"Energiewende jetzt":"Wir müssen ins Handeln kommen"

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"Energiewende jetzt": Viele in Dorfen haben schon eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, bei vielen anderen ist noch Platz dafür.

Viele in Dorfen haben schon eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, bei vielen anderen ist noch Platz dafür.

(Foto: Renate Schmidt)

Bei einem Vortragsabend in Dorfen wird deutlich, wie groß die Herausforderungen auf dem Weg zu einer klimaneutralen, bezahlbaren und sicheren Energieversorgung sind.

Von Florian Tempel, Dorfen

Sich mit der Wassertemperatur in Freibädern zu befassen, ist angesichts der aktuelle Situation nicht falsch. Beim Vortragsabend "Energiewende jetzt" der Stadtwerke Dorfen im Jakobmayer-Saal wurde jedoch deutlich, dass die Herausforderungen auf dem Weg zu einer klimaneutralen, bezahlbaren und sicheren Energieversorgung ungleich größer sind. Die Nachricht, dass Russland den Gashahn auf ein Fünftel der normalen Menge drosseln werde, war noch ganz frisch. "Wir wissen, dass uns ein möglicherweise schwerer Winter bevorsteht", sagte denn auch Stadtwerke-Geschäftsführer Klaus Steiner in der Einführung, "aber wir werden heute nicht jammern". Die Zuspitzung der Energiekrise mache jedoch eines deutlich: "Wir können nicht immer dieselben Diskussionen führen, wir müssen ins Handeln kommen."

Als erster Referent legte Detlef Fischer, der Geschäftsführer des Verbands der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft, dar, wie schlecht insbesondere Bayern dasteht. Zum einen sei der Freistaat bislang stark von russischem Gas abhängig gewesen. Während für Gesamtdeutschland Erdgas zu 40 Prozent aus Russland kam, lag der Anteil in Bayern bei 90 Prozent. "Es wird kalt", sagte Fischer, "mein Tipp, kaufen Sie eine Heizdecke". Weil die viel weniger Strom verbraucht als ein elektrischer Heizlüfter.

Denn auch beim Strom habe gerade Bayern ein Problem. Auch wenn das Kraftwerk Isar II noch etwas länger laufen werde, werde es eine erhebliche Lücke geben. Der Ausbau der Windkraft sei in Bayern tot und der Bau von Stromleitungen, die Windstrom aus dem Norden nach Bayern bringen könnten, ist erfolgreich verhindert worden. Und Photovoltaik-Anlagen (PV) bringen im Winter eben nur ein Sechstel des Ertrags wie aktuell. "Echt dumm gelaufen", sagte Fischer.

Die Staatsregierung habe gleichwohl vor, die Energieversorgung in Bayern bis 2040 klimaneutral zu machen. Ein fast schon "übereifriges Ziel", das man nur erreichen könne, "wenn wir überall Energieanlagen hinstellen". Das heiße: Windkraftanlagen überall dort, wo Wind weht, massenweise PV-Freiflächenanlagen und "die Speicher immer mitdenken". Er sei davon überzeugt, "dass das nur mit Wasserstoff geht".

Wasserstoff ist in mehr als einer Hinsicht der Stoff der Zukunft

Das war die Überleitung zum Dorfener Physiker und Energieexperten Manfred Groh, der seit knapp einem Jahr bei der Baywa-Tochter Baywa r.e. für die Wasserstoffstrategie in leitender Funktion zuständig ist. Er legte in seinem Vortrag dar, dass Wasserstoff zwar durch Elektrolyse relativ einfach zu produzieren sei. Gleichwohl werde man ihn in gigantischen Mengen benötigen. Wasserstoff werde als chemischer Grundstoff, für die Düngerproduktion und für Kraftstoffe in rauen Mengen gebraucht. Er wäre zudem die einzige Alternative zu Kohle bei der Stahlerzeugung und für die Produktion von synthetischen Kraftstoffen für den Flug- und Schiffsverkehr notwendig.

Um aber genug Wasserstoff elektrolytisch zu erzeugen, "muss man doppelt so viel Strom herstellen wie bislang - da haben wir richtig viel Arbeit vor uns". Groh rechnete an einem griffigen Beispiel vor, dass PV-Anlagen eine enorm effiziente Sache seien: Mit dem Biosdiesel, den man aus einem Hektar Rapsanbau produzieren könnte, würde ein Auto 25.000 Kilometer weit fahren. Der Strom von einem Hektar PV-Anlage reiche hingegen für fünf Millionen Kilometer, das ist 200 Mal mehr.

Stadtwerke-Chef Klaus Steiner sagte in seinem Vortrag, dass er durchaus überlege, einen Wasserstoff-Elektrolyseur anzuschaffen, um Überschüsse bei der Stromerzeugung speichern zu können. Man könnte das gleich mit einer Wasserstofftankstelle, günstig an der A-94-Auffahrt gelegen, kombinieren. Vor allem wolle man aber die ökologische Dorfener Fernwärme konsequent weiter ausbauen, erläuterte Steiner. Das Netz werde in den kommenden Jahren erweitert, zudem ist ein Heizkraftwerk im Süden der Stadt geplant. Physiker Manfred Groh bezeichnete das Fernwärmenetz als das beste und effizienteste Heizwärmesystem: "Ein ganz großes Lob an Dorfen."

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