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Freiham:21 Meter Verrücktheit

Zwischen Minarett und Zwiebelturm: Die Skulptur "Freiham Folly" des Künstlerduos Heike Mutter und Ulrich Genth fand am Dienstag mit Hilfe mehrerer Autokräne ihren Platz im Viertel.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Freiham bekommt einen extravaganten Landschaftszierbau

Ein Stück weit erinnert sie an Friedensreich Hundertwassers Türme. Nur dass die 21 Meter hohe Skulptur "Freiham Folly" des Künstlerduos Heike Mutter und Ulrich Genth mit ihrer bunten Kachel-Optik weder begeh- noch bewohnbar ist. Sie soll vielmehr eine weithin sichtbare Orientierungsmarke im neuen Wohn- und Gewerbequartier im Münchner Westen sein. Bei der am Dienstag in Angriff genommenen Aufstellung mit Hilfe mehrerer großer Autokräne wurden die zwei vorgefertigten Hälften der Skulptur an Ort und Stelle verbunden und auf das bereits fertiggestellte Fundament gesetzt. Die Arbeiten sollen voraussichtlich bis zum Donnerstag abgeschlossen sein.

Situiert im Grünband zwischen Aubing und Freiham unweit der Kunreuthstraße, wird die Skulptur nicht nur die beiden neu entstehenden Grundschulen in Freiham, sondern auch Neuaubing mit dem künftigen Stadtteil Freiham verbinden. Die "Kommission für Kunst am Bau und im öffentlichen Raum" hat den Turm "Freiham Folly" im Rahmen von Quivid, dem Kunst-am-Bau-Programm der Stadt München, mit genau dieser Absicht zur Realisierung empfohlen. Er soll identitätsstiftende Wirkung entfalten, der Stadtrat hat im September 2017 das Projekt beschlossen.

Als "Folly" - es steht im Englischen für Verrücktheit - wurde im 18. Jahrhundert ein extravaganter Landschaftszierbau bezeichnet, der zu einer emotionalen und fast märchenhaften Atmosphäre des Parks beitragen sollte. Der "Freiham Folly" besteht aus vorpatinierten Kupferblechen in unterschiedlichen Farbtönen und weckt damit sowohl Assoziationen an ein orientalisches Minarett als auch an einen Maibaum. Gleichzeitig kulminiert der Schaft in einem gewölbten Balkon, der an das Zwiebeldach bayerischer Kirchtürme erinnert. "Die intelligente Verschmelzung unterschiedlicher, identitätsstiftender Formen eröffnet Denkräume", lobte die Jury den Entwurf in ihrer Stellungnahme.

Zusätzliche Informationen zu den Baumaßnahmen des Baureferats im entstehenden Stadtquartier Freiham Nord gibt es in der Unterführung der S-Bahn-Station Freiham an sechs 2,80 Meter hohen und 1,40 Meter breiten Infostelen.

© SZ vom 28.11.2018 / tek, eda

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