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MVG-Expressbusse:Schnell und leer

Vom Max-Weber-Platz zum Partnachplatz: Der Expressbus X30.

Vom Max-Weber-Platz zum Partnachplatz: Der Expressbus X30.

(Foto: Stephan Rumpf)

"Ich hab doch den Halteknopf gedrückt - warum hält der nicht?" Die neue Express-Linie X30 wird bislang kaum genutzt und sorgt bei manchem Fahrgast für Verwirrung. Dabei sind die Busse mitunter bequemer als die U-Bahn.

Den Begriff "Expressbus" nimmt der Fahrer des Wagens mit der Nummer 5427 offenbar wörtlich. Als er in der Einsteinstraße sieht, dass sich im abendlichen Berufsverkehr die Autos stauen, reißt er an der Ecke zur Flurstraße das Lenkrad herum - und rauscht durch die Flur- und die Elsässer Straße direkt zum Ostbahnhof. Laut dem Verkehrslinienplan der MVG sollte der Fahrer eigentlich einen Schlenker fahren über Grillparzer- und Orleansstraße. Dort aber ist jetzt zu viel Verkehr. Also kürzt er ab. Mitten durch die Haidhauser Wohnstraßen. Wichtig ist: Nur keine Zeit verlieren.

Seit Mitte Dezember bietet die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) ein neues Produkt an: Die Expressbus-Linie X30 soll Haidhausen mit Giesing und Sendling verbinden. Die X30-Busse halten nur an den großen S- und U-Bahn-Stationen sowie an einigen Trambahnhaltestellen. An den anderen Haltestellen dazwischen rauschen die Expressbusse ohne Stopp vorbei.

Das führt beim ein oder anderen Fahrgast auch zu Verwirrung: Als zum Beispiel am Candidplatz eine junge Frau im letzten Moment in den Bus hineinhüpft, ist sie kurz darauf leicht verwirrt, als der Fahrer an der Haltestelle Gerhardstraße vorbeidonnert. "Ich hab doch den Halteknopf gedrückt - warum hält der nicht?", fragt sie.

In Berlin gibt es schon seit mehr als 20 Jahren Expressbusse

Das Problem ist: Sie hat den neuen X30er mit der Linie 54 verwechselt. Der 54er hätte an der Gerhardstraße gehalten. Nun muss sie von der Brudermühlstraße aus erst wieder zurück über die Isar fahren, um doch noch nach Hause zu kommen. "Dass es jetzt auch Expressbusse gibt, hab ich noch nicht mitbekommen", sagt sie. In Berlin gibt es solche Busse schon seit mehr als 20 Jahren. Nun kommt auch München langsam drauf.

Sehr langsam offenbar. Denn in den X30-Bussen herrscht bislang noch nicht wirklich drangvolle Enge. Ganz im Gegenteil. Mitunter finden sich selbst im nachmittäglichen Berufsverkehr kaum mehr als ein Dutzend Fahrgäste in den Gelenkbussen ein, die eigentlich Platz für etwa 100 Fahrgäste bieten würden. Auch die MVG räumt ein, dass in den ersten Wochen die Busse "nur mäßig frequentiert" waren; mittlerweile aber würden "bei Stichproben deutlich zunehmende Fahrgastzahlen registriert". Ohnehin geht MVG-Chef Herbert König davon aus, dass es "gut und gerne zwei Jahre dauert, bis sich ein völlig neues Angebot etabliert". Das habe sich auch beim 100er-Bus gezeigt, den der Verkehrsbetrieb vor ein paar Jahren als Museumslinie gestartet hatte.

Überrascht sind die MVG-Planer allerdings nach eigener Auskunft darüber, dass "von den Fahrgästen in Zuschriften und an der Hotline auch Lob für das neue Angebot" kommt. In der Tat ist die neue Linie als Tangentenverbindung zwischen den Stadtvierteln gedacht, um den Fahrgästen den nervigen Umweg über die Innenstadt zu ersparen.

Aus dem X30 könnte mittelfristig eine Art Ringlinie werden

Das kommt offenbar bei denen, die das neue Angebot schon kennen, ganz gut an: Frank Mertler zum Beispiel steigt an diesem Spätnachmittag am Partnachplatz zu. Er fährt mittlerweile fast täglich mit dem X30er, um von seiner Wohnung in Obergiesing zu seinem Arbeitsplatz in der Nähe des Westparks zu gelangen - und abends wieder zurück. "Bislang musste ich immer umständlich am Sendlinger Tor umsteigen", erzählt er. "Jetzt fahre ich direkt." Und: "Die ständig überfüllte U-Bahn meide ich so auch noch."

Man könnte daher fragen, wann die MVG die Idee der Expressbusse auch auf andere Stadtviertel überträgt - oder den X30er gar zu einer Art Ringlinie ausbaut, etwa mit Verlängerungen nach Nord-Westen oder Nord-Osten? In den Bezirksausschüssen von Pasing oder Perlach-Ramersdorf wurden solche Fragen schon gestellt. Für die MVG aber sind solche Überlegungen derzeit "kein Thema", wie es bei dem städtischen Verkehrsunternehmen heißt. Erst nach einer "angemessenen Anlaufphase" lasse sich abschätzen, ob weitere Expressverbindungen sinnvoll seien.

Ähnlich sieht es der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV), der für den Busverkehr in den Landkreisen rund um München zuständig ist. Zwar gebe es bereits einige Buslinien mit "Schnellbus-Charakter", heißt es beim MVV - etwa die Linie 411 von Glonn im Landkreis Ebersberg nach Neuperlach. Ein "Bus-Rapid-Transit"-Netz, wie in anderen Regionen, existiert nicht. Derzeit lasse man aber Gutachten dazu erstellen

© SZ vom 03.02.2014/tba
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