Grüne Jugend im Landkreis Erding: "Nazis dürfen keine Ehrung erhalten"

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Grüne Jugend im Landkreis Erding: Kulturpreisträger Zeno Pfest war von 1933 bis 1945 NSDAP-Mitglied sowie NS-Führungsoffizier bei der Wehrmacht.

Kulturpreisträger Zeno Pfest war von 1933 bis 1945 NSDAP-Mitglied sowie NS-Führungsoffizier bei der Wehrmacht.

(Foto: privat)

Der Grünen-Nachwuchs fordert die Umbenennung der Zeno-Pfest-Straße in Isen. Deren Namensgeber war einst NSDAP-Mitglied sowie NS-Führungsoffizier der Wehrmacht.

Von Florian Tempel, Isen

Die Jugend des Erdinger Kreisverbands der Grünen fordert, dass die Aufdeckung der Nazivergangenheit des Isener Ehrenbürgers, Kulturpreisträgers und Straßennamengebers Zeno Pfest nicht ohne Konsequenzen bleibt. Der Isener Schriftsteller Leonhard M. Seidl hatte am vergangenen Sonntag bei einem Gedenkabend zum 40. Todestag von Zeno Pfest erstmals publik gemacht, dass dieser von 1933 bis 1945 NSDAP-Mitglied war sowie NS-Führungsoffizier bei der Wehrmacht war, eine Funktion, für die nur überzeugte Nationalsozialisten in Frage kamen.

In einer Pressemitteilung der Grünen Jugend heißt es: "Dass die Nazi-Vergangenheit Pfests so lange ignoriert und unentdeckt blieb, schockiert uns als Grüne Jugend Erding. (...) Um die demokratische Integrität des Landkreises Erding und der Gemeinde Isen zu erhalten, fordert die Grüne Jugend ein Drei-Punkte-Reaktionspaket." Erstens: Die Gemeinde Isen solle Zeno Pfest nachträglich die Ehrenbürgerwürde entziehen. "In einem Deutschland, das sich selbst als aufgeklärt bezeichnet, dürfen Nazis keine Ehrung erhalten." Zweitens: Die Zeno-Pfest-Straße in Isen, an der auch die Grund- und Mittelschule angrenzt, müsse umbenannt werden. Man solle die Straße nach Opfern des NS-Regimes in Isen neu benennen, "denn sie dürfen niemals in Vergessenheit geraten". Drittens müsse "eine breite Debatte unter Einbeziehung aller relevanten Akteur*innen zur Aufarbeitung des Falls Pfest" gestartet werden. Grundsätzlich müsse all das unbedingt im Gemeinderat Isen diskutiert werden.

Auch über Georg Escherich könnte der Isener Gemeinderat mal diskutieren

Bei der Gelegenheit könnte der Gemeinderat gleich auch über eine weitere umstrittene Persönlichkeit diskutieren, nach der in Isen eine Straße benannt ist. Georg Escherich war zwar kein Nationalsozialist, aber ein rechtsextremer Antidemokrat und Wegbereiter des Faschismus in Deutschland. Der Schriftsteller Leonhard F. Seidl - der Sohn von Leonhard M. Seidl - hat intensiv über Georg Escherich recherchiert und seine Ergebnisse in seinem aktuellen Roman "Vom Untergang" verarbeitet. In einem SZ-Interview hat sich Leonhard F. Seidl für eine Umbenennung der Georg-Escherich-Straße in "Alte-Linde-Straße" ausgesprochen. "Warum muss diese Straße nach einem rechtsextremen, toxischen Mann benannt sein?"

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