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Flughafen München:Air-Dolomiti-Chef will bloß nicht abheben

Air Dolomiti Embraer ERJ 195LR im Flug über verschneiten Bergen Dolomiten Italien Europa iblmmx03

Air Dolomiti, eine Tochtergesellschaft der Lufthansa und die wichtigste Auslandsairline für den Münchner Flughafen, steht unter Wettbewerbsdruck.

(Foto: imago/imagebroker)
  • Der neue Air-Dolomiti-Chef hat große Pläne für die Lufthansa-Tochter.
  • Doch Air Dolomiti spürt die konjunkturelle Schwäche, vor allem in Südeuropa.
  • Die Airline braucht neues Fluggerät, um mehr Strecken bedienen zu können.

Von Marco Völklein

Hinter seinem Schreibtisch hat Jörg Eberhart drei kleine Flugzeugmodelle stehen. Alle in Grün-Weiß gehalten, der Firmenfarbe von Air Dolomiti. Und alle auf einem kleinen Ständer aufgestellt. Eine CRJ 200, ein kleiner Jet aus den Neunzigerjahren für 50 Passagiere. Eine etwas größere BAE 146 mit 100 Plätzen. Und ein moderner Jet vom Typ Embraer J-195. Mit dieser Maschine fliegt Air Dolomiti, die Lufthansa-Tochter aus Italien, derzeit ihre Passagiere in der Gegend herum. "Daneben allerdings", sagt Eberhart und deutet auf die freie Fläche im Regal, "wäre noch Platz für das Nachfolgemodell." Wenn es nach ihm geht, dann beschafft die Fluggesellschaft nicht nur bald mehr Flugzeuge, sondern auch größere Typen mit mehr Sitzplätzen.

Doch derzeit tritt Lufthansa-Tochter eher auf der Stelle statt größere Sprünge zu machen. Ähnlich wie die Muttergesellschaft spürt auch Air Dolomiti die konjunkturelle Schwäche, vor allem in Südeuropa. Und den immensen Wettbewerbsdruck, den vor allem arabische Fluggesellschaften auf die etablierten Europäer ausüben. An ein stärkeres Wachstum in den kommenden Jahren ist bei Air Dolomiti jedenfalls eher nicht zu denken. "Wir müssen zunächst unsere Hausaufgaben erledigen", sagt Eberhart, der das Unternehmen mit seinen 525 Mitarbeitern seit Anfang September führt.

Air Dolomiti Embraer ERJ 195LR im Flug über verschneiten Bergen Dolomiten Italien Europa iblmmx03

Air Dolomiti, eine Tochtergesellschaft der Lufthansa und die wichtigste Auslandsairline für den Münchner Flughafen, steht unter Wettbewerbsdruck.

(Foto: imago/imagebroker)

Wachstum nur in überschaubarem Rahmen

Eberharts Vorgänger hat vorgelegt. Die Flotte von zehn Flugzeugen wurde komplett von alten BAE-146-Maschinen auf moderne Embraer-Jets umgerüstet. Statt 100 Passagieren können die Air-Dolomiti-Crews nun bis zu 120 Fluggäste in den größeren Maschinen mitnehmen. Mehr und mehr fliegt das Unternehmen nicht nur im Auftrag von Lufthansa bestimmte Strecken, vor allem von München nach Italien, sondern trägt auch die komplette wirtschaftliche Verantwortung für einzelne Verbindungen. Die will der neue Chef ausbauen und verstärken, aber alles im überschaubaren Rahmen. Größeres Wachstum oder gar die Beschaffung neuer Maschinen stehen nicht an.

Am liebsten würde er bald neue Flugzeuge anschaffen, doch damit muss sich Jörg Eberhart, seit September Chef von Air Dolomiti, wohl noch gedulden.

(Foto: oh)

Dabei käme das dem Münchner Flughafen gar nicht mal ungelegen. Air Dolomiti ist die - gemessen an der Zahl der Flugbewegungen - drittgrößte Fluggesellschaft im Erdinger Moos. Und noch vor allen anderen die wichtigste Auslandsairline überhaupt. Gemessen an der Anzahl der abgefertigten Passagiere rangiert Air Dolomiti allerdings nur auf Platz fünf. Vor allem als Zubringergesellschaft zu den großen Langstreckenjets der Lufthansa spielt Eberharts Airline eine wichtige Rolle. Viele Geschäftsreisende nutzen Air-Dolomiti-Verbindungen, um von Italien aus über München in die USA oder nach Asien zu jetten. Ähnlich fliegen viele Touristen aus Übersee über München nach Italien. Eberhart will in den nächsten Jahren prüfen, ob sich weitere italienische Ziele, beispielsweise in Apulien oder Kampanien, entwickeln lassen. "Dazu bräuchten wir aber neues Fluggerät", sagt Eberhart.

Doch das wird er so schnell nicht bekommen. Die Lufthansa steht auf der Kostenbremse, hat selbst bereits eine Menge Geld in neue Jets und die Modernisierung der bestehenden Maschinen investiert, um ihre eigene Marke gegen die Angreifer aus dem arabischen Raum zu stärken. Zudem hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr ein Programm namens "Wings" aufgesetzt, mit dem er die Direktverbindungen ausbauen will, die nicht über die beiden Drehkreuze in Frankfurt und München laufen. Gut möglich, sagt Eberhart, dass Air Dolomiti da die eine oder andere Verbindung im Auftrag der Lufthansa abwickeln wird. Noch allerdings sei da "alles offen".

Air Dolomiti bleibt in Terminal 2

Klar ist indes nur, dass Air-Dolomiti-Passagiere auch in Zukunft nicht im neuen Satellitenterminal abfliegen werden, das die Lufthansa und der Flughafen derzeit für 877 Millionen Euro auf dem östlichen Vorfeld errichten. Das soll, wenn es 2015 oder 2016 in Betrieb gehen wird, vor allem einen Vorteil bringen: An 27 neuen Abstellpositionen direkt am Gebäude können die Fluggäste direkt in die Jets einsteigen - das lästige Busfahren übers Rollfeld soll dann in vielen Fällen wegfallen.

Nicht aber bei Air Dolomiti, wie Eberhart einräumt. Denn die Gesellschaft hat sich im Erdgeschoss des Terminals 2 einen eigenen Abfertigungsbereich für die Flüge nach Italien eingerichtet - inklusive italienischer Espresso-Bar. Um die Flugzeuge zu erreichen, müssen Air-Dolomiti-Kunden stets in den Bus steigen. Das wird sich auch künftig nicht ändern - die Fluggesellschaft bleibt in diesem Bereich. Einen Nachteil will Eberhart darin nicht erkennen: Für den Fluggast bleibe es letztlich gleich, ob er im Bus übers Vorfeld rollt, oder erst mit der Mini-U-Bahn vom Terminal 2 ins neue Satellitengebäude fahre, dann die Rolltreppe nach oben nehme und dort noch einige hundert Meter bis zu einem weit abgelegenen Gate laufe. "So schlecht sind unsere Gäste gar nicht bedient mit dem Bus."

© SZ vom 29.12.2014/vewo

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