bedeckt München 14°

Ermittlungen wegen Körperverletzung:Der Sprayer hat eine andere Version

Lukas P. berichtet eine andere Version: Als der Wagen neben ihm gestoppt habe, sei er sofort weggelaufen, ohne zu wissen, dass der Fahrer ein Polizist war. Am Ende der Sackgasse habe er über einen Zaun klettern wollen. Da sei er, etwa zwei Schritte vom Hindernis entfernt, von hinten angefahren und gegen den Zaun gedrückt worden. Dort sei er regelrecht eingeklemmt gewesen. Er habe sich, nachdem der Wagen etwas rückwärts gerollt sei, aufgerappelt und habe erneut davonlaufen wollen.

Wegen der Schmerzen sei er aber nicht weit gekommen und zusammengebrochen. Der BMW sei langsam rückwärts auf ihn zugerollt. "Ich hab geschrien, dass er mich nicht umbringen soll." Als das Wagenheck schon über ihm gewesen sei, habe der BMW schließlich gestoppt. Erst als der Fahrer ausgestiegen und ihn auf den Boden gedrückt habe, da habe er, P., erfahren, dass er es mit einem Polizisten zu tun habe.

Unter Schock stehend habe er sich nicht vor Ort behandeln lassen wollen. Weil die Schmerzen im Fuß aber immer stärker geworden und der Knöchel des linken Fußes dick angeschwollen sei, sei er tags darauf selbst zum Arzt gegangen. Dessen Diagnose: Prellungen, Schürfungen und wahrscheinlich Bänderriss im Sprunggelenk. Lukas P. braucht jetzt Gehhilfen. Er wisse, sagt er, dass er sich mit dem Sprayen strafbar gemacht habe. Aber ihn so zu verfolgen und zu verletzen? "Wie in amerikanischen Filmen, als ob ich jemand umgebracht oder vergewaltigt hätte."

Am Freitag wurde P. aufgrund eines richterlichen Beschlusses von der Polizei in die Rechtsmedizin gefahren. Nur durch eine zeitige Untersuchung könne man auf das Geschehen schließen, erklärt Thomas Steinkraus-Koch, Sprecher der Staatsanwaltschaft. P.s Anwalt Marco Noli hat Strafanzeige gestellt wegen gefährlicher Körperverletzung.

Wolfgang Wenger kommentiert das Geschehen nicht. Aber der Sprecher der Münchner Polizei ist hörbar erleichtert, dass seine Kollegen diesmal den Vorfall von sich aus der Staatsanwaltschaft gemeldet haben. Der erste Schritt, um ein weiteres Imagedesaster wie im Fall von Teresa Z. zu vermeiden, jener Frau, der in der Inspektion in der Au ein Beamter die Nase gebrochen hatte. Damals kamen die Ermittlungen erst durch eine Anzeige der Verletzten in Gang. Das Präsidium scheint aus diesem Fall gelernt zu haben.

© SZ vom 20.01.2014
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema