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Katholische Kirche: Strukturreform:Pfarreien mit Berührungsängsten

In den kommenden zwei Jahren sollen im Landkreis fünf neue Pfarrverbände entstehen - bisher existiert ein einziger. Im Streit, welche Pfarrei Sitz des Verbandes wird, fordert der Diözesanrat vom Ordinariat ein Machtwort.

Die Strukturreform in der Erzdiözese München-Freising ist seit Monaten beschlossene Sache. Nach außen hin sichtbar hat sich aber nur wenig getan, dabei müssen im Dekanat Erding fünf neue Pfarrverbände und zwei Stadtteilkirchen gegründet werden. Einen konkreten Termin gibt es aber bis jetzt nur für einen einzigen neuen Verband. Der Pfarrverband "Maria Tading" wird aus den bislang eigenständigen Pfarreien Forstern-Tading, Buch, Pastetten und Hohenlinden gebildet und am 29. Mai mit einem Festgottesdienst aus der Taufe gehoben.

Hier ist die Zusammenlegung bereits erfolgt: Maria Thalheim bildet mit den Reichenkirchen einen Pfarrverband im Landkreis. Weitere Verbände sollen folgen.

(Foto: Peter Bauersachs)

Bei der Vollversammlung des Dekanatsrats Erding am kommenden Mittwoch erwartet sich der Vorsitzende Armin Schalk nun vor allem, dass Vertreter des Erzbischöflichen Ordinariats klare Aussagen auch zu den anderen, noch zu gründenden Verbänden treffen: "Sie müssen sich dazu äußern, wie der Fahrplan weiter geht." Als stellvertretender Vorsitzender des Diözesanrats weiß Schalk, dass die Bildung der neuen Verbände in den kommenden zwei Jahren abgeschlossen sein soll.

Im Dekanat Erding bleibt nur in den existierenden Pfarrverbänden Moosinning, Bockhorn und Reichenkirchen-Thalheim alles wie gehabt. In Erding werden die Pfarreien St. Johannes und Langengeisling, sowie Altenerding und Klettham zwei etwa gleich große Stadtteilkirchen bilden. Die Pfarrverbände Wartenberg und Langenpreising werden zusammengelegt, der Pfarrverband Aufkirchen wird um die Pfarrei Eitting erweitert. Außerdem gehen die Pfarreien Neuching und Ottenhofen sowie Wörth, Hörlkofen und Walpertskirchen zusammen.

In vielen Fällen dürfte klar sein, welche Pfarrei Sitz des Pfarrverbandes und wer Pfarrverbandsleiter wird. Offiziell steht jedoch noch nichts fest. "Man darf dem nicht vorgreifen", sagt Pastoralreferent Josef Six vom Erzbischöflichen Ordinariat, denn diese Entscheidungen liegen in der Hand von Erzbischof Reinhard Marx. Sobald sie getroffen sind, werden sie per Dekret durch Generalvikar Peter Beer den einzelnen Pfarreien schriftlich mitgeteilt.

Von dem Zeitpunkt an bestehen die Verbände zumindest formal. In einem Festgottesdienst wird die Gründung öffentlich sichtbar gemacht. Wirklich gebildet ist ein Verband jedoch erst, wenn die Kirchenverwaltungen Kooperationsverträge geschlossen haben und sich ein Pfarrverbandsrat konstituiert hat.

Offiziell ist die Rede von ''gegenseitigem Respekt''

Dass man im neuen Pfarrverband Maria Tading schon so viel weiter ist als in den anderen sechs noch zu bildenden Verbänden, hat seine Gründe. In Forstern, Buch, Pastetten und Hohenpolding wurde schon seit fast zwei Jahren auf informeller Ebene an der Fusion gearbeitet. Anderswo gibt es offenbar Berührungsängste, sagt Schalk. Er nennt es nur nicht so, sondern "gegenseitigen Respekt".

Viele Pfarreien brauchten offensichtlich Anschub von oben, also aus dem Ordinariat. Schalk gibt dabei eines zu bedenken: "Es ist ja nicht so, dass wir nicht wüssten, wie man einen Pfarrverband gründet." Pfarrverbände gebe es schon seit 40 Jahren. Im zweiten Dekanat des Landkreises, dem Dekanat Dorfen, in dem es seit langem nur Pfarrverbände gibt und der nicht von der Strukturreform betroffen ist, würden man die Zögerlichkeit der Pfarreien im westlichen Landkreis schon belächeln, sagt Schalk.

Neben der organisatorischen Ebene der Verbandsgründungen sieht die Reform auch inhaltliche Änderungen im kirchlichen Leben vor. In den Verbänden sollen sogenannte pastorale Schwerpunkte angepackt werden. Antworten auf die Frage, "wie können wir das Gemeindeleben attraktiver gestalten", seien doch das eigentlich Entscheidende, findet Schalk. Denn, "das muss man ganz klar sagen, wir Katholiken sind auch in ländlichen Bereichen Bayerns nur noch eine Minderheit".