Erding Ärztliche Bereitschaft in Isen wird aufgelöst

Weil Mediziner über 62 Jahren vom Dienst befreit sind, stehen nicht mehr genügend zur Verfügung.

Von Florian Tempel

Wer im Süden des Landkreises lebt und am Wochenende oder an Feiertagen den ärztlichen Bereitschaftsdienst aufsuchen muss, muss künftig zum Teil weitere Wege in die Praxis des diensthabenden Mediziners und womöglich längere Wartezeiten in Kauf nehmen. Der Dienstbereich Isen, der auch die Gemeinden Lengdorf, Walpertskirchen, Sankt Wolfgang, Buch und Forstern umfasste, wird aufgelöst und auf die umliegenden Bereitschaftsdienstgruppen Erding, Dorfen, Haag und Markt Schwaben/Poing aufgeteilt. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns teilte mit, dass "die Umstrukturierung nötig wurde, da die Dienstgruppen Isen die notwendige Mindestzahl von 15 Ärzten deutlich unterschreitet und daher die dort Bereitschaftsdienst leistenden Ärzte unzumutbaren Dienstbelastungen ausgesetzt" wären.

Mit der Neustrukturierung wird ein bislang bestehendes Ungleichgewicht nivelliert. In dem relativ kleinen Isener Bereich mussten zuletzt die 13 Ärzte, die Bereitschaftsdienst leisteten, doppelt so häufig nachts und an Wochenenden arbeiten wie ihre Kollegen der Erdinger Dienstgruppe. Dort teilen sich 50 Ärzte den Bereitschaftsdienst, wobei jeweils zwei Mediziner gleichzeitig Dienst haben, einer in der zentralen Bereitschaftspraxis im Klinikum Erding und einer im Einsatz bei Hausbesuchen. Im Bereich des Dorfener Bereitschaftsdienste sind mehr als 20 Ärzte außerhalb der Sprechzeiten abwechselnd im Einsatz.

Für die Patienten war es tendenziell günstiger, in dem relativ kleinen Isener Gebiet den Bereitschaftsdienst in Anspruch zu nehmen, weil sie am Wochenende weniger lange im Wartezimmer des diensthabenden Arztes sitzen mussten, bis sie drankamen. Zudem werden für die Patienten die Wege in die Praxis des Bereitschaftsarztes nunmehr mitunter deutlich weiter. Denn je nach Dienstplan müssen Patienten aus Isen eventuell am Wochenende zu einem Arzt nach Gars am Inn fahren, ein kranker Lengdorfer nach Taufkirchen oder ein Bucher nach Poing.

Der Isener Allgemeinarzt A. Egon Wenning hat 30 Jahre lang Notdienste geleistet. In seinen Anfangsjahren als Hausarzt war er noch grundsätzlich verpflichtet, immer für seine Patienten erreichbar zu sein. "Ich konnte abends kaum das Haus verlassen", erinnert sich Wenning, denn Handys gab es noch nicht. In den 1990er Jahren wurde die erste Erleichterung eingeführt: der kollegiale Bereitschaftsdienst, bei dem innerhalb eines Gebiets immer nur ein Arzt Notdienst hat. Zuerst mussten jedoch nur Hausärzte mitmachen, erst später wurde die Notdienstpflicht auch auf Fachärzte ausgedehnt. Zuletzt wurde die Dienstpflicht sogar auf sehr spezialisierte Ärzte wie Radiologen, Labormediziner und Psychiater ausgedehnt. Elmar Gehardinger, der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbandes, weist jedoch daraufhin, dass jeder zum Bereitschaftsdienst verpflichtete Arzt Weiterbildungen "in der Eilfallmedizin" absolvieren müsse.

Im vergangenen Jahr hat die Kassenärztliche Vereinigung Bayern die Regeln für den Bereitschaftsdienst nochmals neu beschlossen und nun umgesetzt. Demnach müssen in einem Bereich mindestens 15 Ärzte zur Verfügung stehen. Zudem werden Mediziner über 62 Jahren vom Dienst befreit. Im Bereich Isen habe vor allem die Altersregelung eine Auflösung und Neustrukturierung nötig gemacht, sagt Wenning. Auch er selbst muss nur noch einmal ran. Danach werde er nur noch ab und an freiwillig Kollegen Dienste abnehmen.

Die Sprecherin der Kassenärztliche Vereinigung Bayerns sagte, insbesondere die Altersregel habe eine Neuorganisation des Bereitschaftsdiensten in vielen Teilen Bayerns notwendig gemacht, da überproportional viele niedergelassenen Ärzte ältere Semester seien. Eine Reduzierung der Belastung durch die Notdienste, die ja nebenbei zur normalen Arbeitszeit als Arzt dazukommen, sei zudem wichtig, weil zu hohe Belastungen junge Ärzte abschrecken, eine Praxis zu übernehmen: "Häufig ist eine der ersten Fragen eines potenziellen Nachfolgers: Wie viele Bereitschaftsdienste habe ich denn?"