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Flüchtlinge in Bayern:Neue Unterkunft in Riem

Messegelände Riem

Wo sonst alle drei Jahre die Baumaschinenmesse Bauma stattfindet, sollen bald Container stehen.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Auf das neue Messegelände in Riem sollen Container für Flüchtlinge kommen. Unklar ist aber noch: Wann, wie viele und was für eine Art Unterkunft es werden soll. Und auch die Frage, wie Nachbarn informiert werden, ist nach wie vor offen.

Wo sich alle drei Jahre Kräne und Baumaschinen bestaunen lassen, sollen bald Flüchtlinge leben: Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat dem Freistaat einen Teil des Freigeländes der Neuen Messe in Riem angeboten, um dort Container für Asylbewerber aufzustellen. Im Prinzip, heißt es aus dem Rathaus, seien sich Stadt und Freistaat einig, es müssten nur noch planungsrechtliche Details geklärt werden.

Offenbar soll der Parkplatz genutzt werden; die nächste Bauma findet erst 2016 statt. Die Stadtrats-SPD begrüßt diesen Vorstoß. Offen ist noch, wie viele Plätze dort geschaffen, wann die Container aufgestellt werden, und ob die Anlage als Gemeinschaftsunterkunft oder als weitere Dependance des Erstaufnahmezentrums in der Bayernkaserne dienen wird.

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Diese wird am Freitag wieder geöffnet, nachdem sie seit Mitte August wegen mehrerer Masernfälle geschlossen war. Noch am Freitag sollen an der Heidemannstraße Busse vorfahren, um einen Großteil der 1800 dort einquartierten Asylbewerber in andere Unterkünfte zu bringen: 600 werden innerhalb Oberbayerns verteilt, je 200 nach Schwaben und Niederbayern geschickt; 700 bekommen Zugtickets, um in andere Bundesländer weiter zu reisen.

Laut Florian Schlämmer, Sprecher der Regierung von Oberbayern, werde der Auszug mehrere Tage dauern. Kommende Woche beginnt dann der Einzug neu angekommener Flüchtlinge. Mit der Wiederöffnung sollen auch die Dependancen Funkkaserne und Baierbrunner Straße, die zuletzt für 550 neu angekommene Flüchtlinge als Notschlafstätten dienten, wieder Teil der Erstaufnahme werden.

Striktere Trennung bei der Aufnahme

Das Risiko, dass auch künftig Masernerkrankungen in der Freimanner Massenunterkunft das Unterbringungssystem im Freistaat lahmlegen, hofft man durch eine geringere Belegung der Bayernkaserne zu reduzieren: Künftig sollen laut Schlämmer die gerade angekommenen Asylbewerber in der Kurzaufnahme, wo sie die ersten ein, zwei Nächte verbringen, wieder strikter von den übrigen Bewohnern getrennt werden. Dies sei im August wegen der Überbelegung kaum mehr möglich gewesen.

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Während immer mehr Unterkünfte im Stadtgebiet entstehen, haben das städtische Sozialreferat und die Regierung von Oberbayern noch immer nicht geklärt, wie sie die Nachbarn der Bayernkaserne besser informieren, um Ressentiments und Gerüchte einzudämmen. Anfang August hatte eine Facebook-Gruppe, in der neben Nachbarn anfangs auch Rechtsextreme mitmischten und Stimmung gegen die Flüchtlinge machten, für Unruhe gesorgt. Die Bürgerinitiative Ausländerstopp (BIA) veranstaltet seit Wochen regelmäßig Kundgebungen in Freimann, auf denen gegen Flüchtlinge gehetzt wird.

Zwar hatte Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) vor einem Monat Defizite in der Informationspolitik eingeräumt und etwa eine Anwohnerversammlung angekündigt. Ob diese aber tatsächlich stattfindet, ist unklar. Vor allem in den örtlichen Bezirksausschüssen, heißt es im Sozialreferat, gebe es Bedenken: Rechtsradikale könnten eine solche Veranstaltung als Plattform nutzen.

Auch die Regierung ist unschlüssig, wie sie das Miteinander zwischen Münchnern und Flüchtlingen fördern soll. Man überlege noch, einen "Raum der Begegnung" in der Kaserne zu schaffen, in dem sich Asylbewerber und Münchner treffen; und ob man die Kaserne hin und wieder für Besucher aus der Nachbarschaft öffnet. Sicher sei nur, dass es den Runden Tisch geben soll, der im August kurzfristig abgesagt wurde. Allein, wann sich Behördenvertreter mit Bürgern treffen, sei noch offen.

© SZ vom 11.09.2014/ahem
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