bedeckt München -2°

Freiham:Übergangslösung beschlossen

Ein Expressbus zum Bahnhof Westendstraße soll das neue Stadtviertel ans U-Bahn-Netz anbinden. Die Planungen für den Rapid Transit mit eigener Spur auf der Lindauer Autobahn starten "unverzüglich". Erst zwischen 2035 und 2040 wird die U 5 bis in den neuen Stadtteil verlängert sein

Von Ellen Draxel, Freiham

Das Stadtviertel Freiham soll "unverzüglich, spätestens aber im Laufe des Fahrplanjahres 2022" über eine Expressbuslinie erschlossen werden, die den neuen Stadtteil über die A 96 mit der U-Bahn-Station Westendstraße verbindet. Einen entsprechenden Auftrag hat der Planungsausschuss des Stadtrats jetzt dem Planungsreferat und der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) erteilt. Der Expressbus ist dabei als "Bus Rapid Transit System" auszugestalten, also mit durchgehend eigenen Spuren auf dem gesamten Linienweg. Vorgesehen ist eine Route entlang der Aubinger Allee über den neuen Stadtplatz zum Busbahnhof Freiham, dann schnell und eventuell ohne weiteren Halt über Freiham-Süd und die A 96 bis zur Westendstraße. Auch den Takt geben die Rathauspolitiker vor: Fahren soll der Bus alle zehn Minuten, abgestimmt auf die Betriebs- und Abfahrtszeiten der U 5 an der Westendstraße. Außerdem wird Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) "gebeten, sich beim Freistaat für die Priorisierung des Busverkehrs auf der A 96 einzusetzen", etwa mittels Freigabe der Standspuren. Denn bislang fehlt für Expressbuslinien auf eigenen Autobahn-Spuren noch die rechtliche Grundlage. Die MVG sah deshalb bis jetzt eine Inbetriebnahme der Verbindung vor 2023 als nicht realisierbar an.

Die konkrete Forderung der Stadträte ist das Ergebnis einer seit Jahren andauernden Debatte über eine effiziente Anbindung Freihams an die Innenstadt. Aubings Bürger und Lokalpolitiker befürchten schon lange, ohne ausreichende Infrastruktur im Verkehr zu ersticken, ist der neue Stadtteil erst einmal bezogen. Inzwischen ist klar, die U 5 soll bis Freiham verlängert werden - die Umsetzung aber kommt vielen deutlich zu spät. Der Bezirksausschuss Aubing-Lochhausen-Langwied hat bereits vor einem Jahr mit den Stimmen von CSU, Grünen, ÖDP und FDP den Aufstellungsbeschluss zum zweiten Realisierungsabschnitt Freiham-Nord abgelehnt - um zu verdeutlichen, dass ein Stadtteil, in dem rund 30 000 Menschen leben sollen, nur dann lebenswert sein kann, wenn die Infrastruktur den Anforderungen gerecht wird.

Die CSU-Fraktion im Stadtrat sprang auf den Zug auf und fordert seitdem im Schulterschluss mit vielen Aubingern, dass U-Bahn und Wohnungen möglichst gleichzeitig fertig werden sollen. "Wir können nicht ein neues Stadtviertel auf der grünen Wiese bauen und dann den Einwohnern sagen: Schade, aber eine sinnvolle Verkehrsanbindung kommt erst in ferner Zukunft", kritisierte die planungspolitische Sprecherin der CSU, Stadträtin Heike Kainz, nach der Sitzung. "Wir müssen den Bau der U-Bahn jetzt vorantreiben und sicherstellen, dass die neuen Einwohner in Freiham ihre Wohnungen auch schnell und zuverlässig erreichen können." Der Expressbus-Variante hat die CSU dennoch jetzt zugestimmt - als "Übergangslösung". Für die SPD kommt es dagegen "keinesfalls" in Frage, den Bau des zweiten Realisierungsabschnitts zurückzustellen, bis die U-Bahn fährt. "So können wir mit den Münchnerinnen und Münchnern, die dringend eine Wohnung brauchen, nicht umgehen", sagte SPD-Fraktionschef Christian Müller.

In Abhängigkeit von der Grundstücksverfügbarkeit soll nach aktueller Rahmenterminplanung im zweiten Realisierungsabschnitt Freiham-Nord laut Stadtbaurätin Elisabeth Merk voraussichtlich bis zum Jahr 2028 Baurecht geschaffen sein und die Wohnungen bis 2035 stehen. Mit der Fertigstellung der U-Bahn nach Freiham rechnet die Chefplanerin zwischen 2035 und 2040 - "sodass möglicherweise mit Bezugsfertigkeit der letzten Wohnung Freiham an die U-Bahn angebunden ist". Immer vorausgesetzt, alles verlaufe "idealtypisch". Faktisch, so Merk, sei die Zeitplanung jedoch "von großer Unsicherheit geprägt - weshalb "es auch durchaus zu Verzögerungen in der Erstellung der Wohneinheiten über 2035 hinaus kommen" könne.

© SZ vom 10.12.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema