Landkreis Erding Neonazis knüpfen neues Netzwerk

Im Verfassungsschutzbericht findet der Landkreis Erding zweimal Erwähnung. Vor allem ein Name rückt dabei in den Fokus der Beamten: Martin Wiese. Ein verurteilter "Rechtsterrorist", der im Raum München zahlreiche Anhänger hat.

Von Florian Tempel

Im Halbjahresbericht des Bayerischen Verfassungsschutz findet der Landkreis Erding an zwei Stellen Erwähnung. Im Kapitel über aktuelle Entwicklungen des Rechtsextremismus im Freistaat sind die zwei Treffen von Neonazis - am 9. April in Erding und eine Woche später am 16. April in der Nähe von Moosinning - aufgeführt. Bei beiden Neonaziversammlungen sei der "Rechtsterrorist Martin Wiese" als Organisator aufgetreten, der "durch Veranstaltungen in und um München versucht, die Neonazi-Szene neu zu strukturieren und ein bayernweites Netzwerk aufzubauen", heißt es in den vom Bayerischen Innenministerium veröffentlichten "Verfassungsschutzinformationen Bayern 1. Halbjahr 2011".

Wegen eines geplanten Anschlags auf das Münchner Jüdische Zentrum musste sich der Neonazi Martin Wiese 2005 vor Gericht verantworten. 

(Foto: AP)

Der 35-jährige Wiese hatte 2003 zusammen mit anderen Neonazis einen Bombenanschlag auf die Grundsteinlegung des jüdischen Kulturzentrums in München geplant und war dafür 2005 zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden. Nach seiner Haftentlassung im August 2010 ließ er sich in Landshut nieder. Seit Jahresbeginn sei er im Raum München wieder in Erscheinung getreten, schreibt der Verfassungsschutz, und habe seitdem eine Schlüsselrolle beim Neuaufbau der zersplitterten regionalen Neonaziszene eingenommen.

Nach den Erkenntnissen des Verfassungsschutzes wollten Wiese und rund 80 weitere Rechtsextremisten am 9. April in einer Erdinger Vereinsgaststätte nichts weniger als "die Neustrukturierung der Münchner Neonazi-Kameradschaften" feiern. Die Polizei unterband das Treffen. Nur eine Woche später kamen die Neonazis wieder in den Landkreis Erding. In der Nähe des Schnabelmooser Weihers feierten sie eine Neonazi-Party. Diesmal stand die "Vier-Jahres-Feier der Neonazi-Kameradschaft München Süd-Ost" auf dem Programm, an der etwa 60 Rechtsextremisten aus dem Großraum München teilnahmen.