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Forschung:So könnte Münchens Verkehr in der Zukunft aussehen

Klaus Bogenberger ist an vielen Verkehrsprojekten und Entwicklungen in München beteiligt.

(Foto: Stephan Rumpf)

Seilbahnen, Roboter-Taxis und mehr Platz für Radler: Verkehrsprofessor Klaus Bogenberger hofft, dass die Stadt sich mehr traut.

Das könnte jetzt ein cooler Moment werden. Der Verkehrsprofessor steht am ausladenden Eingang der BMW-Welt am Olympiapark und geht Richtung Süd-Ost-Ecke des Areals. Dort steht, im Schatten des sensationellen Großbauwerks, eine sehr viel weniger beachtete Zapfsäule, pardon: Elektroladesäule. Auch sie hat immerhin 50 000 Euro gekostet, ihr Dach sieht ein wenig aus wie eine BMW-Welt in klein. Professor Klaus Bogenberger ist stolz auf die Säule, weil sie den Auftakt zu einem Projekt markierte. Wie man mit dem Elektroauto mit möglichst kurzen Ladezeiten die Strecke von München nach Leipzig schafft.

Doch gerade jetzt klebt an dem High-Tech-Wunder ein Zettel: "Außer Betrieb", steht dort. "Die Instandsetzung wurde bereits beauftragt." Klaus Bogenberger, 47, ist keiner, der sich schnell entmutigen lässt. Er setzt sein Lächeln auf, schnappt sich den Ladestecker am Kabel und hält ihn dem Fotografen wie eine Pistole vor die Linse. Die Zukunft kommt, auch wenn sie mal kurz Ladehemmung haben sollte.

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Durchstarten, aber dabei einen ganz langen Atem haben, das könnte das Motto im Berufsleben von Klaus Bogenberger sein. Wann immer im Münchner Verkehrsgeschehen etwas vorangeht oder auch stockt, ist der Lehrstuhlinhaber an der Neubiberger Bundeswehr-Uni mit hoher Wahrscheinlichkeit beteiligt. Bogenberger und seine Leute erforschen Staus, fördern Stromautos, experimentieren mit der Idee, Seilbahnen in den öffentlichen Nahverkehr zu integrieren, und lassen UPS-Lieferanten die Päckchen neuerdings auf Lastenfahrrädern ausfahren. Alles natürlich immer in Kooperation mit anderen Einrichtungen.

Und weil Bogenberger keiner aus der verhärmten Fraktion entrechteter Kampfradler ist, sondern ein lebenslustiger Typ aus Vilshofen, den es nun nach Gmund an den Tegernsee verschlagen hat, vermittelt er den Eindruck, es gebe keine lustigere und befriedigendere Mission, als die, Münchner Verkehrsprobleme zu lösen. Immer auf dem Sprung, immer gute Laune, immer ein gefragter Partner. Sein neuestes Steckenpferd sind die Seilbahnen. "Warum nicht mal etwas ausprobieren", fragt er. "Wir geben so viel Geld für Zeug aus."

Und überhaupt, was heißt schon Verkehrsprobleme? Wenn Bogenberger Vorträge hält, dann beginnt er sie mit ein paar Bildern aus Los Angeles. Dort nämlich gebe es echtes Chaos. "So schlimm ist es in München wirklich nicht." Statt Panik zu machen, erklärt er lieber im Hörsaal auch mal Kindern, wie ein Stau entsteht. Er hängt ihnen Hula-Hoop-Reifen um, lässt sie in einer Reihe laufen und hält vorne plötzlich eines an. Dann wird es hinten eng, und die Kleinen verstehen, warum es bei der Urlaubsreise auch mal länger dauert.

Es ist die Mischung aus kleiner, mitunter spielerischer Arbeit im Detail und dem Einsatz fürs große Ganze, bei dem der Professor recht entschlossen wird. Wir stehen am Olympiapark auf einer der Brücken über den Mittleren Ring und schauen den Autos nach. Bogenberger denkt gerade an den Dieselstreit und daran, dass viele eine blaue Plakette am Auto als Antwort auf das Stickoxidproblem wollen. Er schüttelt den Kopf. "Das ist doch sehr schade, dass man in Zeiten des Smartphones über Aufkleber redet."