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Naturschutz:Licht und Luft für junge Bäume

Trotz eines hohen Borkenkäferbefalls leisten die Stadtwerke eine nachhaltige Arbeit in den gepachteten Wäldern. Am Samstag findet die traditionelle Radtour mit Führung zum Nickelholz statt

Die jährliche Radtour durch das Nickelholz bezeichnet Alois Huber, technischer Leiter der Stadtwerke Dorfen, inzwischen als "alte Tradition". Seit 2009 hat das Unternehmen die etwa 100 Hektar große Waldfläche der Nikolaistiftung sowie die 28 Hektar Stadtwald gepachtet. Mit den Führungen möchten die Stadtwerke laut Huber die nachhaltige Arbeit und die gute Pflege des Waldes zeigen.

Walter Zwirglmaier, Diplom-Forstingenieur und Revierleiter im Revier Straßmair bei Wasserburg, begleitet die Radtour durch das Nickelholz. Der 61-jährige ist forstlicher Berater bei den Stadtwerken und zeigt Pflegebestände auf. Bei der Tour berichtet er über die Folgen der Ausbreitung des Borkenkäfers, die Holznutzung sowie die Pflege der Jungholzbestände.

Laut Zwirglmaier gibt es im Nickelholz "eine bedeutende Menge an Borkenkäfern, etwa 50 Prozent des Jahreseinschlags sind befallen." Das liege vor allem an der anhaltenden Trockenheit und den hohen Temperaturen, die die Vermehrung des Käfers begünstigten. Zudem werde die Ausbreitung durch Fichtenreinbestände gefördert, die dem Schädling optimale Brutplätze bieten. Im Vergleich zum vergangenen Jahr sei der Borkenkäferbefall zwar nur leicht gestiegen, über einen längeren Zeitraum ließe sich hingegen ein spürbarer Anstieg erkennen, so Zwirglmaier. Regional sei neben der Fichte auch noch eine weitere Baumart von Schädlingen betroffen: "Seit einigen Jahren vermehrt sich bei uns auch das Eschentriebsterben", sagt Zwirglmaier. Ein Rückgang sei nicht in Sicht.

Die Stadtwerke Dorfen bewirtschaften das Nickelholz, das in der Nähe von Breitenweiher in der Gemeinde Taufkirchen liegt. Am kommenden Samstag veranstalten sie wieder ihre Waldführung, bei der sie Einblicke in ihre Forstwirtschaft geben.

(Foto: Renate Schmidt)

Um die Ausbreitung des Borkenkäfers einzudämmen, werden die Baumbestände etwa alle 14 Tage kontrolliert. Wenn der Forstingenieur einen geschädigten Baum entdeckt, besteht ein schneller Handlungsbedarf. "Wir haben höchstens fünf bis sechs Wochen Zeit, um das befallene Holz aus dem Wald zu bringen und mindestens 500 Meter davon zu entfernen, um einen weiteren Befall zu verhindern", erklärt Zwirglmaier. Dies könne jedoch nicht immer eingehalten werden, allerdings möchte der Waldbetreuer auch chemische Einsätze verhindern.

Laut dem Förster trage das Holz vor allem durch die entstehenden Bläuepilze einen Schaden davon, die den Baum verfärben und dadurch entwerten. Das Holz ließe sich entsprechend schlechter verkaufen, die Werke seien überfüllt. Nutzen ließe es sich dennoch. "Als Waldhackschnitzel verarbeiten wir das Holz in unserem Biomasse-Heizwerk", so Huber. Er betont aber, dass das die Situation nicht besser mache. "Zu viel Holz ist nicht gut, wir müssen sogar das Material aus anderen Regionen ablehnen", so der technische Leiter der Stadtwerke Dorfen. Zudem verfüge der Förster nicht mehr über die Entscheidungsgewalt, welche Bäume er zu welchem Zeitpunkt fällen möchte. "Die befallenen Bäume müssen entfernt werden, bevor die Brut ausfliegt", sagt Huber.

Alois Huber, technischer Leiter der Stadtwerke Dorfen.

(Foto: Renate Schmidt)

Zwirglmaier betont jedoch, dass die Wälder genutzt werden sollen. "Reife Bäume sind wertvolle Ressourcen", so der Diplom-Förster. Wenn sie etwa 100 Jahre alt, sind, werden die starken Fichten geschlagen. Der Fokus liegt dabei aber nicht nur auf der wirtschaftlichen Verwertung des Baumes. "Junge Pflanzen, die von selbst nachwachsen, brauchen viel Licht und Luft. Wenn ihnen das von alten Bäumen genommen wird, können sie sich nicht ausreichend entwickeln", sagt Zwirglmaier. Aus Naturschutzgründen bliebe für Insekten und Vögel aber auch ein geringer Anteil an Bäumen ohne qualitativ hochwertigen Zustand erhalten. "Dem Specht ist es egal, von welcher Qualität der Baum ist, in den er hineinschlägt", so Zwirglmaier. Die Bäume blieben gewissermaßen ihrem natürlichen Schicksal überlassen, bis sie umfallen, verfaulen und so zu Humus werden, den junge Pflanzen wieder benötigen. Die Naturverjüngung sei vor allem wegen des ungestörten Wurzelwachstums und der Kostenersparnisse von großer Bedeutung. Außerdem möchte Zwirglmaier im Nickelwald eine Mischung begünstigen. "Fichten pflanzen wir keine, da sie selbst in ausreichender Zahl nachwachsen und darüber hinaus die Verbreitung des Borkenkäfers fördern. Erhalten wollen wir sie aber trotzdem." Daher setzt der Förster vor allem auf Tannen aber auch Laubbäume wie Buchen oder Ahorne. Vereinzelt und eher am Rand werden zudem Obstbäume oder Edelkastanien gepflanzt. Damit wolle man, so Zwirglmaier, die Wirtschaftlichkeit und den Naturschutz des Waldes in Einklang bringen.

Wie das Nickelholz in 50 Jahren aussieht, weiß er aber nicht. "Das hängt zum Großteil vom Klima ab, auf jeden Fall aber gemischter." Seiner Meinung nach dürfe der Wald ein bisschen unaufgeräumter sein, wichtig sei in erster Linie, dass die Menschen ihn mehr respektierten. "Die Leute dürfen schon in den Wald gehen, aber sie sollen achtsam mit ihm umgehen."