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Kommunalwahl im Landkreis Erding:Drei Frauen an der Rathausspitze

Der Anteil der Bürgermeisterinnen hat sich möglicherweise halbiert

Bisher standen im Landkreis Erding in sechs von 26 Gemeinden Frauen an der Spitze der Rathäuser. Bei den Kommunalwahlen bewarben sie sich in elf Gemeinden um das Amt der Bürgermeisterin. Dass von nun an mehr Frauen die Stadt- und Gemeinderäte anführen, ist nicht mehr denkbar. Bisher stehen nur drei Frauen als Bürgermeisterin fest, drei haben es in die Stichwahl geschafft, sechs sind gescheitert - wobei es in Lengdorf ein Frauenduell gab. Da zumindest zwei der Frauen in der Stichwahl kaum Chancen haben dürften, diese zu gewinnen, hat sich die Zahl der Frauen an der Spitze der Rathäuser im Landkreis Erding möglicherweise auf drei halbiert. In Isen allerdings hat Irmgard Hibler (Freie Wähler) gute Chancen gegen Michael Feuerer (CSU) zu gewinnen.

Mit Nicole Schley (SPD) in Ottenhofen und Michaela Mühlen (Bürgerforum) in Inning am Holz sind zwei Frauen als amtierende Bürgermeisterin erneut gewählt worden, sie waren allerdings die einzigen Kandidatinnen. Schley kommt auf 84,09 Prozent. "Das fühlt sich sehr gut an", sagt sie. "Ich war ja schon ein bisschen aufgeregt. Man rumpelt eben doch mit manchen Bürgern während einer Amtszeit aneinander. Aber das ist eine schöne Bestätigung für meine Arbeit der letzten Jahre." Dass von nun an wahrscheinlich drei oder vier statt sechs Bürgermeisterinnen im Landkreis regieren, empfindet sie als äußerst schade. "Das ist Wahnsinn", sagt sie. "Das ist wirklich dramatisch. Die Zahl der Bürgermeisterinnen hat sich halbiert und dabei hätten wir das Gegenteil gebraucht. Frauen bringen schon eine andere Sichtweise mit." Die dritte Frau, die ins Rathaus einzieht ist Michèle Forstmaier (Freie Wähler) in Lengdorf und damit hat sie sogleich für eine Überraschung gesorgt. Forstmaier war gegen die seit 2008 amtierende Bürgermeisterin Gerlinde Sigl (CSU) angetreten und sicherte sich mit 52,87 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit.

Schwierig dürfte es für die beiden anderen Frauen werden, die sich nun in einer Stichwahl behaupten müssen: In Forstern stellt sich Maria Feckl (Grüne) gegen Rainer Streu (AWG) zur Wahl, der jetzt die absolute Mehrheit mit 49,27 Prozent nur knapp verpasste. Dennoch für sie ein großer Erfolg. "Das ist toll, aber wir haben uns auch wirklich reingehängt", sagt sie. Als Grüne steht der Klimaschutz ganz oben auf ihrer Agenda - doch auch als Frau und Mutter: "Ich habe meine Kinder mühsam großgezogen und etwas wie der Klimaschutz ist ein Zukunftsthema. Da kann man nicht blind dran vorbeigehen. Das bin ich ihnen schuldig." Generell fände auch sie es gut, wenn mehr Frauen in die Politik gingen, "um die Vielfalt zu stärken". Sie stellt aber auch klar: "Eine Frau braucht zuerst die richtige Qualifikation. Aber wenn sie die hat, dann bringt sie auch einen anderen Blickwinkel mit." In Erding tritt Petra Bauernfeind (Freie Wähler) gegen den amtierenden Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) an. Für sie selbst "überraschend, das geschafft zu haben". Dass sie nun eine von drei Frauen in der Stichwahl ist, bezeichnet sie "als wenig genug". Für sie ist der Frauenanteil an der Spitze der Rathäuser "nicht ganz so überraschend, aber trotzdem enttäuschend. Ich dachte, die Zeiten wären überwunden." Für Bauernfeind ist es überaus schade, "dass die Männer noch mal zugelegt haben. Man muss jetzt sehen, ob man das auch runterbrechen kann auf den Kreistag, die Stadt- und Gemeinderäte." Dann stellt sie klar: "Ich habe dieses Mal konsequent Frauen gewählt."

© SZ vom 16.03.2020

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