bedeckt München 18°

Feier zur deutschen Einheit:Einigkeit und Recht und Party

Das Oktoberfest ist nicht genug: In diesem Jahr richtet München auch noch das Fest zur deutschen Einheit aus - parallel zur Wiesn. Dafür haben sich die Organisatoren einiges vorgenommen. Nur die Anwohner der Maxvorstadt dürften von den Plänen gar nicht begeistert sein.

Christian Krügel

Während der Wiesn ist München immer im Ausnahmezustand. In diesem Jahr dürfte das aber weit über das bekannte Maß hinaus gehen. Denn parallel zum Oktoberfest richtet die bayerische Staatskanzlei das zentrale Fest zur Deutschen Einheit aus - das zu einer Mega-Party werden soll.

Siegestor beim Streetlife-Festival 2004

Das Siegestor hat schon viele Feiern gesehen. Dieses Jahr könnte eine der größten sein.

(Foto: Rumpf)

Neben der gesamten politischen Führung der Republik und 1500 offiziellen Gästen sollen eine halbe Million Besucher zwischen Siegestor und Odeonsplatz feiern. Die Ludwigstraße muss deshalb fast sieben Tage lang komplett gesperrt werden.

Jedes Jahr gibt es am Nationalfeiertag ein zentrales Fest mit Staatsakt. Ausrichter ist stets das Bundesland, das gerade den Vorsitz im Bundesrat hat. Derzeit ist das Bayern, und Bundesratspräsident Horst Seehofer will sich als Gastgeber nicht lumpen lassen. Offiziell heißt es in der Staatskanzlei, man gehe derzeit von Kosten "im niedrigen siebenstelligen Bereich" aus. Im Nachtragshaushalt findet sich für das Fest ein Posten von 2,2 Millionen Euro - nicht eingerechnet mögliche Sponsorengelder in kleinerem Umfang und Sachspenden.

Das geplante Programm für den Nationalfeiertag ist aber auch aufwendig: Am Mittwoch, 3. Oktober, soll es zunächst in Sankt Michael einen ökumenischen Gottesdienst geben. Der Festakt ist für mittags im Nationaltheater geplant. Bundestagspräsident Norbert Lammert wird reden, musikalisch umrahmt vom Bayerischen Staatsorchester unter Kent Nagano. Danach soll sich die versammelte Staatsspitze unters feiernde Volk am Odeonsplatz begeben.

Nach den Planungen der Staatskanzlei beginnt dort die Sause aber schon am Dienstag, 2. Oktober. "Es wird ein vielfarbiges, attraktives Deutschlandfest in weiß-blau, und ganz Deutschland ist eingeladen", heißt es im Konzeptpapier der Agentur Compactteam. Die Berliner sind Spezialisten für die Planung von Großereignissen - sie wären unter anderem für die Eröffnungsfeier des Hauptstadtflughafens verantwortlich gewesen.

Wichtigster Part ihres Konzepts für München ist eine "Ländermeile" auf der Ludwigstraße. In Zelten sollen sich alle Bundesländer präsentieren, mit kulturellen und kulinarischen Angeboten und viel Werbung für die eigene Region. Aber auch alle anderen Verfassungsorgane sollen vertreten sein.

Staatkanzlei rechnet mit Unmut bei Anwohnern

Natürlich die Staatsregierung, der Landtag mit eigenen Zelten vor dem Innenministerium, die bayerischen Bezirke im Kaiserhof der Residenz, Bundesregierung und Bundesrat im Hofgarten vor dem Herkulessaal. Dazu kommen Showbühnen am Odeonsplatz und Siegestor, ein Sportfest an der Uni, ein Kinderfest auf der Wiese vor der Staatskanzlei.

So viel Party braucht viel Vorlauf, deshalb müssen die Münchner mit etlichen Behinderungen rechnen. Die Ludwigstraße soll von Freitag, 28. September, 14 Uhr, bis Donnerstag, 4. Oktober, Mitternacht komplett gesperrt werden. Anlieger dürfen zwar teilweise noch anfahren. Trotzdem rechnet die Staatskanzlei mit erheblichem Unmut. Deshalb werde deren Chef Thomas Kreuzer in einem Brief an die Anwohner um Verständnis werben, so Pressesprecher Michael Schwald.

Vieles ist noch ungeklärt, zum Beispiel wie für die Sicherheit der Staatsspitze gesorgt werden kann. Merkel, Gauck und Co. sollen nämlich zu Fuß von der Michaelskirche zur Oper gehen. Klar ist, dass auch auf die Stadt Kosten zukommen: Am Dienstag genehmigten die Stadträte 300 000 Euro. Damit sollen unter anderem Wasser und Straßenreinigung bezahlt werden - und ein besonderes Gastgeschenk. Am Nachmittag des 3. Oktober dürfen aus jedem Bundesland 15 Bürger ins Schottenhamel-Zelt - es ist ja auch noch Wiesn.

© SZ vom 27.07.2012/naun
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema