bedeckt München 28°

Erding:Naturschutzgebiet entrümpelt

In einem extra für Gelbbauchunken ausgewiesenen FFH-Gebiet bei Riding gab es schon seit Jahren keine der seltenen Amphibien mehr, dafür aber mehrere schrottreife Baumaschinen. Immerhin sind nun diese auf behördliche Anordnung entfernt worden

Eine ehemalige Sandgrube bei Riding in der Gemeinde Fraunberg ist 2006 mit großem Aplomb zu einem Naturschutzgebiet europäischen Rangs erklärt worden. Das drei Hektar große Gebiet wurde als Fauna-Flora-Habitat (FFH) ausgewiesen, extra für Gelbbauchunken, eine bedrohte Rote-Liste-Art. Die seltenen Amphibien sind hier schon lange nicht mehr gesichtet worden. Als der Erdinger Dietmar Enderlein im vergangenen Jahr in dem FFH-Gebiet nach ihnen suchte, fand er dafür etwas ganz Anderes: drei eingewachsene Baumaschinen und einen uralten, schrottigen Armee-Tankanhänger, aus dem eine Zapfpistole heraushing, es roch nach Schmierstoffen und Öl tropfte langsam aus Hydraulikkolben und Schläuchen. Enderlein war so entsetzt, dass er Anzeige erstattet. Die SZ Erding berichtete darüber Anfang November 2019.

Die Naturschutzbehörden wiegelten - irritierender Weise - damals weitgehend ab und signalisierten keinen Handlungsbedarf. "Alleine das Vorhandensein von Baumaschinen in der Grube ist noch nicht rechtswidrig", teilte Christine Klostermann mit, die Leiterin des Fachbereichs Umwelt und Natur am Landratsamt. Eine Einschätzung, der sich die Höhere Naturschutzbehörde bei der Regierung von Oberbayern anschloss. Dass nach Öl stinkende alte Baumaschinen in einem Naturschutzgebiet rumstehen dürfen, während die Tierart, wegen der das Areal unter Naturschutz gestellt wurde, verschwunden ist, blieb trotz dieser Behördeneinschätzungen freilich nicht zu verstehen.

Fauna-Flora-Habitat in Riding, 2019

Die bereits eingewachsenen Baumaschinen und andere Schrottteile sind abtransportiert. Dass sie mitten im Naturschutzgebiet standen, war nicht strafbar, womöglich kostet es aber ein Bußgeld.

(Foto: Renate Schmidt)

Tatsächlich wurden aber die Staatsanwaltschaft Landshut und das Landratsamt relativ schnell aktiv und machten Druck, wie aus einem Mitte März verfassten Schreiben der Staatsanwaltschaft hervorgeht. Nur fünf Tage, nachdem der Artikel in der SZ Erding erschienen war, forderte das Landratsamt den Besitzer der Sandgrube auf, alle "Maschinen und Geräte auf dem Grundstück zu entfernen und eventuelle Bodenverunreinigungen zu beseitigen". Im Dezember 2019 folgte eine Ermahnung und im Januar 2020 schließlich ein endgültig verpflichtender Bescheid. Das zeigte Wirkung, die öligen Schrottmaschinen kamen endlich weg. Die Staatsanwaltschaft stellte daraufhin allerdings ihre Ermittlungen ein, da ein Nachweis, ob es hier zu einer strafbaren Umweltverschmutzung gekommen sei, nicht mehr "mit der erforderlichen Sicherheit" möglich sei. Allerdings könnte zumindest eine Ordnungswidrigkeit vorliegen, was nun das Landratsamt prüfen muss.

"Wir sind sehr erleichtert, dass die Behörden aktiv geworden sind und ein lange dauernder 'Dreckfleck' beseitigt wurde", freut sich Dietmar Enderlein, der die Sache ins Laufen brachte. Zwar bleibe auch nach dem Abtransport der Baumaschinen noch "diverser Metall- und Kunststoffschrott, sowie Betonschutt in der Grube erhalten", sagt Enderlein, "aber wenigstens ist die Gefahr einer weiteren Grundwasserverseuchung durch das Öl in den Fahrzeugen gebannt". Gabriele Betzmeir, die Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz, weist noch auf ein weiteres Ziel hin: "Wir hoffen, dass nun auch der Lebensraum für Gelbbauchunke und Co. wieder in guten Zustand gebracht wird. Schließlich gibt es hierzu einen Managementplan der Unteren Naturschutzbehörde." Darauf hat auch Manfred Drobny, BN-Kreisgeschäftsführer, schon hingewiesen: Mit der Ausweisung der Ridinger Sandgrube als FFH-Gebiet "besteht eine Verpflichtung für die Gelbbauchunke etwas zu tun", sagte er der SZ im vergangenen Jahr.

Eine fröhliche Gelbbauchunke.

(Foto: Dietmar Enderlein/oh)

Dietmar Enderlein engagiert sich weiterhin mit anderen BN-Mitgliedern im Projekt "Allen Unkenrufen zum Trotz", das vom Bundesamt für Naturschutz und dem Bundesumweltministeriums gefördert wird. Das Projektgebiet erstreckt sich von Neuburg an der Donau bis nach Altötting über sechs Landkreise, aber nur drei beteiligen sich finanziell. Der Landkreis Erding hat als einziger zwar ein spezielles für Gelbbauchunken ausgewiesenes FFH-Gebiet, überlässt das Engagement in Sachen Unkenschutz aber ganz dem Bund Naturschutz.

Die Erdinger BN-Gruppe kümmert sich um zwei Gelbbauchunken-Bestände in den Gemeinden Wörth und Isen. Erstes Ziel ist, dass sich die Vorkommen stabilisieren. Das ist schon schwierig genug. Im zweiten Schritt sollen die Gebiete etwas vergrößert werden, damit in weiteren Pfützen und Tümpeln auch Gelbbauchunken wieder heimisch werden. Das ambitionierte Ziel, die einzelnen Vorkommen zu vernetzen - die kleinen Amphibien können prinzipiell erstaunlich weit wandern - ist aber noch in Ferne, sagt Enderlein. Das FFH-Gebiet der Sandgrube bei Riding, wäre natürlich ein denkbarer Lebensraum. Bislang quaken dort aber nur recht gewöhnliche Frösche und Kröten. Vielleicht kümmert sich ja doch der Landkreis mal darum, dass das Naturschutzgebiet seinem Anspruch gerecht wird.

© SZ vom 20.06.2020

Schrottmaschinen im FFH-Gebiet
:Undankbare Unken

Im Landkreis Erding gibt es seit langem ein extra für Gelbbauchunken ausgewiesenes FFH-Gebiet. Die seltene Amphibienart sind dort freilich seit 20 Jahren verschwunden. In dem Naturschutzgebiet von europäischem Rang dümpeln dafür alte Baumaschinen vor sich hin

Von Florian Tempel

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite