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Serie: Frauen machen Politik:Baby-Boom in der CSU-Fraktion

9 Babys

In der CSU-Fraktion ist der Baby-Boom ausgebrochen: 50 Kinder haben die CSU-Stadtratsmitglieder insgesamt, allein in den vergangenen vier Jahren kamen neun Babys auf die Welt. Anlass genug für die Fraktion, sich für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und kommunalem Mandat einzusetzen. Der klassische Mutterschutz und die Elternzeit sind für Stadtratsmitglieder verfassungsrechtlich nicht möglich, denn sie können ihr Mandat nicht ruhen lassen. Im vergangenen Juli hat der Stadtrat eine Mutterschutz-Regelung beschlossen. In der Geschäftsordnung steht seither: "Beantragt ein weibliches Stadtratsmitglied eine Befreiung von der Pflicht zur Sitzungsteilnahme, ist diese vom Oberbürgermeister zu gewähren." Wer mehr Frauen in der Politik wolle, müsse konkrete Maßnahmen ergreifen, sagte Kristina Frank, damals stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CSU und heute Kommunalreferentin sowie OB-Kandidatin.

26,8 Prozent

Die Frauenquote im Maximilianeum ist kein Ruhmesblatt. Seit November sind nur 55 von 205 Abgeordneten weiblich und damit so wenige, wie schon seit den Neunzigerjahren nicht mehr. Das liegt zum einen daran, dass die AfD erstmals in den Landtag einzog - mit 20 Männer und darunter sind aber nur zwei Frauen. Auch bei den Freien Wählern finden sich unter den 27 Abgeordneten nur sechs Politikerinnen. Die Münchner wählten ebenfalls eher Männer als Frauen. In den neun Wahlkreisen im Stadtgebiet setzten sich nur zwei Frauen direkt durch: Katharina Schulze und Gülseren Demirel, beide von den Grünen. Über die Liste zogen Susanne Kurz (Grüne), Ruth Waldmann und Diana Stachowitz (beide SPD) sowie Julika Sandt (FDP) ein. Bei den Männern sieht die Bilanz besser aus: Ganze sieben Direktmandate sicherten sie sich in München. Über die Liste gelang neun weiteren der Einzug ins Maximilianeum. Macht sechs Frauen und 16 Männer bei 22 Mandaten.

41,3 Prozent

Im Vergleich zum Bayerischen Landtag ist der Münchner Stadtrat nahezu vorbildlich. Mit einem kleinen Einbruch im Jahr 2008 steigt die Frauenquote dort kontinuierlich seit den Siebzigerjahren an. Im ersten Stadtrat, gleich nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1945, saß lediglich eine einzige Frau im Gremium: Zita Zehner. Sie wurde gemeinsam mit 35 weiteren ehrenamtlichen Mitgliedern vom damaligen Oberbürgermeister Karl Scharnagl in das provisorische Gremium berufen. Erst im Frühjahr 1946 durften die Bürger ihrer Vertreter auf kommunaler Ebene wieder selbst wählen - prompt war der Frauenanteil deutlich höher.

Dass die Zahl der Frauen im Stadtrat relativ hoch ist, liegt nicht nur daran, dass München eine Großstadt ist. Viele Parteien wie die CSU, die SPD, die Grünen oder die Linken haben Quoten, damit auf ihren Wahllisten Frauen auch auf aussichtsreichen Plätzen stehen und gewählt werden.

3 Parteichefinnen

Die politischen Parteien werden überwiegend von Männern geführt. Es existieren aber drei Ausnahmen. Die Münchner SPD hat eine Frau an der Spitze, die Bundestagsabgeordnete Claudia Tausend wurde erst kürzlich im Amt bestätigt. Immerhin Doppelspitzen haben die Grünen mit Gudrun Lux und Sylvio Bohr sowie die Linke mit Nicole Gohlke und Ates Gürpinar. Bei der CSU ist hingegen ein Mann alleine an der Spitze: der frühere Kultusminister Ludwig Spaenle. Die Freien Wähler haben Kultusminister Michael Piazolo als Vorsitzenden, die FDP hat Fritz Roth zum Stadtchef gewählt. Bei der AfD gibt es keinen alleinigen München-Chef, wohl aber vier männliche Kreisverbandsvorsitzende: Markus Walbrunn, Michael Groß, Wilfried Biedermann und Wolfgang Wiehle.

© SZ.de/haeg/imei
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