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Markt Schwaben:Immer der Spürnase nach

Die Gemeinde Markt Schwaben beauftragt eine Müll-Detektei

Von Korbinian Eisenberger, Markt Schwaben

Man muss keine Spürnase sein, um den Hotspot zu finden. An der Markt Schwabener Wallbergstraße quillt die Wertstoffinsel unverkennbar regelmäßig über. Papier, Sperrmüll, unsortierte Abfallreste. Einst genügten den Arbeitern des Bauhofs hier die vorgesehenen 30 Minuten für die Entleerung und Reinigung. Mit der Corona-Krise aber wuchsen an der Wallbergstraße die Karton-Berge. Das Müllkommando braucht dort mittlerweile doppelt so lange. Die laut Gemeindeverwaltung "schlimmste Sammelstelle" an der Wallbergstraße ist aber offenbar nur die Spitze des Markt Schwabener Müllbergs. Den ungesühnten Wegwurf-Orgien im Gemeindegebiet soll nun ein Ende bereitet werden. Markt Schwaben bekommt eine Abfall-Polizei.

Der Aromawandel, ein von Menschen gemachtes Phänomen. In diesem Fall: von Markt Schwabenern. Die Gemeinde hat ein Müll-Problem, und die Corona-Krise verstärkt diese wie viele andere Unsitten noch. Markt Schwabens Gemeinderat hat nun beschlossen, eine Mülldetektei zu beauftragen, um die insgesamt 14 Sammelstellen im Ort zu überwachen. Markt Schwaben folgt damit den Beispielen der Kreisstadt Ebersberg und Nachbar Poing. An den dortigen Wertstoffinseln sind bereits Detektive im Einsatz sind, die den Inselbesuchern auf die Finger (sc)hauen.

In Ebersberg dauerte es mehrere Jahre, ehe sich deutlich erkennbare Verbesserungen einstellten. Noch sehr frisch sind die Fahnder in der Gemeinde Poing im Einsatz, dort werden die Wertstoffinseln seit Januar 2020 kontrolliert. Die Ermittler sitzen in aller Regel unverdeckt in einem Auto. Verstöße dokumentieren sie mit Foto- und Videoaufnahmen. "Datenschutzrechtlich ist das alles geklärt", wie Poings Bürgermeister Thomas Stark (parteilos) am Freitagnachmittag auf Nachfrage erklärt. Pro Jahr fallen in Poing für 400 Überwachungsstunden Kosten von 14 900 Euro an, die Gesamtsumme des Bußgelds lag bei 5500 Euro, so der Bürgermeister. Insgesamt hat die Detektei in Poing 303 Anzeigen e aufgedeckt, davon wurden 20 Fälle eingestellt. Anfang März wurde ein Bußgeld von mehr als 600 Euro gegen drei Männer verhängt, die eine Abfalltonne und Sperrmüll in einen Poinger Wertstoffcontainer gekippt hatten. In Poing wurde der Vertrag kürzlich um ein weiteres Jahr verlängert.

In Markt Schwaben ging dem Fahndungsbeschluss ein Kuriosum voraus: Jene, die das Thema überhaupt erst auf die Tagesordnung brachten, sprachen sich nun jedoch gegen die Müll-Überwachung aus. Die Fraktion Zukunft Markt Schwaben (ZMS) hatte das Problem zur Sprache gebracht und per Antrag gefordert, die Container häufiger zu leeren, zusätzliche Sammelstellen zu installieren und die Öffnungszeiten des Wertstoffhofs den Wünschen der Bürger anzupassen. Eine Detektei hatte nicht in dem Antrag gestanden.

ZMS-Sprecher Sascha Hertel erklärte, dass er die Überwachungs-Taktik für den falschen Weg halte. Aus seiner Sicht handle es sich weniger um ein Problem der Bürger-Disziplin als der Container-Kapazität. "Nach dem Anfahren der dritten oder vierten überfüllten Ablagestelle mag man halt nicht mehr", so Hertel, der Unterstützung von seinen Fraktionskollegen Wolfgang Korda und Ronny Schreib sowie Grünen-Gemeinderat André le Coutre und Manfred Hoser (Freie Wähler) bekam. Hoser erklärte, er würde "das Geld lieber in Papiercontainer stecken".

Bürgermeister Michael Stolze (parteilos) verteidigte die Strategie: "Uns wurde aus erster Hand geschildert, wie erfolgreich zwei Landkreis-Kommunen damit sind." Zuspruch für ihn kam von Georg Holley und Elfriede Gindert (beide CSU), Manfred Kabisch (SPD) und Florian Delonge (FDP). Delonge sprach sich dafür aus, die Detektei "befristet einzuschalten und schauen, ob es was bringt". Und so stimmte die ZMS mit überparteilicher Unterstützung gegen die Detektei. Endstand: 13 zu acht Stimmen für die befristete Installation einer Müll-Detektei. Zudem sollen diverse Sammelstellen mit zusätzlichen aromatisch verträglichen Containern versehen werden.

© SZ vom 20.03.2021
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