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Flughafen München:Kerkloh lobt die Bahn

Die Wirtschaftlichkeit der Walpertskirchener Spange wird jetzt höher eingestuft. FMG-Chef fordert sogar, dass "die Verbindung von Paris nach Bratislava unbedingt über den Münchner Flughafen geführt werden sollte"

- Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Rüdiger Grube, und der Chef der Flughafen München Gesellschaft (FMG), Michael Kerkloh, machen sich gemeinsam für eine effiziente Bahnanbindung des Münchner Flughafens stark. Als neue Argumentationshilfe verwiesen sie bei einem Treffen in Berlin auf eine neue Studie, die einen deutlich höheren als bislang berechneten volkswirtschaftlichen Nutzen eines Schienenanschlusses Richtung Osten via Walpertskirchener Spange bis nach Salzburg belege. Ein höherer Nutzen-Kosten-Faktor könnte die Realisierungschance für den Bau der Walpertskirchener Spange und den Ausbau der Bahnstrecke München - Mühldorf - Freilassing verbessern. Der designierte Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Michael Odenwald, der ebenfalls an dem Treffen in Berlin teilnahm, kündigte an, dass die Bahnprojekte nun noch einmal neu bewertet werden. Kerkloh pries den Vorteil einer Bahnanbindung: "Durch attraktive Zugverbindungen könnten bestehende Flugstrecken wie München - Stuttgart überflüssig gemacht werden."

Insbesondere für die Walpertskirchener Spange ist eine Verbesserung ihres Nutzen-Kosten-Faktors wichtig. Die Schienenverbindung zwischen Erding und der Bahnstrecke nach Mühldorf wurde zwar bereits im November 2010 in den Kreis der deutschen Schienenprojekte aufgenommen, die bis 2025 realisiert werden sollten. Doch aus dem damaligen Gutachten war klar herauszulesen, dass man der Walpertskirchener Spange eigentlich kein positives Nutzen-Kosten-Verhältnis attestieren konnte. Die Gutachter wiesen allerdings schon damals einen Ausweg auf: Wenn sich "zusätzliche Nutzen aus der intermodalen Verknüpfung von Luftverkehr und Schienenpersonenverkehr" ergeben sollten, würde das der Bewertung der Walpertskirchener Spange weiterhelfen. Die neue Studie, die von denselben Gutachtern im Auftrag der Deutschen Bahn, mehreren deutschen Flughäfen, der Lufthansa und der Deutschen Flugsicherung ausgearbeitet worden ist, scheint solche zusätzlichen Nutzen jetzt zu belegen. Laut einer Pressemitteilung der FMG würde auch der Ausbau der Bahnlinie München - Mühldorf - Freilassing durch die Ergebnisse des neuen Gutachtens aufgewertet werden. Der Ausbau dieser Strecke, insbesondere ihre Elektrifizierung, ist eine Voraussetzung für den Bau der Walpertskirchener Spange, über die und den Erdinger Ringschluss einmal Regionalzüge zum Münchner Flughafen fahren sollen. Auf der westlichen Seite des Flughafens könnten die Regionalzüge über die Neufahrener Kurve auf die Bahnlinien nach Landshut und Regensburg gelangen.

Kerkloh denkt derweil noch ein gutes Stück weiter. Wenn im Westen von München - was grundsätzlich geplant ist - eine Verbindung von Pasing zur S-Bahnlinie S 8 gebaut wird, könnten Züge von Stuttgart zum Flughafen bis nach Österreich und umgekehrt fahren. Kerkloh forderte sogar, dass "die Verbindung von Paris nach Bratislava unbedingt über den Münchner Flughafen geführt werden sollte". Eine verbesserte Schienenverbindung von der französischen bis zur slowakischen Hauptstadt ist eines von zehn transeuropäischen Verkehrsprojekten, der die EU höchste Priorität einräumt und für deren Verwirklichung sie finanzielle Förderung versprochen hat.

Neben dem Bau des Erdinger Ringschlusses inklusive Neufahrner Kurve und Walpertskirchener Spange ist natürlich auch der Bau eines Bahnhofs am Münchner Flughafen notwendig. Im Rohbau gibt es diesen allerdings schon. Als der Flughafen gebaut wurde, wurde nicht nur ein Tunnel und ein unterirdischer Bahnhof für die S-Bahn, sondern auch ein zweiter für einen Fernbahnanschluss parallel dazu gebaut. In einem älteren FMG-Gutachten wurden als Kosten für den Ausbau dieses Fernbahntunnels und eines zweiten unterirdischen Bahnhofs Kosten von 320 Millionen Euro veranschlagt.