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Taufkirchen an der Vils:Drei Merkmale für Mord

Zorica H. war hochschwanger, als sie auf grausame Weise getötet wurde. Nächste Woche erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage gegen die beiden mutmaßlichen Täter.

Die Ermittlungen im grausamen Mordfall an der hochschwangeren Zorica H. sind abgeschlossen. Die 21-Jährige war am 21.Februar, fünf Wochen vor dem errechneten Geburtstermin ihres ersten Kindes, in ihrer Wohnung am Bahnweg in Taufkirchen gefesselt und geknebelt mit mehr als hundert Messerstichen und Schnitten getötet worden.

Polizei

Die Anklage stützt sich auf das Geständnis, das einer der Tatverdächtigen abgelegt hat.

(Foto: dpa)

Die Kripo Erding hat nun ihren Schlussbericht vorgelegt, Staatsanwalt Ralph Reiter will bereits in der kommenden Woche Anklage gegen die mutmaßlichen Täter Harun A., 18, und Vedat S., 20, erheben. Der Prozess gegen die zwei Erdinger soll im Juli am Landgericht Landshut beginnen. Harun A. war der Vater des ungeborenen Babys, hatte jedoch keine Beziehung mehr mit Zorica H.

Nur wenige Stunden, nachdem die Tat entdeckt worden war, nahm die Polizei Harun A. in Erding fest. Noch am gleichen Abend legte er eine Geständnis ab. Zunächst gab er an, er sei in einem Streit über die anstehenden Unterhaltszahlungen von Zorica H. beleidigt worden und habe sie daraufhin getötet, weil er sich in seiner Ehre verletzt gefühlt habe. Erst in einer Nachvernehmung drei Wochen später nannte er seinen Freund Vedat S. als Mittäter. Der 20-Jährige hat zum Mordvorwurf bislang keine Angaben gemacht.

Staatsanwalt Reiter wird seine Anklage auf das Geständnis von Harun A. und "ergänzende Gutachten" stützen. Das Geständnis sei aus mehreren Gründen glaubhaft, sagte Reiter. Harun A. habe "nicht versucht, alles auf seinen Freund abzuwälzen, um besser wegzukommen". Er habe offenbar "nur am Anfang seinen Freund nicht mit reinreißen wollen", sich dann jedoch entschlossen, reinen Tisch zu machen.

Zudem habe er in seinem Geständnis die Vorbereitung und den Ablauf der Tat detailliert geschildert. Außerdem nannte er zwei Stellen an der Vils, wo er und sein Komplize nach dem Mord Tatwerkzeuge und blutige Kleidung versenkt hätten. Die Polizei fand an den angegebenen Orten mehrere "tatrelevante Gegenstände".

In DNS-Gutachten, durch die Auswertung von Tatortspuren und mittels Handydaten erstellter Bewegungsprofile seien die Angaben von Harun A. bestätigt worden, sagte Reiter. Unter anderem fanden sich DNS-Spuren von beiden Tatverdächtigen an einem Tatmesser. Die Befragungen von Zeugen aus dem Umfeld des Opfers und der Beschuldigten haben zudem ergeben, dass sich Harun A. in den Wochen vor dem Mord von Zorica H. "stetig genervt" gefühlt habe.

Die Ermittlungen deuteten aber darauf hin, dass schließlich Harun A. den Kontakt zu Zorica H. suchte. Dieser Umstand und die Vorbereitung der Tat sprächen für einen kühl geplanten Mord. "Mit einer Affekttat ist es natürlich vorbei, wenn ich Handschuhe und weiteres mehr mitnehme", sagte Reiter. Der Staatsanwalt sieht gleich drei Mordmerkmale erfüllt: Heimtücke, Grausamkeit und niedere Beweggründe.

Da der Mord in jedem Fall "eine Tat ist, die man nicht versteht", hat Reiter psychiatrische Gutachten über beide Tatverdächtige in Auftrag gegeben. Dabei gehe es nicht so sehr um die Frage ihrer Schuldfähigkeit, sondern darum, "ihre Persönlichkeit zu durchleuchten". Falls, was wahrscheinlich ist, im Prozess Jugendrecht zur Anwendung kommt, droht beiden bei einer Verurteilung maximal zehn Jahre Jugendgefängnis.