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Expressbusse in München:Schnell, aber "pure Geldverschwendung"

Vom Max-Weber-Platz zum Partnachplatz: Der Expressbus X30.

Expressbus X30 vom Max-Weber-Platz zum Partnachplatz.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Der Expressbus soll die Münchner Ubahn entlasten, 9000 Fahrgäste nutzen täglich die Linie X30.
  • Verbände fordern mehr Verbindungen am Stadtrand, etwa in Pasing oder Großhadern.
  • Der Modellversuch läuft noch ein Jahr, ist er erfolgreich könne laut MVG über weitere Strecken gesprochen werden.

Wenn es nach Berthold Maier vom Arbeitskreis Attraktiver Nahverkehr (AAN) geht, dann sollten Expressbusse noch viel häufiger durch die Stadt fahren. Die Linie X 30, die seit etwas mehr als einem Jahr vom Max-Weber-Platz über Ostbahnhof, Candidplatz und Harras zum Partnachplatz führt, sei ein wichtiger erster Schritt. Weitere müssten folgen, um das Münchner Nahverkehrsnetz, das seit jeher aufs Zentrum ausgerichtet ist, mit neuen Tangentiallinien an den Rändern zu erweitern. Maier sähe es gern, wenn etwa Expressbusse Fürstenried mit Großhadern, der Blumenau und Pasing verbinden würden.

Ähnlich sieht es Andreas Barth: "Die Politik konzentriert sich auf singuläre, teure Projekte", sagt der Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn. Besser wäre es, die Tangentialen auszubauen, etwa mit neuen Tramlinien wie der geplanten Trasse durch den Englischen Garten oder die Strecke durch die Fürstenrieder Straße. Bei beiden Projekten aber steht nicht nur aus Sicht von AAN-Vertreter Maier die schwarz-rote Rathauskoalition auf der Bremse. "Daher ist es erfreulich", so Maier, "dass die MVG quasi im Alleingang eine Tangente realisiert" - nämlich die im Südosten mit dem X-30-Bus.

Laut Pro-Bahn-Vertreter Barth könnte die MVG im Nordwesten etwas ähnliches machen und den 153er-Bus zu einem Expressbus ausbauen, der dann den U-Bahnhof Universität über Lothstraße und Donnersbergerbrücke mit der Station am Heimeranplatz verbindet. Zu solchen konkreten Vorschlägen aber wollen sich die Planer der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) noch nicht äußern. Denn noch läuft der auf mindestens zwei Jahre angesetzte Großversuch mit dem X-30-Bus. Und erst wenn der gut ankommt bei den Fahrgästen, heißt es bei der MVG, könne man über weitere Expressstrecken reden.

Der Expressbus zeichnet sich dadurch aus, dass er ausschließlich U- und S-Bahn-Stationen sowie Haltepunkte der Trambahn miteinander verbindet. Die Busse stoppen nur an diesen Stationen; alle anderen Haltestellen lassen sie aus. Dadurch verkürzt sich die Reisezeit. Die MVG hofft, Fahrgäste so von der U-Bahn auf die Expressbusse zu locken. Die überfüllten Züge und Bahnhöfe im Untergrund könnten so entlastet werden.

Linie X30 ist "pure Geldverschwendung"

Dieses Ziel habe man bislang auch erreicht, sagt MVG-Sprecher Matthias Korte. Die Zahl der X-30-Fahrgäste habe sich von anfangs 7000 auf etwa 9000 Einsteiger pro Tag verbessert. Die größte Nachfrage gebe es zwischen Tegernseer Landstraße und Candidplatz. Und bei einer Befragung habe sich gezeigt, dass etwa jeder vierte Fahrgast den Expressbus statt der U-Bahn nutze - somit sei auch der gewünschte Entlastungseffekt in der U-Bahn eingetreten. Im zweiten Halbjahr, sagt Korte, werde die MVG zudem eine Werbekampagne starten, um noch mehr Nutzer auf das relativ junge Angebot aufmerksam zu machen.

Es gibt aber auch kritische Stimmen: Als "pure Geldverschwendung" geißelt etwa Andreas Nagel von der Aktion Münchner Fahrgäste die Linie X 30. Die eng getakteten Busse könnte die MVG besser im Norden zwischen Moosach und Johanneskirchen einsetzen. Auch AAN-Vertreter Maier sieht noch Verbesserungspotenzial: Wichtig sei es vor allem, die Expressbusse zu "echten Schnellbussen" zu machen - indem sie an Ampeln bevorrechtigt werden und die Stadt ihnen separate Fahrspuren zuweist, auch indem bestehende Autofahrspuren in Busspuren umgewandelt werden.

Bislang nämlich komme es insbesondere im Berufsverkehr immer wieder zu Verspätungen, kritisiert Wolfram Liebscher vom Verkehrsclub Deutschland (VCD): "Mitunter fahren sogar zwei oder drei Busse im Rudel." Die Fahrgastvertreter sind sich einig: Expressbusse "können allenfalls eine Notlösung" sein, um akute Engpässe zu lindern, sagt Pro-Bahn-Mann Barth. Besser seien neue Tramstrecken, um die Tangentiallinien zu bedienen. "An die aber", sagt AAN-Vertreter Maier, "wagt sich derzeit im Rathaus keiner ran."

© SZ vom 20.01.2015/angu
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