Feldmoching/Hasenbergl Einmal im Rampenlicht stehen

Bei den Kulturtagen gehört die Bühne nicht nur bekannten Künstlern, sondern auch vielen Akteuren aus dem Viertel

Von Jerzy Sobotta und Jutta Czeguhn, Feldmoching/Hasenbergl

Nicht nur lokale Berühmtheiten und bekannte Kabarettisten stehen auf der Bühne bei den Kulturtagen im Stadtbezirk vom 10. bis zum 12. Mai. In vielen kleinen Cafés, Jugendhäusern, Seniorenzentren und Stadtteiltreffs zeigen auch diejenigen ihre Talente, die sonst nicht im Rampenlicht stehen. Denn die Kulturtage sind für all die Kleinkünstler, Hobby-Historiker, Aktivisten und Stadtteilinitiativen eine gute Gelegenheit, um der Nachbarschaft zu zeigen, wie viel Herzblut und Leidenschaft in den lokalen Gruppen steckt.

Mittelpunkt der Kulturtage ist das Kulturzentrum 2411 an der Blodigstraße 4 im Hasenbergl. Dort tritt am Freitagabend, 19.30 Uhr, das Musik-Comedy-Duo "Mark 'n' Simon" auf. Es besteht aus einem Waliser und einem Iren, die seit mittlerweile 40 Jahren zusammen durch ganz Deutschland touren. Sie versprechen "High-Speed-Rock-Pop-Kabarett", in dem sich Klamauk und Nonsens mit geistreichem Wortwitz verbinden. Ebenfalls musikalisch setzt der Münchner Krimibuchautor Michael Gerwien in der Stadtbibliothek Hasenbergl die humorvollsten und bayerischsten Stellen seiner Bücher in Szene. Wer sich lieber über ernstere Themen unterhalten will, kann die Caritas in der Nordheide besuchen. Dort werden am Freitag von 18 Uhr an der Film "Deutschland - mehr als ein Einwanderland" und der Kurzfilm "Die Herberge" im Beisein der Regisseurin und Autorin Ysabel Fantou vorgeführt. Der Kurzfilm basiert auf einer wahren Begebenheit, in der ein schwäbisches Ehepaar beim Wandern unbemerkt in einer Flüchtlingsunterkunft einkehrt. Er erregte 2017 deutschlandweit Aufsehen und gewann zahlreiche Auszeichnungen.

Auch das Leben und Leiden Jesu wird bei den Kulturtagen thematisiert.

(Foto: Verleih)

Kino gibt es auch in der Evangeliumskirche, und zwar aus der Zeit, als die Bilder laufen lernten. Am Freitag, 10. Mai, ist im Gotteshaus am Stanigplatz der Stummfilm "La vie et la passion de Jésus Christ" aus dem Jahr 1903 zu sehen. Gedreht wurde dieser frühe Sandalenfilm mit großem Aufwand über drei Jahre von den Franzosen Ferdinand Zecca und Lucien Nonguet. Die Zuschauer erwartet in der Kirche ein beinahe theatralisches Filmerlebnis, steht doch die Kamera in jeder der Szenen frontal und unbeweglich zum Geschehen, das sich wie auf einer Bühne vor ihr entfaltet. Verstärkt wird dieser Theater-Effekt dadurch, dass es den Veranstaltern gelungen ist, den italienischen Organisten Paolo Oreni zu verpflichten, der den Stummfilm mit seinen Improvisationen live untermalen wird mit Musik und Geräuschen. Da macht die Orgel die Hufe der Pferde hörbar, mit denen die römischen Soldaten herantraben, da vibriert die jubelnde Masse bei Jesus' Einzug in Jerusalem, da wird akustisch die Last des Kreuzes spürbar, unter dem Christus auf dem Weg nach Golgatha zusammenbricht. Der Film startet in der Evangeliumskirche um 21.30 Uhr, zuvor um 20.15 Uhr spielt die ebenfalls aus Italien stammende Organistin Sara Musumeci Werke von Bach, Reger und Demessieux. Der Eintritt zu beiden Veranstaltungen in der Kirche ist frei.

Freunde der Folklore können, ebenfalls am Freitag, um 18.30 Uhr in der Lerchenauer Gaststätte Eschengarten bayerischem Volkstanz oder am Samstag von 14 Uhr an vor dem Kulturzentrum 2411 serbischen und ungarischen Tänzen zusehen. Danach geht es dort mit Blues, Rock und einer jungen Hip-Hop-Tanzgruppe weiter, abends mit kubanischer Musik vom Quinteto Wawancó. Die Lerchenau feiert am Samstag um 19 Uhr ihr 100-jähriges Bestehen mit einem Konzert des Schauspielers und Entertainers Christian K. Schaeffer: Er singt im Pfarrsaal von Sankt Agnes, in Smoking und gesteiftem Kragen, Evergreens von Frank Sinatra und Dean Martin.

Im Programm der Kulturtage am kommenden Wochenende findet sich unter anderem ein Kinderstück über Bauer Kruse und seine Schweine.

(Foto: Privat)

Auch Kinder können sich das ganze Wochenende viele Veranstaltungen anschauen. Am Sonntag etwa zeigt das Buchfink-Theater um 13 Uhr im 2411 die Geschichte "Josephine und Parcival", in der es um Bauer Kruse und seine Schweine geht. Nachmittags folgt das bayerische Aschenputtel mit musikalischer Untermalung von Stefan Murr und Heinz-Josef Braun.

Wer mehr über die Stadtteile im Norden erfahren will, schließt sich einer der vielen Führungen von Stadtteil- und Hobby-Historikern durch die Siedlung Ludwigsfeld oder das Hasenbergl an. Außerdem organisiert der Landesbund für Vogelschutz eine naturkundliche Führung durch das naturbelassene Biotop des Virginia-Depots. Und den vom Abriss bedrohten Eggarten stellt Martin Schreck vor, ein Aktivist, der für die Erhaltung des Quartiers kämpft.

Alle Veranstaltungen sind kostenfrei, Tickets oder Reservierungen gibt es nicht. Ausführliche Informationen, eine Liste der Spielorte und Teilnehmer unter: www.kulturtage-muenchen.de