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Feldmoching/Lerchenau:"Es ist eine Frechheit"

Klare Signale: Immer mehr Stadtviertel wehren sich dagegen, dass bei ihnen der Ersatzkraftwerke für den Kohleblock des HKW-Nord entsteht.

(Foto: Robert Haas)

Feldmoching-Hasenbergl wehrt sich vehement gegen den Plan der Stadtwerke, ein dezentrales Gasheizwerk zu errichten

Seit mehreren Wochen ziehen zwei leitende Mitarbeiter der Stadtwerke München (SWM) von Bezirksausschuss zu Bezirksausschuss und stellen die Überlegungen der SWM vor, an fünf bis sieben Standorten in ganz München dezentrale Gasheizwerke zu bauen. Dieser Plan ist nach Ansicht der SWM eine von zwei Optionen, wie die Wärmeversorgung in der Stadt erhalten bleiben würde, wenn Ende 2022 der Kohleblock im Heizkraftwerk Nord abgeschaltet wird. Das Feedback der Lokalpolitiker fiel durchweg negativ aus, "auf keinen Fall" hieß es zum Beispiel zu einem Standort in Schwabing-West, und in diese Serie an Zurückweisungen reiht sich nun auch Feldmoching-Hasenbergl ein. "Diesen Gau wollen wir eigentlich nicht", sagte CSU-Fraktionssprecher Max Bauer in der jüngsten BA-Sitzung, noch deutlicher wurde Manuela Massaquoi (SPD): "Es ist eine Frechheit, mitten im Wohngebiet zu bauen."

Zwei Adressen halten die Stadtwerke in Feldmoching-Hasenbergl als Gasheizwerk-Standorte für geeignet: eine Grünfläche im Gewerbegebiet der Lerchenau, nördlich des Wertstoffhofes, und eine zweite Grünfläche auf der südlichen Seite der Dülferstraße in Feldmoching, genau neben der Bahnstrecke und nahe Einfamilienhäusern - just in dem Abschnitt, wo ein Teil des von der CA Immo geplanten neuen Wohnbaugebietes liegt. Die CA Immo ist davon überrascht und bezweifelt, dass dieser Standort genehmigungsfähig ist. Neben der Option dezentraler Werke überlegen die SWM auch, in Unterföhring eine neue Anlage zu bauen. Beide Fälle haben einen Vorlauf mit Planung und Genehmigung, weshalb sich die Stadtwerke unter erheblichem Zeitdruck sehen, erklärte Thomas Prein vom Büro des technischen Geschäftsführers der SWM dem Stadtviertel-Gremium.

Aus den Antworten auf die Fragen der BA-Mitglieder stellte sich aber heraus: Die SWM überlegen ohnehin schon seit dem Vorjahr, wie sie die neuen Wohnquartiere in Feldmoching mit Fernwärme versorgen könnten. Ob die Investoren und Mieter das wollen, ist noch offen, dennoch gilt: Die SWM könnten zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und wollen das auch.

Werner Rühle ist bei den Stadtwerken für die Anlagenkonzeption verantwortlich, ihm zufolge werde ein Heizwerk imStadtbezirk sofort ans Fernwärmenetz angeschlossen, sollte es mit Bezug zum Kohleblock entstehen. Normalerweise arbeite das Unternehmen mit einer provisorischen Wärmeversorgung, zum Beispiel in Containern, und knüpfe ein Neubaugebiet nach und nach an das Hauptnetz an, bis das Provisorium hinfällig wird.

Der BA-Vorsitzende Markus Auerbach (SPD) sagte zu diesen Überlegungen: "Das einzige Motiv der SWM ist: Sie wollen ins Geschäft kommen. Es ist noch gar nicht klar, ob sie die Genehmigung bekommen. Es wird ein Entscheidungsdruck aufgebaut, der so nicht besteht." Die SWM-Vertreter wiederholten, man müsse schon jetzt Ersatz für den Kohleblock finden. Den Einwand von Christine Lissner (Grüne), für die Neubaugebiete dezentrale Blockheizkraftwerke zu verwenden, lehnte Werner Rühle ab: "Die haben größere Emissionen und müssen 6000 Stunden im Jahr laufen, um rentabel zu sein." Sie seien auch problemanfälliger, vor allem im Winter.

Thomas Prein hielt zuletzt fest: "Es ist keineswegs ausgemacht, dass zwei Standorte hier errichtet werden sollen." Das Fazit des Vorsitzenden Auerbach: "Sie sollten noch mal in sich gehen, die Standort-Liste hat durchaus Potenzial zur Streichung. Was Sie vorhaben, gehört in die Mitte eines Industriestandortes." Falls die Stadtwerke deshalb auf dezentrale Standorte setzten, weil sie befürchteten, in Unterföhring auf Widerstand zu stoßen, sollten sie wissen, dass ihnen das auch in Feldmoching-Hasenbergl bevorstehe. "Ich sehe hier Gesichter, die auf Kriegskassen im fünfstelligen Bereich hocken", sagte Auerbach. Prein: "Soll ich dazu noch etwas sagen?" Gelächter beider Herren.