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Freiham:Von der Zeitzeugin zur Zirkus-Direktorin

Freihams Norden bekommt die letzten noch ausstehenden Straßennamen - geehrt werden vier Frauen und ein Mann

22 Straßen erschließen den ersten Realisierungsabschnitt des Neubau-Viertels Freiham-Nord. Die meisten von ihnen tragen bereits Namen. Die fünf, die noch fehlen, sollen nun nach Personen benannt werden, deren persönliches Engagement auf politischer, sozialer oder kultureller Ebene herausragend war.

Zu ihnen zählt Grete Weil. Die Schriftstellerin und Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus war jüdischer Abstammung und schrieb ihr erstes Werk 1933, das aber erst 1999 veröffentlicht wurde. Ihr Mann Edgar Weil, zur Zeit ihrer Eheschließung Dramaturg bei den Münchner Kammerspielen, wurde im Konzentrationslager Mauthausen ermordet. Grete Weil engagierte sich daraufhin im Widerstand in den Niederlanden und sollte ebenfalls deportiert werden, konnte aber fliehen und lebte bis Kriegsende versteckt hinter Bücherregalen bei einem Freund in Amsterdam. 1947 kehrte sie nach Deutschland zurück, veröffentlichte Aufsätze und Romane und lebte zuletzt in Grünwald. Weil erhielt zahlreiche Ehrungen, darunter den Geschwister-Scholl-Preis, die Medaille "München leuchtet" in Gold und 1996, im Alter von 90 Jahren, den Bayerischen Verdienstorden.

Widerstandskämpferin war auch Marie-Luise Jahn. Als Studentin lernte sie 1941 in München Hans Leipelt kennen, der mit den Geschwistern Scholl befreundet war und zum Hamburger Zweig der "Weißen Rose" gehörte. Nach der Hinrichtung der Geschwister Scholl brachten Leipelt und Jahn im April 1943 das sechste Flugblatt der Widerstandsbewegung nach Hamburg, vervielfältigten und verbreiteten es. 1943 wurde Jahn verhaftet und bis Kriegsende im Zuchthaus interniert. Später wurde sie Ärztin, Vorstandsmitglied der Weiße-Rose-Stiftung und engagierte sich als Zeitzeugin gegen das Vergessen.

Christel Sembach-Krones Verdienst ist dagegen eher sozio-kultureller Natur. Die vor zwei Jahren verstorbene Zirkusdirektorin entstammt der Zirkus-Dynastie Krone und stand mit zehn Jahren erstmals in der Manege. Ihre Leidenschaft galt stets der Pferdedressur, 1995 übernahm sie die Leitung des Zirkus-Unternehmens. Für ihr Lebenswerk erhielt sie 1999 das Große Bundesverdienstkreuz.

Freiham ist als inklusiver Stadtteil konzipiert - und Ute Strittmatter, nach der ebenfalls eine Straße benannt werden soll, war eine Aktivistin für die Rechte von Frauen und Mädchen mit Behinderungen. Die 2016 verstorbene Münchnerin saß seit ihrer Kindheit im Rollstuhl und benötigte Hilfe. Sie lernte sich in der Welt der Menschen ohne Behinderung zu bewegen, erfuhr aber auch Grenzen und Diskriminierung in Schule und Beruf. Als Kämpferin für die Gleichberechtigung war sie 1999 eine der Gründungsfrauen und später Leiterin des Netzwerks von und für Frauen und Mädchen mit Behinderungen in Bayern.

Den Namen eines erst vor eineinhalb Jahren verstorbenen Architekten erhält die fünfte noch zu benennende Straße. Otto Meitinger arbeitete als Leiter des Residenzbauamtes - und war in dieser Funktion in den Fünfzigerjahren verantwortlich für den Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Münchner Residenz und des Cuvilliéstheaters. Später war er an der TU tätig, zuerst als Ordinarius für Entwurf und Denkmalpflege und von 1983 an als Dekan der Fakultät für Architektur. Meitinger erhielt 2005 die Ehrenbürgerwürde der Stadt.

Der Kommunalausschuss des Stadtrats berät voraussichtlich am Donnerstag über die Benennungen.