Erding Ein Wohlfühlprogramm

Ministerpräsident Horst Seehofer lernt in Erding die Therme kennen und singt in Taufkirchen mit Kindern. Schwierige Themen werden am Rande gestreift.

Von Antonia Steiger und Thomas Daller

So würde manch einer die Erdinger Therme auch gerne einmal vorfinden: menschenleer, glatte Wasserflächen, absolute Ruhe in den Saunen und alle Liegen frei. Doch die Therme und die Saunen standen an diesem Mittwochmorgen erst einmal nicht der Allgemeinheit zur Verfügung: Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte seinen Besuch angekündigt, kam jedoch eine halbe Stunde zu spät, weil er am eigenen Leib erfahren musste, wie zäh der Autoverkehr in der Flughafenregion manchmal fließt. Die Thermengäste mussten ein bisschen länger als gewohnt vor den Türen ausharren. Doch drinnen herrschte gute Laune. Auch Gastgeber Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) strahlte wie andere aus purer Freude darüber, dass der CSU-Vorsitzende nach Erding gekommen war.

Ministerpräsident Horst Seehofer besucht das Mehrgenerationenhaus in Taufkirchen.

(Foto: Renate Schmidt)

Wem so viel Freundlichkeit zuteil wird, der möchte etwas zurückgeben. Und so schrieb Seehofer in das Goldene Buch des Landkreises: "Die Verkehrserschließung kommt." Er wiederholte noch einmal, dass er an seiner Aussage festhalte, die dritte Startbahn am Flughafen werde nicht gebaut, wenn die Verkehrserschließung nicht vorangetrieben werde (siehe unten). Das auf lange Sicht wichtigste Projekt für Erding - der Bau des S-Bahn-Ringschlusses, eines Bahnhofes und der Walpertskirchener Spange - nahm jedoch nur wenig Raum ein während des Besuches. Seehofer ließ sich lieber durch die Räume im Saunaparadies und in der Therme führen - hinter sich stets den Tross aus Mitarbeitern von Landratsamt und Therme, Journalisten und einer ausreichend großen Zahl an CSU-Vertretern aus Stadt und Landkreis, zwischen ihnen vereinzelt Vertreter anderer Parteien.

Die Therme und das Saunaparadies sind am Morgen ein beeindruckender Anblick. Ebenso beeindruckend die Worte des Thermenbetreibers Josef Wund, der Seehofer seine Ausbaupläne schilderte und sich als zupackender Unternehmer präsentierte, und das gefiel Seehofer außerordentlich. Man einigte sich darauf, dass die größere Leistungsfähigkeit der Menschen im Süden Deutschlands im Vergleich zum Norden einfach eine Frage der Mentalität sei. Seehofer und dreißig Begleiter bekamen eine Brotzeit serviert und lauschten dabei auch den Erläuterungen des Geothermie-Geschäftsführers Alois Gabauer, alle anderen mussten sich mit dem Lauschen zufrieden geben und den anderen beim Essen zusehen. Bis es nach Taufkirchen weiterging.

Dort wartete vor dem Mehrgenerationenhaus schon eine Kinderschar. Das Ständchen "Schön, dass Du da bist" sangen die Kinder der "Bärengruppe" noch alleine, aber beim "Der Kuckuck und der Esel" musste Horst Seehofer schon mitsingen. Doch neben dem CSU-Bundestagsabgeordneten Max Lehmer, der 40 Jahre beim Eicherloher Dreigesang mitgewirkt hat, ging Seehofer stimmlich unter. Dann ging es rein in die "Perle einer sozialen Einrichtung", wie es Caritas-Vorstand Wolfgang Obermair formulierte.

Taufkirchens Bürgermeister Franz Hofstetter (CSU) setzte den Ministerpräsidenten in Kenntnis darüber, was die Gemeinde so zu bieten habe und fügte keck hinzu, dass der Landkreis ja aus der Planungsregion 14 ausscheren wolle und Taufkirchen den Landrat dabei nur unterstützen könne. Maria Irl, Leiterin des Mehrgenerationenhauses, war auch gekommen, obwohl sie unverkennbar schon im Mutterschutz ist. Sie umriss, wie aus dem Kinder- und Jugendhaus, das 2004 gestartet ist, nach und nach das Mehrgenerationenhaus wurde. Sie betonte auch, dass so ein Haus nicht regelfinanziert werden kann: 260 000 Euro buttert die Gemeinde jährlich in das Mehrgenerationenhaus und die Schulsozialarbeit.

Beim Rundgang traf Seehofer die Tanzgruppe der 5. Klasse Mittelschule, die ein paar Fragen an ihn vorbereitet hatte: Wie er denn auf die Idee gekommen sei, Ministerpräsident zu werden? Er sei damals Bundesminister gewesen, erläuterte Seehofer. Und dann habe es ein "politisches Problem" in München gegeben. Er grinst: "Ich war nicht unbedingt von vorneherein erwünscht."

Weiter ging der Rundgang; vorbei an einem Buben, der die linke Hand in Gips trug. "Was ist denn mit Dir passiert", wollte der Ministerpräsident wissen. "Fußball gespielt." "Und wer gewinnt am Samstag?", hakte Seehofer nach. "Bayern München", sagte der Bub. Die Antwort wurde mit einem freundlichen Klopfen auf die rechte Schulter belohnt: "Gute Besserung." Anschließend stellte Familientherapeutin Sabine Hartmann ein paar Freiwillige vor, die im Mehrgenerationenhaus arbeiten.

Das Lob über das gute und freundliche Arbeitsklima, den Spaß bei der Arbeit und die familiäre Atmosphäre war groß. Seehofer münzte es in ein politisches um: "Herr Bürgermeister, das ist eine problemfreie Zone." Aber selbst das Mehrgenerationenhaus ist keine Insel der Seeligen. Bürgermeister Franz Hofstetter und Caritas-Vorstand Obermair haben dem Ministerpräsidenten das schon auch unter die Nase gerieben: Taufkirchen erhalte kein Geld für die Schulsozialarbeit, weil sie als eine der ersten gestartet sind, für die Nachmittagsbetreuung der Ganztagsschüler gebe es zu wenig Planstellen und der Papierkram, um einen Zuschuss vom Bund zu erhalten, sei immens. "Ich werde das mitnehmen", sagte Seehofer, aber versprechen könne er nichts.