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Feldmoching:Streng vertraulicher Zwischenbericht

Rund 170 Bürger drängen in die Turnhalle an der Georg-Zech-Allee. Dort werden ihnen die fünf Entwürfe präsentiert, die es in die zweite Runde des Architektenwettbewerbs zur Bebauung des Lerchenauer Felds geschafft haben - veröffentlicht werden sie nicht

Vor der Tür hat sich schon eine Schlange gebildet. Eigentlich wollen diese Menschen zu einem Bürgerdialog in die Turnhalle an der Georg-Zech-Allee, aber der Einlass erinnert an den Security-Check am Flughafen: Lichtbildkontrolle, Unterschrift auf einer Liste, daneben erläutert eine adrett gekleidete Dame die "Spielregeln" für den Abend. Fotos und Filmaufnahmen sind strengstens verboten, Stillschweigen muss gewahrt werden. Die Veranstaltung ist zwar öffentlich, aber der Inhalt ist streng vertraulich.

Vorgestellt werden architektonische Arbeiten aus einem städtebaulichen Wettbewerb, der über die Gestalt der künftigen Neubausiedlung auf dem nahegelegenen Lerchenauer Feld entscheidet. Es ist ein Zwischenstand: Präsentiert werden fünf Arbeiten, die es in die zweite Runde des Wettbewerbs geschafft haben. Weil die Architekten danach ihre Entwürfe nochmals überarbeiten, dürfen die einzelnen Entwürfe nicht an die Öffentlichkeit gelangen. So wollen die Veranstalter vermeiden, dass sich die konkurrierenden Büros gegenseitig die Ideen stehlen oder das Preisgericht beeinflusst wird. Denn diese Jury wählt erst im Oktober den endgültigen Sieger.

Das neue Baugebiet Lerchenauer Feld weist beeindruckende Dimensionen auf.

(Foto: Jerzy Sobotta)

Daher fehlen an dem Abend auch diejenigen, die letztlich entscheiden: Die Vertreter der Investoren von der Bayerische Hausbau und der Concept Bau, Stadtbaurätin Elisabeth Merk sowie die Stadträte, die im Preisgericht sitzen. Etwa die Hälfte des Lerchenauer Felds - früher wurde das Bauprojekt Bergwachtsiedlung genannt - ist im Eigentum der Stadt.

Gekommen sind rund 170 Bürger, vorwiegend aus der Nachbarschaft und Lokalpolitiker aus Feldmoching und dem Hasenbergl. Vor den fünf Architekturmodellen, die in der Turnhalle verteilt sind, bilden sich sogleich Trauben von Menschen. Mit Holz, Pappe und Miniaturbäumchen haben die Architekten ihre Ideen für die künftige Bebauung des Viertels dargestellt. Die Vorgaben lauteten: mindestens 1600 Wohnungen in unterschiedlichen Wohngrößen, ein Schulcampus im Süden, samt Gymnasium, eine neue Grundschule, zwei Sporthallen und ein Hallenbad. Außerdem sind fünf Kitas, ein Nachbarschaftstreff, Jugendhaus, und eine Pflegeeinrichtung auf dem Gelände verteilt. Im Zentrum befindet sich auf allen Entwürfen ein Grünzug, hinzu kommen mal größere, mal kleinere Grünflächen zwischen den Häusern oder Hofanlagen nach Gusto der Architekten. Manche Entwürfe zeigen bis zu achtstöckige Gebäude mit Freiflächen, andere niedrigere Häuser in dichterer Bebauung. Über die einzelnen Entwurfsideen werden die Bürger nur stichpunktartig informiert. Mehr Auskunft sollen die Mitarbeiter eines eigens für den Bürger-Workshop engagierten Stadtplanungsbüros geben. Sie stehen vor den Modellen und behelfen sich mit Spickzetteln und dem Beschreibungstext. Schließlich sind sie nicht die Architekten.

Unklar ist, wie stark die Wünsche eines ersten Bürger-Workshops in die Planungen eingeflossen sind, der bereits Anfang Februar stattgefunden hatte. Zwar sind die damaligen Anregungen der Bürger gut dokumentiert und auf der Website der Wohn Park Lechenauer Feld GmbH und Co. KG einzusehen. Doch die Architekten haben freie Hand. Die Deutungshoheit über den Bürgerwillen obliegt letztlich dem Preisgericht. Das muss entscheiden, ob und wie stark es diese Anregungen bei der Siegerkür im Herbst berücksichtigt.

Groß war auchwieder das Interesse der Bürgeran den Plänen.

(Foto: privat)

Die größte Sorge galt damals wie heute ohnehin dem Verkehr, mangelnden Parkplätzen und den umliegenden Bahnschranken. Alles Punkte, auf die die Architekten und Stadtplaner keinen Einfluss haben. Deutlich erkennbar ist hingegen, dass die Bebauung in Richtung Norden in den meisten Entwürfen flacher wird und sich dadurch schrittweise an die Nachbarhäuser anpasst.

Eine Anwohnerin ist dennoch skeptisch: "Ich sehe nicht, dass die Wünsche der Bürger umgesetzt wurden." Sie hatte im Februar ihre Sorge um das Stadtklima und über die dichte Bebauung geäußert. "Wind kommt da keiner mehr durch", sagt ein Mann, während er auf eines der Holzmodelle zeigt. Ein junges Pärchen aus der Nachbarschaft hingegen winkt ab. Die beiden hören einer Mitarbeiterin zu, die von einer Stellplatz-App erzählt, mit der sich die künftigen Bewohner die Parkplätze teilen sollen, wenn sie im Urlaub sind. Ihnen gefallen die Modelle gut.

Auch diesmal sollen die Besucher ihre Anregungen auf Kärtchen schreiben und an einer der drei thematischen Wände zu Verkehr, Städtebau oder Grün- und Freiräume abheften. Schnell füllt sich die Wand: "ÖPNV-Trasse im Süden festhalten", "Straßen zu eng", "Bebauung zur Mitte hin höher", steht darauf geschrieben. Andere Zettel fordern Fotovoltaikanlagen, Gemeinschaftsgärten, eine Realschule, ein Kino, Supermärkte oder Biergärten.

Auch Kommunalpolitiker aus dem Stadtbezirk sind gekommen. Reinhard Bauer (SPD) begrüßt die Veranstaltung: "Es herrscht reges Interesse, und die Diskussionen sind sehr sachlich". Christine Lissner (Grüne) hingegen hätte sich mehr Informationen als Grundlage für eine Diskussion gewünscht. Außerdem bemängelt sie, dass frühere Forderungen des Bezirksausschusses Feldmoching-Hasenbergl komplett ignoriert worden seien: "Maximal drei Stockwerke zum Beispiel. Da gibt es keinen einzelnen Entwurf", klagt sie.

Das Lerchenauer Feld als Modell.

(Foto: privat)

Auch diesmal werden die Zettel mit den Anregungen wieder thematisch gruppiert, fotografiert, aufbereitet und im Anschluss an die Architekturbüros verteilt. Und auch diesmal bleibt unklar, welchen Wert die Architekten diesen Anregungen beimessen werden. Und welchen sie ihnen beimessen sollen. Zeigen wird sich das erst gegen Ende des Jahres, wenn die Bauherren den Bürgern einen Siegerentwurf präsentieren. Auf dieser Grundlage wird dann im kommenden Jahr das neue Quartier geplant.