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Holocaust:Überlebenserinnerungen

Hilde Grünberg wurde 1936 in München geboren.

(Foto: privat)

Die 82-jährige Hilde Grünberg berichtet heute Abend bei einer Veranstaltung der Geschichtswerkstatt Dorfen, wie sie als jüdisches Kind in einer Isener Familie die Zeit des Nationalsozialismus überstand

Hilde Grünberg lebt vielleicht nur noch, weil ein kommunistischer Hausmeister sie und ihre Mutter lange vor Nachforschungen der Gestapo geschützt hat. Die 82-jährige Münchnerin lebt aber vielleicht auch nur noch, weil sie in der Familie des Hafnermeisters Reich ein Jahr lang in Isen untertauchen konnte. Man habe sie dort bei der Kinderlandverschickung "untergejubelt", hat sie 2017 einem SZ-Journalisten erzählt. An diesem Donnerstag kommt Hilde Grünberg nach Isen und wird bei einem von der Geschichtswerkstatt Dorfen veranstalteten Gesprächsabend aus ihrem Leben berichten. Nach der Begrüßung und einführenden Worten von Bürgermeister Siegfried Fischer wird Schorsch Wiesmaier mit Hilde Grünberg über ihre jüdische Herkunft, ihr Leben und vor allem ihre Zeit in Isen sprechen. Dazu werden historische Fotos und Dokumente gezeigt. Die Veranstaltung "Untergetaucht in Isen" im Rathaus, Münchener Straße 12, beginnt um 19.30 Uhr.

Hilde Grünberg wurde 1936 in München als Hilde Fischer geboren. Ihr Vater verließ die Familie und sie wuchs als Kind im Münchner Osten in einem Frauenhaushalt auf, zu dem ihre Mutter, ihre Großmutter und ihre Tante gehörte. 1942 wurde ihre Großmutter deportiert und kam ins Konzentrationslager Theresienstadt. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war ihrer Mutter und ihrer Tante klar, dass sie selbst alle nur mit viel Glück überleben würden. Durch die Kinderlandverschickung 1943 wurde die Siebenjährige von ihrer Mutter und Tante getrennt. Hilde Grünbergs Mutter tauchte ebenfalls unter und überlebte die NS-Zeit. Nach dem Krieg fanden sich Mutter und Tochter wieder und lebten wieder zusammen in ihrer früheren Münchner Wohnung.

Im Winter 1943 kam die kleine Hilde Grünberg zunächst zu einem Bauern in Schwabbruck in der Nähe von Schongau. Es waren bedrückende und einsame Monate, bis es ihrer Tante gelang, sie in Isen bei der Familie Reich unterzubringen. Ihre Tante arbeitet selbst in Isen, lebte aber in so miserablen Wohnverhältnissen, dass sie nicht die Möglichkeit hatte, ihre Nichte bei sich aufzunehmen. In der Familie Reich erging es Hilde Grünberg viel besser als zuvor in Schwabbruck. Und sie hatte hier auch Spielkameraden, wie den ein Jahr jüngeren Anton Reich. Vor wenigen Wochen ist Hilde Grünberg ihm nach Jahrzehnten erstmals wieder begegnet.

Schorsch Wiesmaier stieß vor einem Jahr beim Lesen der Süddeutschen Zeitung auf Hilde Grünberg, in einer Reportage von Alex Rühle über das Café Zelig in Schwabing, das als Treffpunkt für Überlebende der Shoah eingerichtet worden ist. "Es ist nur wichtig, überhaupt einen Ort zu haben", sagte Grünberg dem SZ-Reporter, "zu wissen, dass andere Ähnliches erlebt und überlebt haben." Und in einem Nebensatz wurde eben auch erwähnt, wie sie in Isen "untergejubelt" überlebte. Über die SZ kam Wiesmaier in diesem Jahr in Kontakt mit Hilde Grünberg. Zusammen mit Doris Minet und Hans Elas von der Geschichtswerkstatt Dorfen gab es Treffen mit der 82-Jährigen, bei denen mehrere Stunden biografischer Gespräche aufgezeichnet wurden. Gemeinsam wurde schließlich die Idee für die öffentliche Veranstaltung in Isen geboren, die auch bei Bürgermeister Fischer auf große Zustimmung und bereitwillige Mitwirkung stieß.