Erdinger Kunstwerk:Fast wie neu

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Erdinger Kunstwerk: Der leicht verwitterte "Wasserkönig" am Eingang zur Erdinger Altstadt ist tatsächlich ein wenig unscheinbar. Aber das wird sich ändern. Die Holzskulptur von Georg Brinkies wird ein neues Leben erhalten als Bronzeguss.

Der leicht verwitterte "Wasserkönig" am Eingang zur Erdinger Altstadt ist tatsächlich ein wenig unscheinbar. Aber das wird sich ändern. Die Holzskulptur von Georg Brinkies wird ein neues Leben erhalten als Bronzeguss.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Holzskulptur "Der Wasserkönig" am Stadteingang von Erding ist ziemlich verwittert. Das Kunstwerk sollte schon verschwinden, doch in der Stadt hat man den Upcycling-Trend entdeckt: Statt einer Neuanschaffung wird das Werk nun rundumerneuert und in Bronze gegossen.

Von Regina Bluhme, Erding

Upcycling liegt im Trend. Dabei werden nicht genutzte Stoffe oder scheinbar unbrauchbare Gegenstände in neuwertige Produkte umgewandelt. Das hilft der Umwelt und spart Geld. Auf diesen Zug springt jetzt auch die Stadt Erding auf. Die verwitterte Holzskulptur "Der Wasserkönig" am Schönen Turm wird nicht durch ein neues Kunstwerk ersetzt, nein, sie erhält eine Rundumerneuerung und wird für 48.000 Euro in Bronze gegossen.

Wer vom Bahnhof in die Erdinger Innenstadt will, muss am Schönen Turm vorbei. Rechts vom Tor steht seit 2012 die Holzskulptur "Der Wasserkönig" des Künstlers Georg Brinkies. Wie der Name "Wasserkönig" schon andeutet, war das Werk ursprünglich als Brunnen gedacht. Geplätschert hat er nicht, aber auf der Umrandung lässt sich gut sitzen und in der Mittagspause ratschen. Die Eiche für die Skulptur stammt aus dem Landkreis Erding. Und wie es halt so ist, ist das Material mit den Jahren verwittert.

Erdinger Kunstwerk: Der Weg in die Innenstadt führt am Schönen Turm vorbei. Vor dem grauen Anbau, dem Friseurhäuschen, steht "Der Wasserkönig".

Der Weg in die Innenstadt führt am Schönen Turm vorbei. Vor dem grauen Anbau, dem Friseurhäuschen, steht "Der Wasserkönig".

(Foto: Renate Schmidt)

Nun hatten die Stadtratsfraktionen von CSU und Grünen im Mai einen gemeinsamen Antrag gestellt: Sie wollten auf dem Platz gerne ein neues Kunstwerk sehen, eine Kreation, die ins Auge fällt und das Eingangstor zur Innenstadt aufwerten soll. Der "Zugangseindruck" an der Stelle sei zu "wenig attraktiv". Der Platz soll also verschönert werden. Die beiden Fraktionen hatten gemeinsam die Ausschreibung eines Künstlerwettbewerbs beantragt.

Der Vorschlag der beiden Fraktionen stieß damals auf breite Zustimmung. Nur Harry Seeholzer, Dritter Bürgermeister (Erding Jetzt) und freischaffender Künstler, hatte da einen anderen Vorschlag: Ihm gefalle Brinkies Holzskulptur in ihrer filigranen Art wunderbar. Seiner Ansicht nach könnte man die verwitterte Skulptur am Schönen Turm auch in Bronze gießen und mit Wasser bespielen. Das käme vielleicht günstiger. Seine Idee wird nun umgesetzt. Der Planungs- und Bauausschuss hat am Dienstag einstimmig beschlossen, das Kunstwerk in Bronze gießen zu lassen.

Den Zuschlag hat die Gießerei bekommen, die auch schon die Turmschieber gestaltet hat

Die Kostenberechnung beläuft sich laut Stadtbaumeister Sebastian Henrich nun auf brutto 48.000 Euro. 40.000 Euro, die sich noch im Haushaltsposten "Stadtteilkunst" befinden, sollen dafür genutzt werden. Den Zuschlag hat laut Henrich die Firma bekommen, die auch schon "Die Erdinger Turmschieber" am Fehlbach gegossen hat. Die drei lebensgroßen Gestalten stammen von Harry Seeholzer, der unter seinem Künstlernamen Harry S. bereits mehrere Kunstwerke in Erding gestaltet hat.

Im Übrigen, so Henrich, habe sich Brinkies "gefreut wie Bolle", dass es mit seinem Kunstwerk nun weitergeht. Er freue sich tatsächlich sehr darüber, sagt Georg Brinkies auf Nachfrage der SZ. Sein "Wasserkönig" wird überleben "und das auch noch wie neu". Zunächst erhält die Skulptur jetzt einen Wachsaufbau, den der Künstler selbst vornehmen wird. Dazu will er noch im November die Skulptur zu sich an den Schliersee holen. Wo es nötig ist, werde er auch noch Stellen ausbessern. Dann geht es in die Gießerei.

Spätestens 2028 wird am Eingang zur Altstadt ein repräsentatives Kunstwerk stehen

Grünen-Stadträtin Helga Stieglmeier hatte in der Mai-Sitzung erklärt, ihr würde auch gefallen, wenn das neue Kunstwerk bespielbar sei, also zum Beispiel Kinder darauf herumklettern könnten. Der Erdinger Kulturreferenten Ludwig Kirmair (CSU) sagte, das Thema Wasser biete sich an dem Platz neben der Sempt an. Er wolle "seine Freude ausdrücken" über die jetzt gefundene Lösung, sagte CSU-Fraktionssprecher Burkhard Köppen im Bauausschuss. Er dankte "den Urhebern", Helga Stieglmeier und Ludwig Kirmair. Auch für Harry Seeholzer gab es ein Dankeschön aus dem Bauausschuss.

Spätestens 2028, zum Stadtjubiläum, wird dann mit dem Bronzebrunnen am Eingang zur Altstadt ein repräsentatives Kunstwerk stehen. Dabei soll der gesamte Komplex des Schönen Turms auf Vordermann gebracht werden, vor allem soll geschaut werden, wie der Turm zu nutzen ist. Das kleine angebaute Friseurhäuschen steht seit Monaten leer. Im Turm befindet sich auch das ehemalige Wirtshaus Ratsstube, dessen Räume seit Jahren nicht mehr genutzt werden. Das nächste Upcycling-Projekt wartet auf Erding.

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Den nördlichen Eingang zur Altstadt mit der verwitterten Holzskulptur finden CSU und Grüne zu wenig attraktiv. Ein neues Kunstwerk oder ein Brunnen soll den Bereich aufwerten. Der Antrag für einen Künstlerwettbewerb ist eingereicht.

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