Kuffler-Gruppe Eine Freundschaft, die Fragen aufwirft

Der Wiesbadener OB Sven Gerich unterzeichnet mit Roland und Sebastian Kuffler sowie Stadtrat Detlev Bendel (von rechts) den Vertrag über die Gastronomie des Kongress-Centrums.

(Foto: Stadt Wiesbaden)
  • Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Wiesbadener Oberbürgermeister Sven Gerich und gegen die Familie Kuffler, die ein großes Gastro-Unternehmen führt.
  • Es geht um einen Anfangsverdacht der Vorteilsannahme: Gerich soll Urlaub in Häusern der Kufflers gemacht haben, außerdem ist er beim Einzug der Wiesn-Wirte in der Kutsche der Kufflers mitgefahren.
  • 2016 hatten die Kufflers den Zuschlag für die Gastronomie im Wiesbadener Rhein-Main-Kongress Center bekommen.
Von Franz Kotteder

Ärger für die Familie Kuffler: Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit gegen den Wiesbadener Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsannahme - und gegen die Kufflers, weil sie die entsprechenden Vorteile gewährt haben sollen. Die Kuffler-Gruppe gehört mit gut 40 Betrieben zu den größten Gastrounternehmen Deutschlands und ist vor allem in München und im Rhein-Main-Gebiet tätig, etwa am Frankfurter Flughafen und in Wiesbaden. Neben dem Seehaus, dem Spatenhaus und dem Haxnbauer betreiben sie auch das Weinzelt auf dem Oktoberfest.

Bereits am Donnerstag vor der Karwoche durchsuchte eine Münchner Staatsanwältin zusammen mit Polizeibeamten fünf Stunden lang Archiv und Computer im Büro des Wiesbadener Oberbürgermeisters. Zum Ergebnis will die Staatsanwaltschaft wegen der laufenden Ermittlungen nichts sagen. Aufmerksam geworden sind die Münchner Staatsanwälte durch Artikel in Wiesbadener Zeitungen. Dort war berichtet worden, dass Gerich bereits dreimal beim Einzug der Wiesnwirte auf der Kutsche der Kufflers mitgefahren war, zuletzt 2016. Im selben Jahr hatte die Kuffler-Gruppe den Zuschlag für die Gastronomie im Wiesbadener Rhein-Main-Kongress- Center bekommen.

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Der Vorteil war für Gerich überschaubar: In München kennt ihn praktisch niemand, der ihn für die Ehre des Mitfahrendürfens bewundern könnte. Durch die Kutschfahrt musste er also lediglich nicht zu Fuß gehen und sich auch keine MVV-Einzelfahrkarte kaufen. "Der finanzielle Vorteil war sicher überschaubar", sagt Oberstaatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl zur SZ, "aber es gibt ja noch andere Anhaltspunkte."

So hat Gerich laut der Lokalpresse in Wiesbaden bereits eingeräumt, auf Einladung Urlaube in Häusern der Familie Kuffler in St. Tropez und in Kitzbühel verbracht zu haben. Er sei mit den Kufflers schon länger privat befreundet, auf etwaige geschäftliche Entscheidungen zu ihren Gunsten habe er jedoch nie Einfluss genommen. Im Wiesbadener Stadtrat beschäftigen sich auf Betreiben der Opposition bereits seit einiger Zeit zwei Ausschüsse mit der Vergabe der Gastronomie des Kongress-Centrums an die Kuffler-Gruppe und den Urlaubsreisen des Oberbürgermeisters. Konkrete Ergebnisse gab es bisher allerdings noch nicht, es wurden auch keine Vorwürfe laut, Gerich habe sich in die Vergabe eingemischt.

Durch die Berichte in der Lokalpresse wurde die Münchner Staatsanwaltschaft auf den Vorgang aufmerksam und schaltete sich wegen der Kutschfahrt zur Wiesn als "örtlich zuständig" ein. Die Kuffler-Gruppe äußert sich derzeit eher zurückhaltend. "Unser Unternehmen hält sich in sämtlichen Ausschreibungen strikt an die vorgegebenen Strukturen und Prozesse", so Sprecherin Christine da Silva, "das gilt auch für alle Ausschreibungen in Wiesbaden, an denen wir teilgenommen haben." Ansprechpartner seien stets spezialisierte Koordinatoren und Manager, nicht der Oberbürgermeister. "Ebenso stimmt über den Erfolg unserer Bewerbungen für Gastronomie-Lizenzen ein reines Gremium von Volksvertretern ab, nicht der Oberbürgermeister."