Erster Abschnitt Neue Hallen für die Hüter des Geldes

Der erste Verwaltungsbau für den neuen Steuercampus ist fertig. Hier ein Blick in den Innenhof.

(Foto: Robert Haas)

In München arbeitet Deutschlands größtes Finanzamt. Nun zieht es Zug um Zug in einen gewaltigen Steuercampus

Von Alfred Dürr

Es geht sichtbar voran mit dem neuen Steuercampus auf dem Areal zwischen Deroy-, Mars- und Arnulfstraße. Dienststellen, die bisher über das Stadtgebiet verstreut waren, werden an einem zentralen Ort zusammengelegt. Der erste von sechs geplanten Komplexen kann jetzt bezogen werden. Der Bau bietet Platz für rund 800 Mitarbeiter der Finanzverwaltung. Zug um Zug verschwinden die anderen umliegenden Verwaltungsgebäude, die zum Großteil aus den Sechzigerjahren stammen, und machen in zeitlich gestaffelten Bauabschnitten modernen Häusern Platz. Bis dieses Finanzamt-Quartier vollständig fertig ist, können allerdings noch gut 20 Jahre vergehen.

Das Startsignal für das Mammutprojekts erfolgte bereits 2008. Damals gewannen die Büros Bär, Stadelmann, Stöcker sowie die Landschaftsarchitekten WGF - beide kommen aus Nürnberg - den Realisierungswettbewerb. Fünf Verwaltungsgebäude gruppieren sich dabei um das Servicezentrum für die Bürger, das ebenfalls neu gebaut wird. Im Westen des Areals entsteht ein öffentlich zugänglicher Park.

Doch es sind einige Jahre vergangen, bis sich überhaupt etwas bei der Modernisierung des Geländes gerührt hat. Zwischenzeitlich sah es sogar nach einem Ende für das ehrgeizige Projekt aus. Manche Haushaltspolitiker im Landtag warfen die Frage auf, ob sich die Investition von mehreren Hundert Millionen Euro überhaupt lohne. Diskutiert wurde auch, ob man nicht einzelne Abteilungen der Finanzverwaltung in verschiedene Regionen Bayerns verlagern könne. Schließlich verkündete der damalige Finanzminister Markus Söder (CSU), dass der neue Campus in München wirtschaftlicher sei als andere Lösungen.

Bei der Eröffnung des ersten Gebäudes hob Finanz- und Heimatminister Albert Führacker (CSU) am Dienstag hervor, dass das Finanzamt München nicht nur das größte Finanzamt Deutschlands sei. Es erwirtschafte auch 36 Milliarden Euro - was rund ein Drittel des bayerischen Steueraufkommens sei. Das Projekt ist für ihn ein "großer Schritt in die Zukunft". Es bringt mit den neuen Grünflächen auch der Nachbarschaft etwas, sagte der Minister: "Wo kann man sich besser erholen als in der Nähe eines Finanzamts?"

Durch die Zusammenlegung der Dienststellen werden zudem hochwertige staatseigene Grundstücke in München frei und können zum Beispiel für den Wohnungsbau genutzt werden. Und das in sehr guten Lagen, etwa an der Karl-, der Winzerer-, der Prinz-Ludwig-Straße oder an der Seidl- und der Augustenstraße.

Finanzamt-Chef Hans-Hubert Szymanski freute sich über das "Bekenntnis zum Standort München". Das jetzt fertiggestellte Gebäude sei kein abweisender Behördenkoloss; es füge sich mit den "warmen Farbtönen an der Fassade" selbstbewusst, aber nicht auftrumpfend in die Umgebung ein. Die Architekten haben die Hülle mit Klinkern in verschiedenen Grau-Schattierungen gestaltet, was ein freundliches Erscheinungsbild ergibt. Innen schaffen sie eine angenehme Atmosphäre mit einer Kombination aus Sichtbeton und hellem Holz. Bauministerin Ilse Aigner (CSU) lobte das innovative Energiekonzept. Erstmals sei nämlich ein Neubau dieser Größenordnung für die Staatsverwaltung im Passivhaus-Standard errichtet worden.