlich entspannter zu

Das regelmäßige Getümmel vor ihrer Haustür geht für die Freimanner Bürger in den Wohngebieten südlich der Allianz-Arena heuer ins 14. Jahr. So lange gibt es das Fröttmaninger Stadion - und so lange ist der immer wiederkehrende Ausnahmezustand zum Normalfall geworden: An Spieltagen kurven Hunderte Fußballfans mit ihren Autos durch die Siedlungen, parken kreuz und quer, hinterlassen Müll, grölen herum. Doch seit einem Jahr geht es auf den Straßen wieder einigermaßen geordnet und entspannt zu - ein Paket an Maßnahmen wider die wilden Parker entfaltet deutliche Wirkung, wie das städtische Planungsreferat jetzt in einer Beschlussvorlage für den Stadtrat darlegt. In der Gesamtschau, so schreibt die Behörde, habe sich "eine deutliche Verbesserung im Vergleich zur Vorsaison herausgestellt".

Das Papier ist einerseits eine Jahresbilanz, anderseits aber auch eine Art Erledigungsliste von vier Anträgen der Rathausfraktionen und drei aus Bürgerversammlungen, die sich seit 2014 angesammelt haben; gut ein halbes Dutzend Eingaben aus dem Bezirksausschuss Schwabing-Freimann sind indes nicht aufgeführt. Allesamt drangen sie auf eine Lösung der als unhaltbar empfundenen Situation, als Leitbegriff dafür hat sich "Anwohnerschutzkonzept" etabliert - und aus dem Verwaltungspapier geht hervor, dass sich aus Sicht der Sicherheitsbehörden, des Stadionbetreibers und der Anwohner die gewünschten Effekte einstellen.

Abendstimmung an der Allianz-Arena in München, 2012

Lichtblick: Mit den neuen Zufahrtsregeln hat sich das Chaos an Spieltagen in den Siedlungen beim Fröttmaninger Stadion wohl erledigt.

(Foto: Florian Peljak)

Kern des Konzepts ist es, die Fans quasi zu vergrämen, damit sie ihre Wagen nicht in den Siedlungen sondern im Arena-Parkhaus oder den Park-and-Ride-Flächen abstellen respektive sie zu ermutigen, gleich mit Bus, Bahn oder Fahrrad zu den Spielen zu kommen. Dazu werden nun jeweils drei Stunden vor Anpfiff bei Spielen unter der Woche Schilder und Sperrbaken an neuralgischen Zufahrten zu den Wohngebieten Kieferngarten Süd und Nord, Haidpark, Burmesterstraße, Kleinlappen und Auensiedlung aufgestellt. Die dort postierten Security-Mitarbeiter dürfen Autofahrer zwar nicht am Durchfahren hindern - sie können aber aufklären und die Fans animieren, etwa das Stadion-Parkhaus anzusteuern.

Die Bilanz: "Auch wenn es eine ganze Reihe von Fußballfans gibt, die Zufahrtssperren nicht beachten und daran vorbeifahren oder falsche Angaben zum Anliegen machen (...), so wurden die Zufahrtsregelungen insgesamt positiv gesehen", heißt es in dem Behördenpapier. Denn: Viele drehten halt doch um, so dass die Parkbelastung signifikant zurückging; überdies hat sich den Angaben zufolge die Zahl der Strafzettel für Falschparker in den Brennpunktgebieten Kieferngarten und Burmesterstraße halbiert, in der Auensiedlung und an der Freisinger Landstraße sind es ein Drittel weniger.

Wacht im Wohngebiet: Der Security-Dienst darf Autofahrer nicht an der Durchfahrt hindern. Dennoch drehten viele um und parkten woanders.

(Foto: Catherina Hess)

Das liegt auch daran, dass in neun Straßenabschnitten Halteverbotsschilder aufgepflanzt wurden, Parksünder also empfindliche Geldbußen zu zahlen haben; ohnehin gibt es für regelwidriges Abstellen kaum mehr Platz, seit die Stadt gut 100 Rasenschutzbügel sowie Holzgeländer in mehr als einem Dutzend Straßen platziert hat. Allein dies habe die Zahl der Falschparker "stark verringert", teilt das Polizeipräsidium München mit. Die Anwohner, die so lange eine Lösung für das permanente Chaos gefordert hatten, registrierten das zuletzt mit Wohlwollen. Von "positiven Effekten" sprach ein Vertreter der Siedlervereinigung Kieferngarten beim turnusmäßigen Austausch mit Polizei, Behörden, Bezirksausschuss und Stadionbetreiber im Mai dieses Jahres, wie das zugehörige Protokoll dokumentiert. Die Anwohnervertreter teilen die Einschätzung, dass die Zufahrtsregelungen weiterhin nur bei Abendspielen unter der Woche nötig sind.

Auch in der kommenden Saison sollen die Zufahrtsregelungen samt Security-Dienst wie bewährt durchgezogen werden. Hoffnung auf eine stetige Entspannung macht dabei die gute Auslastung des Parkhauses an der Allianz Arena, das in den vergangenen Spielzeiten im Schnitt zu 83 Prozent belegt war, in der laufenden Saison sind es 81 Prozent. Bei jedem Spiel voll ausgelastet waren hingegen die Park-and-Ride-Anlagen Kieferngarten und Fröttmaning. Ende dieses Jahres sollen 1250 Stellplätze hinzukommen: So viele umfasst das neue Parkhaus nordwestlich der Arena, erreichbar nur über die Autobahn A 99. Es soll auch die Sicherheitslage verbessern, als Abstell-Gebäude für Autos der auswärtigen Fans, die dann über einen eigenen Eingang ins Stadion gelotst werden.

Ferner kommt die Allianz Arena München Stadion GmbH einer Bitte der Landeshauptstadt nach und richtet im Zuge der Umgestaltung des Parkplatzes Mitte am Nordeingang 400 Fahrradstellplätze ein. Das Baureferat will flankierend entsprechende Schilder aufstellen - damit jene Fans, die aufs Auto verzichten, auch den Weg zu dem neuen Angebot finden. "Die Abstellplätze für Fahrräder liegen im Norden (Busparkplatz Nord) unmittelbar bei den Ticketschaltern, direkt neben den Eingängen", wirbt die Allianz Arena Stadion GmbH schon jetzt auf ihrer Homepage.